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Kuehn, S.

Bewertungen

Insgesamt 983 Bewertungen
Bewertung vom 25.10.2021
Book Rebels

Book Rebels


ausgezeichnet

Starke Frauen und Mädchen
"Book Rebels" beschreibt 75 Heldinnen aus der Literatur in Wort und Bild.
Zu jeder der beschriebenen Frauen und Mädchen gibt es eine Doppelseite. Einmal eine wunderbar aussagekräftige Illustration zu der Figur und auf der anderen Seite ein kurzes Porträt zum Buchtitel und Autor. Selbstverständlich wird hier auch die Besonderheit jeder Heldin vorgestellt und auch ein treffendes Zitat aus dem Buch. Besonders gut gefallen hat mir, dass verschiedene Autorinnen hier zusammenarbeiten. Dadurch werden die Texte noch abwechslungsreicher.
Es sind Klassiker enthalten, wie Jane Eyre und Miss Marple, Figuren aus alten Zeiten, wie Iphigenie und Antigone, aber auch allseits bekannte wie Alice, Heidi und Pippi Langstrumpf. Auch modernere Heldinnen wie Katniss und Starr spielen hier eine Rolle.
Für mich war das eine gelungene Mischung aus altbekannten und von mir geliebten Figuren und mir gänzlich unbekannten Heldinnen. Einige davon werde ich jetzt ganz sicher kennenlernen, da mich da beim Lesen die Neugier gepackt hat.
Allen Figuren ist gemein, dass sie Heldinnen sind, jede in ihrer Zeit und auf ihrem Gebiet, sie sind stark, wissbegierig und setzen sich mutig durch.
Ein Quellenverzeichnis, Glossar und umfangreiche Autoreninfos runden dieses rundum gelungene Buch ab. Ich bin mir sicher, dass ich noch mehr als einmal darin blättern und lesen werde. Für alle Leseratten, nicht nur für Mädchen, uneingeschränkt zu empfehlen.

Bewertung vom 24.10.2021
Die Dornen der Stille (eBook, ePUB)
Korten, Astrid

Die Dornen der Stille (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Gefangen in der Stille
"Die Dornen der Stille" von Astrid Korten ist ein sehr komplexer Psychothriller, bei dem man quasl gezwungen ist, auch um die Ecke zu denken.
Hier geht es um Alex, einen Drehbuchautor, der sich an die Polizei wendet, um ein Verbrechen zu verhindern. Dabei gibt er sogar Einblick in sein Tagebuch.
Erzählt wird hier im Stil eines Tagebuchs aus Alex Leben, das nochmals eine Wendung nimmt, als die Familie den Nachbarjungen David bei sich aufnimmt. Das gemeinsame Aufwachsen der Jungen ist von einer sonderbaren Atmosphäre geprägt, ihre Beziehung zueinander eine sehr komplexe.
Zwischendurch wird die Erzählung unterbrochen von sehr gewalttätigen Briefen und Geschichten und auch vom Fortgang der Ermittlungen im Büro der Polizei.
Von Anfang an hat mich die Geschichte sehr gefesselt, wollte ich mehr über das Schicksal von Alex erfahren, der tragischerweise alle seine Beziehungen verlor. Beim Lesen mußte man hier wirklich sehr aufmerksam sein, um den Faden nicht zu verlieren, keine Geschichte zum so nebenbei lesen.
Der Schreibstil der Autorin ist gekonnt flüssig und souverän schafft sie Bilder, die mir vor Augen stehen. Teilweise war ich tiefer im Geschehen, als ich es wünschte.
Das Ende brachte nochmal eine Wendung und verknüpfte einige, der für mich noch losen Fäden. Es ist definitiv nicht der letzte Thriller der Autorin, den ich gelesen habe, weil ihre Bücher sehr viel Abwechslung beinhalten und anspruchsvoll sind.

Bewertung vom 23.10.2021
Raumfahrer
Rietzschel, Lukas

Raumfahrer


gut

Deprimierend
"Raumfahrer" von Lukas Rietzschel ist ein Roman, der ein Brücke schlägt, eine Brücke zwischen den Zeiten.
Jan arbeitet in einem Krankenhaus, dass geschlossen wird und lebt zusammen mit seinem Vater in einer Wohnung, in Kamenz. Ein Patient übergibt ihm eine Schachtel mit Unterlagen, die irgendwie an ihn adressiert sind. In diesen Unterlagen erfährt er nach und nach mehr Details aus seiner eigenen Familiengeschichte, als er jemals aus Gesprächen mit seiner Familie erfahren hat. Aber diese Sprachlosigkeit hält an, sie ist allumfassend.
Die Geschichte und auch der Schreibstil an sich trägt etwas ganz düsteres in sich, verbreitet Hoffnungslosigkeit. Das passt in großen Teilen auch sehr gut zu dem Verfall ringsum, hat mich als Leser aber immer auf Abstand gehalten.
Der Klappentext hat mich sehr angesprochen und ich wollte die Geschichte wirklich mögen, konnte mich hier aber nirgendwo identifizieren oder Sympathien aufbauen. Einige der Randerzählungen waren aber wirklich sehr gelungen.

Bewertung vom 22.10.2021
Wildtriebe
Mank, Ute

Wildtriebe


sehr gut

Bleiben oder Gehen
"Wildtriebe" ist der Debütroman von Ute Mank und der ist ihr ausgesprochen gut gelungen.
Hier geht es um drei Frauen, aus drei Generationen, die auf einem Hof leben, der für jeden der drei etwas ganz anderes in ihrem Leben darstellt. Dieses Zusammenleben geht natürlich nicht ohne Konflikt, da hier ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit ganz verschiedenen Werten, Träumen und Wünschen aneinander geraten.
Die Probleme der Frauen werden in einem außergewöhnlichen Schreibstil beschrieben, man kann tief in die Leben eintauchen und die Charaktere kennenlernen. Trotzdem blieben sie mir etwas fremd.
Was mir sehr gefallen hat, war das eintauchen in das Leben auf diesem Bauernhof zu früheren Zeiten, die harte Arbeit und die Lebensumstände. Auch die Schwierigkeiten, wenn man aus diesem Leben ausbrechen wollte, was das für die folgenden Generationen bedeutete, sind eindrucksvoll dargelegt.
Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der alten Bäuerin und ihrer Schwiegertochter. Ganz einfach fiel mir das unterscheiden nicht immer, was den Lesefluss etwas störte.

Bewertung vom 21.10.2021
Untermieter im Kopf
Suter-Lattmann, Angela

Untermieter im Kopf


sehr gut

Gefühlvoll und bewegend
"Untermieter im Kopf" von Angela Suter ist eine Novelle über die Begegnung zweier Menschen, die zwar kurz, aber umso intensiver und eindrücklicher war, die tiefe Spuren hinterlassen hat.
Wir begleiten hier die sehr sympathische Protagonistin zu einem wiederkehrenden und wichtigen Kontrolltermin auf ihrem Weg durch die Stadt Zürich bis ins Klinikum. Ihre Gedanken werden hier sehr offen, ehrlich und humorvoll mitgeteilt.
Auch einen Termin hier hatte Tim, den sie kennenlernt und den weiteren Tag mit ihm verbringt. Emma erzählt ihm sehr viel von ihren Gedanken und auch Erinnerungen aus ihrm Leben und dadurch lernen auch wir sie besser kennen. Tim schweigt meistens, aber er ist ein guter Zuhörer. Die beiden mögen sich auf Anhieb sehr und treffen eine verbindliche Verabredung für den nächsten Termin in sechs Monaten.
Was an diesem Tag dann geschieht, ist sehr emotional und bringt einen beim Lesen dazu, über den Wert jeden einzelnen Tages, jeden netten Menschens, jedes Lächelns und liebes Wortes nachzudenken und es zu schätzen.
Die Autorin verwendet teils sehr poetische Worte und schafft es, das sehr ernste Thema trotz allem mit einer Prise Humor anzugehen.

Bewertung vom 21.10.2021
Ausweglos (eBook, ePUB)
Faber, Henri

Ausweglos (eBook, ePUB)


sehr gut

Wer sagt die Wahrheit?
"Ausweglos" von Henri Faber ist ein Thriller/Krimi, der mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet.
Noah Klingberg wird verletzt neben der grausam ermordeten Nachbarin in deren Wohnung gefunden. Der Mörder hat ihn auf dem Dachboden abgefangen und gezwungen ihn zu seiner Frau zu bringen. Noah war der Meinung, die Nachbarin ist verreist. Am Tatort weist alles auf einen Serien-Killer hin, der vor Jahren aktiv war und nie gefaßt wurde. Deshalb setzt Kommissar Elias Blom alles daran, wieder in die Ermittlungen einbezogen zu werden.
Die einzelnen Handlungsstränge werden abwechselnd von Noah, seiner Frau, Elias und auch dem Täter verfasst. Dadurch kommt sehr viel Abwechslung in die Sichtweise. Die Spannung ist von Anfang an hoch, das Buch aber recht lang, deshalb gibt es ab und an auch ruhigere Passagen.
Was mir hier sehr gefallen hat, ist dieses Spiel mit der Psyche des Lesers. Hier wird doch öfter mal der Verdacht auf den Täter verschoben und durch mehrere Perspektivwechsel geändert. Bis zum Ende bleiben Schuldfragen ungeklärt. Das Ende ist auch mein einziger Kritikpunkt, das wirkte für mich etwas aufgesetzt und konstruiert. Alles in allem ein sehr spannendes Buch, wenn man sich darauf einlässt.

Bewertung vom 20.10.2021
Harzhunde
Lange, Roland

Harzhunde


ausgezeichnet

Blume im Harz
"Harzhunde" von Roland Lange ist ein sehr spannender Kriminalroman und nach "Harzkinder" schon der zweite Fall, in dem Stefan Blume ermittelt. Mir war der erste Band unbekannt, was sich beim lesen nicht negativ auswirkte. Das Buch hat mir aber so gut gefallen, dass ich den nachholen werde.
Wölfe im Harz? Oder steckt doch etwas ganz anderes dahinter? Ein Hobbyjäger muß vor einem riesigen Wolf fliehen, ein Schafzüchter hat Verluste zu beklagen und dann wird bald noch Schlimmeres im Wald gefunden.
Die Wolfsexpertin und Tierschützerin vor Ort muss sich bald selbst schützen und Stefan Blume erfährt bei der Observierung einer untreuen Ehefrau noch andere Ungereimtheiten. Stefan Blume ist mal so ein ganz anderer Ermittler, mir war er von Beginn an sympathisch. Ein Mann mit Ecken und Kanten und einer bewegten Vergangenheit, dem auch mal Fehler unterlaufen dürfen.
Die Sichtweisen auf das Geschehen wechseln sich hier ab, die Spannung ist von Anfang an hoch und bleibt es auch. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die sich sehr sinnvoll miteinander verbinden.
Der Kriminalfall ist sehr raffiniert angelegt und man bleibt wirklich lange über die wahren Hintergründe im Unklaren. Alle Personen waren gut dargestellt, mich konnte die Schreibweise überzeugen, mich in das Geschehen ziehen. Beim nächseten Besuch im Harz werde ich den Wald mit anderen Augen sehen.

Bewertung vom 20.10.2021
Unter dem Sturm / Die Halland-Krimis Bd.1
Carlsson, Christoffer

Unter dem Sturm / Die Halland-Krimis Bd.1


ausgezeichnet

Vererbtes Verbrechen
"Unter dem Sturm" von Christoffer Carlsson ist ein eher ruhiger Kriminalroman mit einer düsteren Grundstimmung.
Eine junge Frau kommt nicht lebend aus einem brennenden Haus, sie wurde erschlagen. Ein junger Mann, Edvard, liegt blutend im Wald nebenan, er war ihr Freund. Schon sein Vater war als gewalttätig bekannt und sehr schnell ist man sich in diesem kleinen schwedischen Ort einig, dass nur er der Täter sein kann.
Edvard wird verurteilt und inhaftiert. Sein Neffe Isak trägt im weiteren Leben immer die Angst mit sich, diese Gewalttätigkeit geerbt zu haben, was sein Leben auch beeinflußt.
In diesem Buch werden einige sehr starke Charaktere gezeichnet, lebensecht und glaubhaft. Außer Edvard und Isak ist da auch noch der Polizist Vidar, den man über viele Jahre begleitet.
Die Stärken von diesem Buch liegen nicht in der Spannung, obwohl die vorhanden ist, sondern wirklich in den guten und bildhaften Beschreibungen. Das Leben in der kleinen Dorfgemeinde, das gegenseitige Mißtrauen, die Natur, die Arbeitsbedingungen, hier wird eine komplette Welt dargestellt. Man kann tief in diese atmosphärische Erzählung eintauchen.
Das Geschehen spielt in den Jahren 1994,2004 und 2014 und man kann sehr gut die Entwicklung der Personen verfolgen. Für mich ist das ein rundum gelungener schwedischer Krimi.

Bewertung vom 20.10.2021
Eskalation
Benrath, Nora

Eskalation


gut

Einsames Telefonat
"Eskalation" von Nora Benrath ist ein Thriller, der atemberaubend spannend beginnt. Ein Albtraum, sich das vorzustellen. Dina ist alleine in ihrem Auto unterwegs, als sie über ihr Handy angerufen wird. Der Anrufer zwingt sie weiterzufahren, sie darf nicht auflegen und er weiß so einiges aus ihrem Leben. Dina hat Angst und sieht die Bedrohung auch in ihrem Rückspiegel.
Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln erzählt, deren Sichtweise ständig wechselt. Dadurch bekommt man aus verschiedenen Perspektiven einen Einblick in das Geschehen. Das erhöht die Spannung und bringt Bewegung in die Sache.
Die Idee hinter dem Ganzen finde ich sehr gut, leider ist der Spannungsbogen sehr schnell abgeflacht, war über weite Strecken nicht mehr vorhanden. Die Charaktere blieben mir fremd und wenig sympathisch und ich fand die Auflösung des Ganzen etwas aufgesetzt, irgendwie unschlüssig. Das hat mein Lesevergnügen hier etwas getrübt.

Bewertung vom 20.10.2021
Dreieinhalb Stunden
Krause, Robert

Dreieinhalb Stunden


sehr gut

Zugfahrt ins Ungewisse
"Dreieinhalb Stunden" von Robert Krause ist eine Zeitreise der ganz besonderen Art. Wir steigen hier mit ein in einen Zug von München nach Berlin. Das Besondere ist hier das Datum, es ist der 13. August 1961, das Datum des Mauerbaus.
Während der Zug seine Fahrt beginnt, lernen wir nach und nach einige der Mitreisenden näher kennen. Spannend wird es dann ab dem Zeitpunkt, wo das Wissen um den Mauerbau mit im Raum steht. Es bleiben noch dreieinhalb Stunden für die Mitreisenden eine Entscheidung zu treffen, eine Entscheidung für aussteigen oder weiterfahren.
Diese Entscheidungen sind sehr weitreichend, da ja nicht nur der Einzelne, sondern auch seine kompletten Familie, seine Zukunft betroffen ist.
Die Geschichte wird hier anhand von Einzelschicksalen erzählt, was das Ganze sehr nachfühlbar macht. Wir haben hier ein älteres Paar mit der Urne ihres Bruders, eine DDR-Rockband, einen Flugingenieur auf Arbeitssuche, ein Turnertalent mit Trainerin, eine junge Familie und noch einige mehr.
Abwechselnd wird hier erzählt aus ihrem Leben, ihrer Vergangenheit, den Träumen für die Zukunft. Alle diese Menschen haben etwas zu verlieren, egal wie auch die Entscheidung ausfällt.
Mir hat die Beschreibung der bekannten historischen Situation anhand der Einzelschicksale sehr gut gefallen, man konnte sehr viel nachempfínden beim lesen. Die Spannung, wer hier welche Entscheidung aus welchen Gründen trifft, blieb bis zum Ende aufrecht und hat mich das Buch kaum aus der Hand legen lassen.