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smartie11
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In Niedersachsen
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Bewertungen

Insgesamt 921 Bewertungen
Bewertung vom 09.12.2015
Jonas' großes Comic-Chaos
Baumeister, Jens

Jonas' großes Comic-Chaos


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Jonas gehört in der Schule eher zu den Außenseitern als zu den „coolen Kids“. Daher flüchtet er sich in den Pausen oft an seinen geheimen Platz auf der Schultreppe und zeichnet lieber Comic-Figuren in sein Heft. Doch eines Tages verschwinden Captain Flint, Sir Iron und Galactic Man aus seinem Heft und tauchen plötzlich in anderen Büchern, auf Tapeten und sogar auf der Schultafel wieder auf. Dass sie dabei auch noch von einer etwas widerspenstigen Prinzessin begleitet werden, macht die Sache nicht einfacher…

Meine Meinung:
Der Titel hält, was er verspricht: Ein unglaublich lustiges und quirliges Comic-Chaos, das garantiert keinen Lachmuskel verschont! Die Geschichte selbst fußt auf einer sehr kreativen Grundidee und ist wirklich toll umgesetzt. Ich hab´ mich beim Lesen ständig gefragt, was die ausgebüxten Comic-Helden wohl als nächstes anstellen bzw. wo sie als nächstes überraschend auftauchen. Dabei schaffen es die Comic-Helden sogar, den Leser ganz direkt anzusprechen und mit in die Handlung einzubeziehen (siehe S. 108), das ist echt toll gemacht.

„Jonas´ großes Comic-Chaos“ bietet aber nicht „nur“ Spaß und Unterhaltung, nein auch für Spannung ist durchaus gesorgt, denn Jonas ist mit seinen ausgebüxten Comic-Helden stärker verbunden als er das zuvor gedacht hätte! Darüber hinaus bringt die Geschichte auch noch Tiefgang mit, denn es geht z.B. auch um Themen wie „Außenseiter“ und „Freundschaft“. Und dass die Schule in der Geschichte auch noch ein paar augenzwinkernde Seitenhiebe abbekommt, dürfte bei den jungen Lesern (Altersempfehlung ab 10 Jahre) auch gut ankommen.

Aber nicht „nur“ Jens Baumeisters Story weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, auch Mareikje Kerstings Illustrationen sind einfach wunderbar! Die Story und die zahlreichen, sehr abwechslungsreichen Illustrationen gehen eine ganz wunderbare Symbiose ein und passen wirklich perfekt zueinander. Man hat zwischendurch das Gefühl, dass Text und Illustrationen schon fast miteinander „verschmelzen“. Das ist wirklich ein ganz tolles „Gesamtpaket“!

Aber auch die Charaktere möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen. Mit Jonas und Tülay gibt Jens Baumeister sowohl den Jungs als auch den Mädchen jeweils eine wunderbare Identifikationsfigur. Ich mochte sie beide von Anfang an sehr gerne und konnte mich in ihre Lage und Gefühlswelt sehr gut hineinversetzen. Insbesondere Tülay hat mich durch ihre taffe Art sehr überrascht und überzeugt. Die beiden sind ein tolles Team, das zusammen problemlos durch Dick und Dünn gehen kann. Sehr gut gefallen hat mir aber auch Tülays Oma, auch wenn ich wirklich kein Wort von dem verstanden habe, was sie „gesagt“ hat, da sie ja nur Türkisch „spricht“. Selbst „Klassenrüpel“ Tom ist mir zum Ende hin fast sympathisch geworden. Nur die olle Lehrerin Frau Gmeiner (Der Name ist Programm!) wird sich wohl nicht mehr ändern… Aber jede gute Story braucht ja auch einen „Bad Guy“, oder?

FAZIT:
Ein unglaublich lustiges und quirliges Comic-Chaos, das garantiert keinen Lachmuskel verschont! Unbedingt lesen!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 07.12.2015
Kleiner Ritter Kurz von Knapp. Ungeheuer große Abenteuer!
Seltmann, Christian

Kleiner Ritter Kurz von Knapp. Ungeheuer große Abenteuer!


sehr gut

Unsere Meinung:
Auf 83 Seiten, handlich verpackt in ein Hardcover mit dem Maßen 17 x 23 cm, berichtet Autor Christian Seltmann in 11 Kapiteln (jeweils zwischen 4 und 9 Seiten lang) von den spannenden Abenteuern des kleinen Ritters Kurz von Knapp. Auch wenn das Buch explizit als „Geschichten zum Vorlesen“ be(unter)titelt wurde, eignet es sich m.E. durchaus auch für fortgeschrittene Leseanfänger ca. ab der zweiten Klasse. Dies deckt sich auch mit der Leseempfehlung von 5 bis 7 Jahre, die ich als passend empfinde, auch wenn sicherlich auch etwas ältere Kinder ihren Spaß an Ritter Kurz von Knapps Abenteuern haben werden!

Sehr gut gefallen hat uns, dass es gleich zu Beginn eine Vorstellung der Personen gibt. Hier wurde uns sehr schnell klar, dass der kleine Ritter Kurz von Knapp in seiner Ritter-Klasse so ziemlich alleine da steht. Nicht umsonst heißen seine – erwachsenen! – Mitschüler Ritter Motz, Herr von Wichtig, Ritter Brett vorm Kopf, Ritter Gross von Kotz. Zu dieser illustren Runde gesellt sich noch die Klassenlehrerin Gundula von Ganz-Genau. Diese schickt ihre Schüler dann sogleich auch hinaus in die Welt, um Abenteuer zu bestehen und ein ritterliches Lied darüber zu dichten.

So ganz allein steht der kleine Ritter zum Glück dann doch nicht da, denn einerseits hat er sein treues sprechendes Pferd und andererseits helfen ihm seine Freunde, die „fabelhaften Kreaturen“. Dies ist ein bunt zusammen gewürfelter Haufen, zu dem unter anderem der Dreiköpfige Drache Karl-Heinz-Otto, das Monster-Mädchen Monbijou oder auch das Einhorn Horst gehören. Wann immer der kleine Ritter nicht weiter weiß, stehen sie ihm mit Taten oder guten Ratschlägen zur Seite. Hier sind die Themen Freundschaft und Zusammenhalt für meinen Geschmack sehr schön umgesetzt.

Die Geschichte – also die Abenteuer des kleinen Ritters - ist wirklich spannend und vielfältig, da verschlägt es den kleinen Prinzen zum Beispiel auf die Insel der Elfen (auf der er sich tierisch langweilt) oder er findet tatsächlich eine Tarnkappe und den Stein der Weisen. In Kapitel 8 erlebt der kleine Prinz schon fast rekordverdächtig viele Abenteuer in kürzester Zeit. Insgesamt sind alle Abenteuer sehr altersgerecht und für die Zielgruppe passend beschrieben. Nur dass der kleine Prinz einem Gegner das Schwert ins Herz bohrt, hat meinen kleinen Sohn (4) doch sehr beschäftigt. Hier hätte es für meinen Geschmack eine „gewaltfreiere“ Lösung geben können. Auch dass der kleine Ritter gleich auf den „Schwa Pi“ losstürmt, als dieser lediglich etwas „nass forsch“ agiert, fand ich ein bisschen überzogen. Zugegeben, gegen die Märchen der Gebrüder Grimm ist das aber noch immer eher harmlos…

Besonders lustig fanden meine beiden Söhne die fantastischen Kreaturen (die auch schon mal mit „Dafür-“ und „Dagegen“-Schildern abstimmen) und die vielen lustigen (Fantasie)Namen (z.B. "Ritter Fett im Topf" & Co.). Auch die Idee mit dem Lied „Ein Mann, der sich Kolumbus nannt…“ (Dessen Noten sich auf S. 80 finden – man findet es auch auf Youtube!), das der kleine Ritter zu seinem Abenteuerlied umgedichtet hat, hat mir sehr gefallen.

Last but not least möchte ich an dieser Stelle die zahlreichen, wirklich sehr schönen Illustrationen von Pina Gertenbach loben. Sie hat den Text stets perfekt in Bilder umgesetzt, deren Betrachtung einfach Spaß macht! Zuhörende Kinder können beim Vorlesen so sehr viel entdecken und für selbst lesende Kinder sind diese Bilder eine wunderbare Unterstützung, sich den Inhalt des Textes selbst zu erarbeiten. Hier merkt man sehr positiv die „Verwandtschaft“ zu den anderen drei „Ritter Kurz von Knapp“-Büchern, die in der Reihe „Allererstes Lesen“ für Leseanfänger konzipiert und erschienen sind.

FAZIT:
Tolle Abenteuer, tolle Charaktere und fantastische Illustrationen. Ein prima Gesamtpaket für kleine und größere Leser!

Bewertung vom 10.11.2015
Ab durch die Tonne / Scary Harry Bd.4
Kaiblinger, Sonja

Ab durch die Tonne / Scary Harry Bd.4


ausgezeichnet

Scary Harrys 4. Abenteuer: Cool, witzig und einfach nur Kult!

Zum Inhalt:
Der neue Vertretungslehrer Mr Malone sieht nicht nur merkwürdig aus, er verhält sich auch noch so. Warum quetscht er Otto über dessen verschwundenen Onkel Archibald aus und wieso observiert er heimlich Tante Sharons Villa? Dann taucht auch noch plötzlich der längst verstorbene Schulgründer Professor Schwefelkopf auf und Sensenmann Harold bekommt eine Nachricht, dass irgendjemand ein illegales Jenseitsportal geöffnet hat, durch das nun unkontrolliert Jenseitsbewohner ins Diesseits gelangen…

Meine Meinung:
„Ab durch die Tonne“ ist der mittlerweile vierte Teil der erfolgreichen Scary Harry-Reihe von Sonja Kaiblinger (wenn man mal das Mini-Buch „Fledermaus frei Haus“ nicht mitzählt). Eines schon mal vorweg: Auch der vierte Band steht den ersten drei Teilen mal wieder wirklich in Nichts nach! Aber der Reihe nach:

Die Story ist genau so, wie man es von Scary Harry schon gewohnt ist und sich auch erwartet: witzig, spannend, spooky, schräg und einfach nur…. gut! Es ist schon erstaunlich, wo Autorin Sonja Kaiblinger immer wieder neue abgefahrene Ideen für „ihren Harry“ hernimmt. Es macht wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen und zwar von der ersten bis zur letzten der rd. 240 Seiten! Dabei gelingt es Sonja Kaiblinger immer wieder, mich zu überraschen und zum Schmunzeln, Grinsen und auch Lachen zu bringen. Auch diesen Band hätte ich am Liebsten in einem Rutsch durchgelesen. Aber als Diesseitsbewohner muss man ja auch mal schlafen…

Einen ganz besonderen Zauber der „Scary Harry“-Reihe machen für mich die tollen Charaktere aus. Allen voran natürlich Sensenmann Harold selbst (der während der Spanischen Grippe nur haarscharf an einem Burn-Out vorbeigeschlittert ist!), der sich allerdings für meinen Geschmack in diesem Band ein Bisschen rarer macht als noch im Vorgängerband. Nichtsdestotrotz ist Harold echt Kult! Aber auch Otto („der heimliche Protagonist“), Emily (ein ganz taffes und cooles Mädel!) und mein absoluter persönlicher Liebling Vincent (die frechste Fledermaus aller Zeiten! – still in love) stehen Harold in Nichts nach. Bei „Scary Harry“ sind sogar die Geister zum Gernhaben (zumindest manche), wie z.B. der kleine, Telenovela-süchtige Torero Fernando (der diesmal auch ein wenig zu kurz kommt) oder der „neue“ Professor Schweinekopf ääh… Schwefelkopf. Solche schaurig-schön-schrägen Figuren trifft man selten! Aber Sonja Kaiblinger „kann“ selbstverständlich auch Fieslinge, was ihr mit dem „Piano-Mann“ (kleine Anspielung, mehr wird nicht verraten) gut gelungen ist!

Last but absolutely not least: Die Illustrationen von Fréderic Bertrand sind absolut klasse! Sein Zeichenstil passt sowas von perfekt zu Sonja Kaiblingers Charakteren und ihren Stories, dass ich mir Scary Harry ohne Bertrands geniale Illustrationen schon gar nicht mehr vorstellen könnte. Sei es der als Clown kostümierte Professor Schwefelkopf (u.a. Umschlagrückseite), der von Vincent hartnäckig „beklammerte“ Harold von S. 201 oder auch der unglücklich verliebt dreinschauende Vincent von S. 18.

Ich freu´ mich schon jetzt auf die nächsten Bände!

FAZIT:
Scary Harry macht süchtig: Witzig, spannend, spooky, schräg und einfach nur…. gut! Es macht wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen und zwar von der ersten bis zur letzten Seite!

Bewertung vom 02.11.2015
Die magischen Augen von Stonehill
Kliebenstein, Juma

Die magischen Augen von Stonehill


ausgezeichnet

Super spannend und schaurig-gruselig: Ein „Page-Turner“ nicht nur für Kinder!


Zum Inhalt:
In der eher verschlafenen Möchtegern-Stadt Stonehill (es fehlen leider fünf Einwohner, um als Stadt anerkannt zu werden) zieht überraschend die etwas merkwürdige Familie Burrow hinzu, passenderweise in das älteste Haus der Stadt. Kurz darauf verhindert Victroia Burrow auf einem Schulausflug ans Meer in letzter Sekunde eine Katastrophe. Dass ihre Augen dabei in allen Farben gefunkelt und sich rasend schnell gedreht haben, ist aber nur Lucy aufgefallen, die daraufhin mit Unterstützung ihres Goldfisches Dr. Watson die Ermittlungen aufnimmt…

Meine Meinung:

Mystisch, geheimnisvoll und richtig spannend geht´s im neuesten Buch der erfolgreichen Kinderbuchautorin Juma Kliebenstein zu (u.a. „Anton und Antonia“, „Tausche Schwester gegen Zimmer“). Schon das wirklich gelungene Cover gibt eine gute Vorstellung davon, was den Leser erwartet. In die 270 Seiten starke Geschichte selbst (aufgeteilt in 30 Kapitel) bin ich sehr schnell und problemlos hineingekommen. Lediglich mit den ganzen Namen der Schüler hatte ich am Anfang so meine Probleme, aber das hat sich schnell gebessert.

Sehr gut gefallen hat mir, dass das Geheimnisvolle am Anfang der Geschichte noch sehr unterschwellig, hauptsächlich in Form der stets präsenten Katze Cleopatra, daher kommt. Aber spätestens nach dem ersten Drittel der Geschichte greift das Mysteriöse immer mehr um sich und es wird von Kapitel zu Kapitel spannender und auch noch richtig schön schaurig-gruselig! Dabei hat mich die Geschichte immer mehr in ihren Bann gezogen, so dass ich sie kaum noch auch der Hand legen konnte. Dennoch überspannt es die Autorin für meinen Geschmack mit der Spannung und dem Grusel nicht, so dass ich mich der offiziellen Leseempfehlung (ab 10 Jahren) durchaus anschließen kann. Für mich ist es eine perfekte Geschichte für dunkle, stürmische Herbst- und Winterabende. Optimaler Weise an einem prasselnden Kamin mit einer Tasse heißen Tee.

Juma Kliebensteins Charaktere, mit denen sie ihrer Geschichte Leben einhaucht, haben mir sehr gut gefallen, allen voran die mutige Lucy und ihr treuer Berater, der Goldfisch „Dr. Watson“. Die „Gespräche“, die sie regelmäßig mit ihm führt waren für mich ein kleines Highlight dieses Buches. Wer jetzt vom – wirklich tollen! - Cover und den beiden Protagonisten Lucy und Viola her denken könnte, „Stonehill“ sein ein reines „Mädchenbuch“, dem muss ich wiedersprechen. Aus meiner Sicht ist „Stonehill“ auch für Jungs eine tolle und spannende Lektüre.

Juma Kliebensteins Geschichte wird von zahlreichen wunderbaren, teilweise ganzseitigen Illustrationen von Monika Parciak (u.a. „Das Geheimnis von Ashton Place“-Reihe und „Der Zauberer Barbeutzebutz“) perfekt abgerundet, die hervorragend zur Geschichte passen und die Atmosphäre richtig gut rüberbringen. Ein ganz tolles Gesamtpaket!

Last but not least möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Juma Kliebenstein die Geschichte für meinen Geschmack wirklich sehr schön eingeleitet hat. Denn sie berichtet zu Beginn, dass dies eine Geschichte ist, die die Kinder „erlebt und erzählt“ haben und dass Erwachsene Geschichten manchmal ganz anders erleben als Kinder bzw. den Schilderungen der Kinder nicht wirklich Glauben schenken wollen. Vielleicht sollte man sich dies als Erwachsener im Alltag viel öfter mal in Erinnerung rufen…

FAZIT:
Mystisch, geheimnisvoll und richtig spannend: Dieses Buch kann man nur noch ganz schwer wieder aus der Hand legen!

Bewertung vom 22.10.2015
Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich
Jaud, Tommy

Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich


sehr gut

Wenn Dich mal wieder das schlechte Gewissen plagt: ESMI!

Mit Sean „Brummel – Einen Scheiß muss ich“ wagt sich Erfolgs-Autor Tommy Jaud (u.a. „Hummeldumm“, „Millionär“, „Resturlaub“) auf ein neues Terrain. Zwar bleibt er dem und seinem Humor 100%ig treu, aber diesmal nicht in reiner Roman-Form. Sein neues Buch ist viel mehr ein triefend-ironischer, stellenweise völlig überspitzer Lebens-Ratgeber, der mit einer Vielzahl von gesellschaftlichen Vorgaben und Trends sowie Erwartungshaltungen (egal ob von anderen oder von einem selbst) radikal aufräumt. Natürlich wäre Tommy Jaud nicht Tommy Jaud, wenn er um diesen Anti-Ratgeber nicht doch auch einen kleinen Roman herumgeschrieben hätte: Den kometenhaften Aufstieg des fiktiven Amerikaners Sean Brummel. Genau, dem Erfinder des Brummel-Bock, einem der stärksten Biere Amerikas, gebraut in der original Brau-Hummel aus Deutschland!

Zentraler Dreh- und Angelpunkt von Jauds „Ratgeber“ ist das von ihm erfundene „Muss-Monster“ („Du musst noch…“), das einem ständig im Nacken sitzt und gebetsmühlenartig zu ungeliebten aber (angeblich!) notwendigen Tätigkeiten auffordert. Diesem fiesen „Muss-Monster“ hat Jaud alias Brummel seine neue Zauberformel entgegengestellt: „Einen Scheiß muss ich!“ oder kurz: „ESMI!“ (englisch „Do Whatever the Fuck You Want!“).

Auf rd. 320 Seiten zieht Jaud hemmungslos diverse Ratgeber und angebliche Verhaltenszwänge querbeet aus allen Bereichen des Lebens durch den Kakao. Beispiele gefällig?
-> Ich muss aufräumen? ESMI, denn Ordnung ist wider die Natur!
-> Ich muss mehr Fisch essen? ESMI, auf Quecksilber und Nano-Plastikpartikel kann ich verzichten!
-> Ich muss mehr Sport machen? ESMI, viel zu viel Stress (Wo ist der MP3-Player? Ist der Akku geladen? Die Playlist aktualisiert? Und wo ist mein Funktionsshirt?)!

So oder so ähnlich arbeitet Jaud einen „Zwang“ nach dem anderen auf wunderbar unterhaltsame Weise ab. Im Ergebnis: Ich MUSS gar nichts! Auch wenn vieles bewusst vollkommen überzeichnet dargestellt wird, erkennt man sich beim Lesen doch an der ein oder anderen Stelle durchaus wider und man reflektiert das eigene Verhalten. Denn manches, was Brummel-Jaud behauptet, hat ja durchaus auch Hand- und Fuß, wie z.B. „Je dogmatischer sich jemand ernährt, desto größer die Gefahr der Unterversorgung.“

Dennoch steht der Humor und der Spaß an der Sache bei Jaud wie immer an erster Stelle, so dass bei mir vom Schmunzeln bis zum lauten Auflachen alles dabei war, gerade wenn Jaud mit seinen schonungslosen Wort-Neukreationen um die Ecke gekommen ist, wie beispielsweise „Wochenend-ADHS“, „Freizeit-Taliban“ oder auch „kultur- und antriebslosen Wochenendamöbe“.

Einen Stern Abzug gibt es von mir, da das Thema über die Gesamtheit der rd. 320 Seiten gegen Ende durchaus ein paar „Abnutzungserscheinungen“ gezeigt hat und auch die ein oder andere schwächere Strecke zwischendrin hatte.

FAZIT:
Schluss mit dem Müssen! Jaud beweist auf sehr humorvolle Art und Weise, dass man eben NICHT immer alles muss!

Bewertung vom 22.10.2015
Die andere Seite / Darkmouth Bd.2
Hegarty, Shane

Die andere Seite / Darkmouth Bd.2


ausgezeichnet

Eine fantastische Fortsetzung: Super-Spannend, ein wohl dosierter Grusel und ein toller Humor!

Zum Inhalt:
Finns Vater Hugo, der letzte der Legendenjäger, ist noch immer auf der Verseuchten Seite verschollen. Nun taucht auch noch Estravon auf, ein konfuser Gutachter des Rats der Zwölf, der Finn eine Frist von gerade mal 48 Stunden setzt, um zu beweisen, dass sein Vater doch noch lebt. Verzweifelt suchen Finn und Emmie, den letzten Hinweis, den Finns Vater ihm gegeben hatte, zu entschlüsseln und gelangen dabei tatsächlich zusammen mit Estravon durch ein merkwürdiges Tor auf die Verseuchte Seite…

Meine Meinung:
Mit „Darkmouth – Die andere Seite“ legt Shane Hegarty, der sich auch schon mal selbst als „schlechtester Stand-up-Komiker der irischen Comedyszene“ bezeichnet hat, nun die Fortsetzung seines erfolgreichen Debutromans vor. Diesen muss man nicht zwingend gelesen haben, um „Darkmouth – Die andere Seite“ zu verstehen (Hegarty hat seiner neuen Geschichte ein kurzes, aber sehr gutes „Was bisher geschah“-Kapitel vorangestellt), es macht mit Sicherheit aber noch mehr Spaß, wenn man den ersten Teil kennt!

Die Geschichte knüpft relativ nahtlos an die Geschehnisse des ersten Bandes an, entsprechend schnell ist man auch wieder „drin“. Die meisten Hauptcharaktere sind bereits bekannt, lediglich mit dem schlaksigen Paragrafenreiter Estravon kommt ein neuer Protagonist hinzu, dessen Motive man sich zu Beginn nicht so wirklich sicher sein kann. Durch seine alltags-untaugliche Beamtenmentalität sorgt er aber durchaus für den ein oder anderen Lacher. Auch auf Seiten der Legenden gibt es im weiteren Verlauf der Story einen Neuzugang bei den Protagonisten, den Orthross Cornelius-Hiss, welcher mir durchaus ans Herz gewachsen ist (ähnlich wie Broonie im ersten Band).

Die Geschichte selbst ist mal wieder äußerst spannend, actionreich, sehr humorvoll und wieder mit wohl dosiertem Grusel „gewürzt“, allein schon durch die merkwürdigsten Legenden und surreale Szenerien (z.B. ein Turm als alten, verblichenen Knochen… brrrr!). Da die Geschichte diesmal über weite Strecken auf der Verseuchten Seite spielt, ist Band zwei für mein Empfinden sogar noch spannender und phantastischer als der erste Band, so dass es mir wirklich schwer gefallen ist, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen. Shane Hegarty nutzt die unendlichen Möglichkeiten der Verseuchten Seite perfekt, um ihr sehr fantasievoll und kreativ seine ganz eigenen Regel zu bescheren, so dass mich der Verlauf der Handlung immer wieder überrascht hat, ohne dass es unpassend oder gar zu konstruiert gewirkt hätte.

Separat erwähnen möchte ich – ohne freilich zu viel zu verraten - gerne noch das große Finale, den Showdown am Ende dieses zweiten Bandes. Dies ist ganz großes Kopf-Kino, das sich vor keinem Action-Blockbuster aus Hollywood zu verstecken braucht. Und auch hierbei gelingt es Hegarty, dem Schrecken eines großen Kampfes die Schärfe durch wunderbar humorvolle Einlagen zu nehmen, sodass ich mich der offiziellen Leseempfehlung ab ca. 10 Jahren gut anschließen kann. Überhaupt ist der Humor („nur“) eine der ganz großen Stärken von Hegartys Büchern. Hier merkt man deutlich, dass der Autor ein Fan von Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) ist.

Last but not least wird auch der zweite Band durch eine tolle Aufmachung komplettiert: bedrohlich-rotes Cover, schwarzer Seitenschnitt und zahlreiche sehr schöne Illustrationen von Moritz Schaaf. So ergibt sich - alles zusammen genommen – wieder ein echt rundes Komplettpaket, das aus meiner Sicht keine Wünsche offen lässt!


FAZIT:
Eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Fortsetzung: Wieder eine tolle Story, schaurig-schräge Charaktere und ein klasse Humor gepaart mit ganz viel Spannung, Action und angenehmer Grusel-Atmosphäre. Ich freu´ mich auf Band 3!

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Bewertung vom 15.10.2015
Die Gefahr des gelben Auges / Cross Worlds Bd.1
Bruder, B.

Die Gefahr des gelben Auges / Cross Worlds Bd.1


sehr gut

Ein aufregendes Abenteuer in einer neuen Welt

Zum Inhalt:
Jonas ist ein Tagträumer, der sich gerne in fremde Welten hineinträumt. Doch eines Tages ist alles auf einmal viel realer als er in der Welt Mirfanija landet und dort gleich Martis helfen muss, diese Welt vor dem Untergang zu retten…

Meine Meingung:
„Die Gefahr des gelben Auges“ ist der Auftakt zu einer neuen Abenteuerreihe für junge Leser ab 8 Jahren, die aufgrund des breiten Zeilenabstands und des vergrößerten Schriftbildes keine Probleme mit dem Selbstlesen haben sollten. Darüber hinaus lockern viele Illustrationen den Text auf, vermitteln Eindrücke von der fantastischen Welt Mirfanijas und regen die Fantasie beim Lesen weiter an.
Die Story ist eine solide Abenteuergeschichte nach dem klassischen „Welt bedroht–Welt gerettet“-Muster. Die Umsetzung dieses Musters finde ich durchaus gelungen, auch wenn B. Bruder das Rad hier nicht neu erfunden hat (was bei solchen „Serien-Abenteuern“ ja auch gar nicht der Anspruch sein muss / kann). Passgenau für die Zielgruppe gibt es Action und Nervenkitzel, so dass die Spannung über die rd. 140 Seiten intakt bleibt. Der Schreibstil des Autors ist leicht und locker ohne zu langweilen und stellt somit auch die jüngeren der Leser vor keine Schwierigkeiten.

FAZIT:
Ein solide und spannende Abenteuergeschichte (nicht mehr, aber auch nicht weniger), die sich gut in einem Rutsch durchlesen lässt und Appetit auf die Folgebände macht.