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smartie11
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In Niedersachsen
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 921 Bewertungen
Bewertung vom 13.10.2015
Töte ihn, dann darf sie leben
Wolff, Freda

Töte ihn, dann darf sie leben


sehr gut

Spannend, überraschend und überzeugend – eine tolle Fortsetzung

Meine Meinung:

„Es war nicht vorbei, es fing alles wieder von vorne an“ (S. 95)

„Töte ihn, dann darf sie leben“ ist nach „Schwesterlein muss sterben“ der zweite Thriller um die Psychologin Merette Schulman des Autorenpaars Ulrike Gerold und Wolfram Hänel. Man kann ihn sicherlich auch separat ohne die Vorkenntnis des ersten Bandes lesen, empfehlen würde ich es aber nicht, da „Töte ihn, dann darf die leben“ doch sehr stark auf den Geschehnissen des ersten Thrillers aufbaut.

Dementsprechend ist es mir auch sehr leicht gefallen, in die knapp 370 Seiten lange Story hineinzukommen. Sie startet auch gleich mit einem sehr spannenden und unheilvollen Szenario in den schwarzen Tiefen der norwegischen Wälder. Nach den ersten 20 Seiten werden aber Tempo und Spannung erstmal wieder zurückgefahren, um zum für den schon im ersten Teil typischen Stil zurückzukehren: Eine unterschwellig brodelnde, stets latent vorhandene Gefahr, die wie ein Damoklesschwert über Merette und ihrer Familie hängt. Auch Killer Aksel bleibt sich treu und spielt wieder seine bekannten, perfiden Psychospiele mit Merette. Die ganz große Überraschung ist den beiden Autoren für meinen Geschmack schon ca. zur Mitte des Buches gelungen, als auf einmal durch eine „Beichte“ eine längst vergangene Geschichte zutage kommt. Hier ergibt sich streckenweise schon fast ein zweiter Krimi im Ersten. Selbstverständlich verknüpfen die beiden Autoren die Handlungsstränge aus den verschiedenen Zeiten und lassen ihren Thriller auf ein für mich erneut sehr überraschendes und spannendes Finale zulaufen. Die Aufklärung der Geschehnisse, die am Ende präsentiert wird, ist im großen Ganzen nachvollziehbar, auch wenn sich die Autoren hierfür den schier unendlichen „Möglichkeiten“ der menschlichen Psyche bedienen, was vielleicht nicht jedermanns Geschmack ist. Mir persönlich hat es jedoch gefallen.

Die Protagonisten waren mir ja schon aus dem ersten Teil größtenteils bekannt. Angereichert wurde das Set um eine überschaubare Anzahl neuer Charaktere. Während bei „Schwesterlein muss sterben“ eine für mein Empfinden deutliche Charakterentwicklung stattgefunden hat, war dies bei „Töte ihn, dann darf die leben“ – mit einer Ausnahme – eher ein bisschen nebensächlich. Gleich stark, oder vielleicht sogar noch ein bisschen intensiver, habe ich die für mich sehr gelungene Beschreibung der Landschaft, der wilden Natur der norwegischen Wälder und Seen empfunden. Ohne selbst in Norwegen gewesen zu sein, erscheint mir die Beschreibung als sehr authentisch, so dass ich mir beim Lesen ein gutes Bild der Settings machen konnte.

Dass dieses Buch aus der Feder zweier Autoren stammt, habe ich an keiner Stelle gemerkt. Es liest sich absolut flüssig, ohne Brüche, und weist einen durchgängig sehr angenehmen, zum Plot passenden Schreibstil auf. Die Erzählperspektive wechselt kontinuierlich zwischen der Psychologin Merette, ihrer Tochter Julia und dem „großen Unbekannten“ selbst, was regelmäßig tiefe Einblicke in die Psyche der handelnden Personen ermöglicht.

Last but not least möchte ich noch einen kleinen „Wehrmutstropfen“ erwähnen: Die Autoren nutzen auch den Zufall für ihre Story. Wie im richtigen Leben auch, spielt oft der Zufall eine entscheidende Rolle. Doch mit der überraschenden Auflösung eines Handlungsteilstrangs haben es sich die beiden Autoren für meinen Geschmack ein bisschen zu leicht gemacht. Daher von mir an dieser Stelle in der Bewertung einen Stern Abzug.

FAZIT:
Packende Psychospiele in der Wildnis Norwegens mit überraschenden Wendungen – eine tolle Fortsetzung!

Bewertung vom 08.10.2015
Phänomenal

Phänomenal


ausgezeichnet

Nomen est Omen – ein wirklich phänomenales Experimentierbuch

Der Kosmos-Verlag ist ja seit langem für seine tollen Experimentierkästen zu zahlreichen Themen bekannt. Mit „Phänomenal“ hat Kosmos nun einen tollen „Experimentierkasten in Buchform“ herausgebracht. Im handlichen Format von 23,5 x 23,5 cm und mit einem stabilen Hardcover versehen, präsentieren die Experimentier-Experten auf 112 Seiten über 150 sehr unterschiedliche Versuche aus vielen Bereichen. Das Buch richtet sich dabei an kleine und große Forscher ab ca. 8 Jahren.

Schon beim ersten Aufschlagen macht dieses Buch vor allem eines: sehr, sehr neugierig! Die Doppelseiten sind stets sehr bunt und (im positiven Sinne) „wimmelig“ mit einer Mischung aus Texten, Fotos, Skizzen und Illustrationen. Bei jedem Umblättern lädt das Buch zum Betrachten und Entdecken ein und am liebsten würde man sofort mit dem Experimentieren loslegen.

Aber gehen wir gedanklich nochmal zurück zu den ersten Seiten. Nach einer kurzen und knackigen Einleitung („Die schlausten Wissenschaftler stellen die scheinbar einfachsten Fragen“) gibt es eine kleine, sehr übersichtliche „Gebrauchsanleitung“ für dieses Buch und dazu noch einen kleinen „Werkzeug-Kasten“ in dem 14 handliche Dinge aufgeführt werden, die in jedem Haushalt zu finden sein dürften und die eine gute Grundausrüstung für eine Experimentiertasche (die man auch prima mit nach Draußen nehmen kann) bilden. In solch eine Tasche gehören z.B. Stifte & Papier, Schere, Klebeband, Lupe (liegt ja auch dem Buch bei) & Co. Danach gibt es noch eine – für meinen Geschmack – sehr schöne Aufforderung an die jungen Forscher mit dem Titel „Schau dich um“, die dazu auffordert, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Dinge bewusst zu betrachten und zu be“greifen“.

Kommen wir nun zum Eigentlichen, den Experimenten! Wie schon gesagt, bietet dieses Buch über 150 ganz unterschiedliche Experimentiervorschläge, so dass ich hier nicht alle nennen kann. Das Themenspektrum ist aber sehr weit und reicht vom morgendlichen „Müffel-Atem“ über eine selbst gebastelte Skyline aus Modellierton bis dahin, DNS-Moleküle aus der eigenen Spucke zu isolieren (!). Gut, letzteres ist vielleicht wissenschaftlich nicht 100% exakt, aber ein toller Aha-Effekt für Klein und Groß, den man im Anschluss noch mit der Lupe oder sogar (falls im Kinderzimmer vorhanden) mit dem Mikroskop betrachten kann.

Wir haben inzwischen selbst einige der Experimente ausprobiert und bei allen Versuchen großen Spaß gehabt. Sehr gut haben uns z.B. die Seifenblasen-Experimente (u.a. echt künstlerische Bilder, die mit Seifenblasen „gemalt“ werden!) von S. 26 gefallen. Auch die Einladung zum Erforschen der Welt der „Krabbeltiere“ (z.B. „Warum marschieren Ameisen“) war für unsere beiden kleinen Wald- & Wiesen-Freunde genau das Richtige. Selbst den gemeinsamen Wocheneinkauf bereichert dieses Buch, denn es gibt die Anregung, einfach mal nach ganz exotischem Obst & Gemüse Ausschau zu halten und es zu Hause bewusst zu probieren (wer hat denn schon mal eine „Noni“ probiert?).

Besonders gut gefällt mir an diesem Buch, dass sich viele Experimente mit ganz alltäglichen Hilfsmitteln durchführen lassen, die wohl jeder zu Hause haben sollte. Selbstverständlich gibt es aber auch Experimente, für die man zuvor spezielle Dinge einkaufen muss (z.B. Modellierton). Das Buch selbst bringt sogar noch eine Lupe, Spiegel- und Whiteboard-Folie mit!

FAZIT:
Dieses tolle Buch garantiert unzählige Stunden vielfältigen Experimentier-Spaß für drinnen und draußen und so manchen „Aha-Effekt“. Einfach super!

Bewertung vom 08.10.2015
Rattenkinder / Chefinspektor Tony Braun Bd.6
Schiller, B. C.

Rattenkinder / Chefinspektor Tony Braun Bd.6


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Grausame Vorgänge in einem tschechischen Ghetto, zwei brutale Morde an jungen Müttern in Linz und ein für Inspektor Tony Braun dringend Tatverdächtiger, der seit einem Jahr in der geschlossenen Psychiatrie einsitzt…

Meine Meinung:

Mit „Rattenkinder“ legt das erfolgreiche Autorenpaar B.C. (Barbara und Christian) Schiller den nunmehr fünften Teil ihrer Thriller-Reihe um den österreichischen Ermittler Tony Braun vor. Da ich die vorherigen Bände selbst noch nicht gelesen habe, kann ich bestätigen, dass man „Rattenkinder“ problemlos auch einzeln lesen, verstehen und genießen kann. Dass dieses Buch aus der Feder zweier Autoren stammt, habe ich an keiner Stelle gemerkt. Es liest sich absolut flüssig, ohne Brüche und weist einen durchgängig sehr angenehmen Schreibstil auf.

Die Story selbst startet mit einem rätselhaften und mysteriösen Prolog und macht direkt neugierig. Aber auch nach dem Prolog nimmt der Thriller sehr schnell an Fahrt auf. Lediglich mit der Zuordnung der ganzen Namen hatte ich zu Beginn ein paar Probleme, was sich aber relativ schnell gebessert hat. Durch einen stetigen Wechsel der Schauplätze und immer wieder eingeschobene Kapitel eines dem Leser über lange Strecken unbekannten Erzählers bleibt das Spannungsniveau stets auf einem hohem Niveau, so dass dieser Thriller für mich ein waschechter Page-Turner ist.

In diesem Thriller passiert wirklich sehr viel und es ist bis zum Finale ein Verwirrspiel par excellence. Gerade auf den ca. letzten 150 Seiten sind Tempo und Action so hoch, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Zum Finale, nach mehreren kleineren Show-Downs, präsentieren die Autoren noch einen richtig packenden Show-Down in einem sehr atmosphärischen Setting. Am Ende wurden die wesentlichen Fragen für mich nachvollziehbar beantwortet. Manches bleibt allerdings auch nach der letzten Seite der Fantasie des Lesers überlassen, was ich als bewusstes Stilmittel empfunden habe. Anderes wird wohl erst im bereits geplanten nächsten „Tony Braun“-Thriller Erwähnung finden. Alles in Allem war der Plot und dessen überraschende Auflösung sehr rund.

Auch die Charaktere gefallen mit außergewöhnlich gut. Sie sind für meinen Geschmack detailliert „ausgearbeitet“ und sehr unterschiedlich, so dass man es mit „wirklichen Individuen“ zu tun bekommt. Als echtes „Highlight“ habe ich den zentralen Charakter des „Viktor Maly“ empfunden. Er ist absolut undurchschaubar, geradezu ein Phantom, und hatte für mein Empfinden etwas „Hannibal Lecter artiges“. Dass uns die beiden Autoren einen Blick in sein Innerstes erlauben ohne dass es dem Leser „dank“ der Amnesie Malys zu viel verrät, finde ich äußerst raffiniert. Aber auch die Nebencharaktere sind den beiden Autoren für meinen Geschmack wirklich gut gelungen (allen voran der „Dönerbuden-Poet“ Kemal).

FAZIT:
Ein Verwirrspiel par excellence, das diesen wahnsinnig spannenden Thriller zu einem echten page-Turner macht. Nichts für schwache Nerven!

Bewertung vom 07.10.2015
Trick 347 oder Der mutigste Junge der Welt
Weger, Nina Rosa

Trick 347 oder Der mutigste Junge der Welt


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Mit ihrem „Trick 347“ entführt uns die erfolgreiche Kinderbuchautorin Nina Weger (u.a. „Die Sagenhafte Saubande“ und „Ein Krokodil taucht ab“) auf 324 Seiten in die faszinierende Welt des Zirkus. Dieses Setting gefällt mir persönlich besonders gut, da ich das Gefühl habe, dass der Zirkus (leider!) eine aussterbende Art ist und viele Kinder heutzutage noch nie in ihrem Leben einen Zirkus von innen gesehen haben. Hier leistet dieses wunderbare Kinder- und Jugendbuch einen tollen Beitrag dazu, die Neugier auf den einzigartigen Mikrokosmos „Zirkus“ bei den Lesern zu wecken.

Man darf allerdings nicht die schillernde und bunte „heile Welt des Zirkus“ erwarten! Nina Weger führt den Leser mit ihrem Buch vielmehr hinter die Kulissen dieser traumhaften Scheinwelt, abseits von Strahlern und Trommelwirbel. Da die Autorin selbst schon ausgiebig Zirkusluft geschnuppert und darüber hinaus familiäre Bindungen in diese Welt hat, weiß sie sehr genau, worüber sie schreibt und das merkt man diesem Buch auch an.

Denn auch die „Stars in der Manege“ werden von ganz alltäglichen Sorgen geplagt, angefangen bei Angstneurosen über ernste Beziehungsprobleme bis hin zu schweren Existenzsorgen. Doch all diese ernsten Themen bringt Nina Weger kindgerecht verpackt in einer spannenden Story unter. Die Suche nach der Antwort, wer sein Vater ist, führt den elfjährigen Tom, durch einen spontanen Umzug nach Hannover seinen Wurzeln beraubt, in das Quartier des Zirkus Merlini. Schritt für Schritt taucht Tom tiefer in diese ganz andere Welt ein, findet (mehr als) zwei tolle Freunde und lernt ganz viele, bunte und jeder auf seine Art liebenswerte Charaktere kennen. Mit den drei Freunden Tom, Coco und Mia sollte für die jüngeren Leser problemlos eine passende Identifikationsfigur dabei sein.

Der Hauptstrang der Geschichte um den ehemaligen Weltklasse-Artisten Arthur Merlini und den windigen Immobilen-Makler, der den Artisten ihr Grundstück streitig machen will, sorgt immer wieder für Spannung und auch für die eine oder andere Überraschung. Dabei nehmen die Themen Freundschaft, Vertrauen, Zusammenhalt und nicht zuletzt Mut einen sehr breiten Raum ein. Der Leser merkt schnell, wie wichtig es sein kann, sich seinen eigenen Ängsten zu stellen und niemals den Mut aufzugeben.

Abgerundet wird dieses wirklich schöne Buch mit einem kleinen Lexikon der Zirkuswörter im Anhang. Wenn es jetzt noch ein paar schöne Illustrationen gehabt hätte (das Cover finde ich toll!), wäre das das Sahnehäubchen obendrauf gewesen.

FAZIT:
Ein spannender Blick hinter die Kulissen. Dieses Buch macht einfach Lust auf Zirkus!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 29.09.2015
Der Gewitter-Ritter und weitere Geschichten
Lüftner, Kai

Der Gewitter-Ritter und weitere Geschichten


sehr gut

Unsere Meinung:
Auf diesem Hörbuch für Klein und Groß finden sich drei kurze Hörspiele, die sehr unterschiedlich sind und die wir daher auch getrennt besprechen möchten:

1. „Der Zauberer Barbeutzebutz"
Der Zauberer Barbeutzebutz will mal wieder etwas Ordnung in seine Zaubererbehausung bringen. Und wie macht ein guter Zauberer das? Richtig, mit einem Zauber! Nur geht beim guten Barbeutzebutz so Einiges schief, egal was für schräge Zutaten (da wird es echt abenteuerlich und ober-kreativ) er zusammenmixt.
Diese Geschichte in Reimform wird gesprochen, ja gespielt von Simon Jäger. Quirlig haucht er Barbeutzebutz Leben ein und bringt ordentlich Stimmung in die Bude. Ein Bisschen hat es mich an den Disney´schen Zauberlehrling Micky Maus erinnert („Fantasia“; 1940). Bei dem, was bei Barbeutzebutz so alles im Kessel landet, haben sich meine beiden Jungs (4 & 7) köstlich amüsiert – und ich natürlich auch!
Unterlegt ist diese temporeiche Zaubergeschichte mit quirliger, quietschiger, mal jazziger, mal fast schon psychedelischer Musik. Eigentlich keine klassische Kindermusik, aber hier passt es perfekt zum Gesamtkonzept und hat uns allen gut gefallen.


2. "Der Manni im Mond"
Anna Thalbach entführt uns mit dieser gereimten Geschichte zusammen mit Manni in den Weltraum und auf den Mond. Eigentlich wollte Manni dort den Mann im Mond finden, doch stattdessen findet er die Frau im Mond. Das ist doch viel besser, oder Manni?
Die lyrische Geschichte, Anna Thalbachs beruhigende Stimme und die stellenweise schon sphärische Musik harmonieren wirklich sehr gut miteinander und haben etwas Verträumtes an sich. Es ist schon fast so zauberhaft wie beim kleinen Prinzen und eignet sich für meinen Geschmack sehr gut als kleine „Gute-Nacht-Hörgeschichte“.
Mit dieser „Ruhe“ bildet „Der Manni im Mond“ einen schönen Kontrast zu den quirligen, ja aufwühlenden anderen beiden Geschichten. Meinen Söhnen hat sie sehr gut gefallen!

3. "Der Gewitter-Ritter"
Der Namensgebende „Gewitter-Ritter“ wird mit aller Leidenschaft von Martin Kautz intoniert und inszeniert. Was seicht beginnt wächst sich langsam aus, bis der Hörer sich inmitten eines tobenden Gewitters wiederfindet, in dem Martin Kautz, einer Naturgewalt gleich, ebenso tobt und wütet. Sehr, sehr passend hierzu wird diese Geschichte von Musik untermalt, die sich ebenfalls von einer seichten und beruhigenden Piano-Musik bis zu einem Orchestralen Gewaltausbruch steigert. Doch wie bei einem echten Gewitter folgt auch hier zum Ende der ebenfalls gereimten Geschichte eine reine, versöhnliche und beruhigende Phase.
Mir hat die Inszenierung dieser Geschichte wirklich außerordentlich gut gefallen! Für meinen kleinen Sohn (4) war es im Mittelteil aber viel zu laut und „gewaltvoll“, so dass er sich schon fast weinend die Ohren zugehalten hat (als guter Vater habe ich dann natürlich erstmal die Stop-Taste gedrückt).
Hier fallen die Welten von Hörbuch und Kinderbuch vielleicht am deutlichsten auseinander. Während das Kinderbuch durch die entsprechenden Bilder um unteren Teil des Buches einen Fokus auf die Parallele zum kindlichen Wutausbruch legt (der „Gewitter-Ritter“ halt) verbleibt dies medienbedingt im Hörbuch.


FAZIT:
Drei kurze, aber wundervolle Geschichten in einer sehr guten Inszenierung mit drei fantastischen Sprechern. Es macht richtig Spaß zuzuhören. Nur bei der Geschichte mit dem „Gewitter-Ritter“ wäre ich aus eigener Erfahrung bei jüngeren Zuhörern (offizielle Altersempfehlung: ab 4) vorsichtig.

Bewertung vom 29.09.2015
Kuno, der Ritter mit dem magischen Schwert / Erst ich ein Stück, dann du Bd.30
Schröder, Patricia

Kuno, der Ritter mit dem magischen Schwert / Erst ich ein Stück, dann du Bd.30


ausgezeichnet

Zum Inhalt:
Als die Burg von König Kasimir von Rasmus dem Rachdurstigen und seinen üblen Gesellen bedroht wird, kann nur einer helfen: Ritter Kuno von Kleinwuchs, der seine geringe Körpergröße mit einer extragroßen Portion Mut mehr als ausgleicht.

Unsere Meinung:
„Kuno, der Ritter mit dem magischen Schwert“ ist ein Band aus der wunderbaren „Erst ich ein Stück, dann du“-Reihe für Leseanfänger (ca. 1. & 2. Klasse) von der erfolgreichen (Kinderbuch-)Autorin Patricia Schröder (u.a. „Die Meeres-Saga“, „Lilly-Reihe“, „Tilla-Reihe“, „Blind Walk“). Hierbei sind im Vorlesetext immer wieder ein paar größer gedruckte Textabschnitte mit zwei bis zehn Zeilen, die für die Leseanfänger zum Selbstlesen gedacht sind. Diese Selbstlesepassagen sind sehr passend dosiert (i.d.R. eine / maximal zwei pro Doppelseite), so dass die Leseanfänger damit nicht überfordert werden. Die Wortwahl ist nicht nur in diesen Abschnitten, sondern im ganzen Buch sehr altersgerecht und passend. Auch wenn mein Sohn (Anfang 2. Klasse) noch immer seine Schwierigkeiten mit dem Lesen hat, hat er dieses Buch doch sehr gerne zusammen mit mir gelesen.

Die Geschichte, die Patricia Schröder sich für dieses Buch erdacht hat, hat alles, was eine gute Abenteuergeschichte für Kinder braucht: Spannung, Humor, Überraschungen, Ritter, Räuber, einen Drachen, ein magisches Schwert und natürlich auch einen Schatz (soviel sei an dieser Stelle schon mal verraten). Auf 83 Seiten, aufgeteilt in acht Gute-Nacht-Geschichten-taugliche Kapitel, erleben wir das Abenteuer des kleinen Ritters Kuno mit, der doch eigentlich ein ganz, ganz Großer ist. Er zeigt uns dabei wie wichtig es ist, mutig zu sein und an sich selbst zu glauben, auch wenn andere diesen Glauben vielleicht (noch) nicht haben. Doch auch die Themen Freundschaft, Zusammenhalt und „verzeihen können“ spielen in diesem Abenteuer eine zentrale Rolle.

Komplettiert wird dieses wunderbare Kinderbuch mit einer Vielzahl von sehr schön und liebevoll gestalteten, teilweise doppelseitigen Illustrationen von Patrick Wirbeleit, die zum Betrachten, Entdecken und teilweise auch Lachen einladen.

Den taschengeldfreundlichen Preis von 7,99 für die gebundene Ausgabe empfinde ich als sehr fair.

FAZIT:
Manchmal sind die Kleinsten einfach die Größten. Ein tolles und spannendes Vor- und Selbstleseabenteuer für junge Leser ab ca. Mitte der ersten Klasse.

Bewertung vom 23.09.2015
Fingerfood & Feines. Raffiniert gekocht für Freunde & Gäste
Lessing, Martina

Fingerfood & Feines. Raffiniert gekocht für Freunde & Gäste


ausgezeichnet

Lecker, abwechslungsreich und mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden

Autorin Martina Lessing weiß, wovon sie schreibt. 1998 gründete sie in London „À Table“, das sich bereits innerhalb weniger Jahre zu einem gefragten Catering-Service, sowohl für private Feiern als auch für große Anlässe, im noblen Londonder Vorort Richmond entwickelte. Im Jahr 2011 zog es Martina Lessing dann wieder nach Wien, wo sie seitdem den Gaumen ihrer Gäste nach ihrem langjährig bewährten Erfolgsrezept verwöhnt: „Hochwertige Zutaten, erfrischend kombiniert, gewürzt mit einer Prise Individualität und phantasievoll präsentiert — denn wie heißt es so schön: Das Auge isst mit!“

Dieses Motto hat die Autorin in „Fingerfood & Feines“ für meinen Geschmack sehr gut umgesetzt. Das Kochbuch an sich ist sehr hochwertig verarbeitet: Ein Hardcover mit einem Maß von ca. 26 x 20 cm, 236 Seiten auf wertigem, schwerem Papier, viele, teils doppelseitige Fotos, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Hier merkt man deutlich, dass die Autorin neben den hochwertigen Zutaten und der richtigen Zubereitung auch einen Augenmerk auf die Präsentation der Speisen legt (was beim Catering ja auch durchaus wichtig ist). Besonders gut finde ich die Idee, dass einige Gerichte in kleinen Einmachgläsern serviert werden.

Das Buch startet mit einem kleinen persönlichen Vorwort von Martina Lessing. Dabei lautet ihre wichtigste Botschaft für alle: „Kochen muss kein Stress sein“ – das finde ich schonmal prima! Im Anschluss daran gibt es noch eine kleine „Gebrauchsanweisung“ mit einigen Tipps für gutes Gelingen der Rezepte, u.a. zu Mengenangaben, zum „Schummeln“ („nur wenn es sein muss und dann nur mit den besten Zutaten“), zum Anbraten oder auch zur Vorausplanung.

Nach dieser kleinen aber nützlichen Einstimmung startet dann der umfangreiche Rezeptteil, der sich insgesamt in vier große Bereiche aufteilt:

-> 7 „Grundrezepte“ für Mayonnaise, Mürbeteig sowohl für pikante als auch süße Speisen, Gemüsesuppe, Nockerln, Serviettenknödel und Sauce Tartare; Hierauf bauen die folgenden Rezepte teilweise auf
-> 28 „Fingerfood“-Rezepte; Hier sind meine aktuellen persönlichen Lieblingsrezepte die Schafskäsemousse mit Rosmarin sowie die Miniquiche mit Spinat, Gorgonzola und gerösteten Walnüssen
-> 28 „warme Schüsselchen“ ; Mit meinen Favoriten Süßkartoffelauflauf mit Spinat und Schafskäse sowie Entenbrust mit Pastinakenpüree und Orange
-> 23 Rezepte „Süsses“; Mein persönliches Lieblingskapitel (insbesondere das Birnen-Zwetschken-Crumble und die Mandel-Orangen-Küchlein)

Jedes Rezept ist ansprechend präsentiert und sehr übersichtlich gestaltet. Erstaunlicherweise sind die Zubereitungsanweisungen recht knapp gehalten und dennoch leicht und eindeutig zu verstehen. Das ist der Autorin wirklich gut gelungen, zumal man hierdurch während des Kochens i.d.R. auf den ersten Blick erkennen kann, an welcher Zubereitungsstelle man sich gerade befindet. Oft gibt die Autorin auch noch kleine Tipps zu ihren Rezepten.

Die Zutatenlisten stehen in typischer Manier ebenfalls sehr übersichtlich links neben den Rezepten inklusive einer ca.-Angabe, für wieviel Portionen das Rezept ausreicht. Sehr erfreulich finde ich, dass viele Rezepte mit einer übersichtlichen Anzahl von einzelnen Zutaten auskommen und dies i.d.R. auch „Standard-Zutaten“ sind, für die ich nicht erst in diverse Feinkost- oder Spezialitätenläden fahren muss. Ein gut sortierter Vollsortiment-Supermarkt, ggf. mit Abstecher zum Fleischer, sollte in den meisten Fällen zur Beschaffung ausreichen.

Bewertung vom 23.09.2015
Der Raub / Gabriel Allon Bd.14 (eBook, ePUB)
Silva, Daniel

Der Raub / Gabriel Allon Bd.14 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine top-aktuelle Mischung aus Kunstraub-Krimi und Polit-Thriller

Zum Inhalt:
Gabriel Allon, Top-Agent des israelischen Geheimdienstes und selbst begnadeter Künstler, wird von Kommissar Ferrari, dem Leiter des italienischen Kunstdezernats, gebeten, inoffiziell in einem Mord an einem zwielichtigen Kunsthändler zu ermittelt. Was anfangs noch eher ein Gefallen ist, um den Namen eines Freundes reinzuwaschen, zieht schnell unerwartet weite Kreise und wächst sich zu einer europaweiten und sehr gefährlichen Operation aus…

Meine Meinung:
„Der Raub“ ist der mittlerweile 14. Fall des Top-Agenten Gabriel Allon. Das dieser Serien-Held schon eine lange und bewegte Vergangenheit hinter sich hat, merkt man an vielen Stellen im Buch, an denen Bezug auf die vorangegangenen Fälle genommen wird und – wie es mir scheint – „alte Bekannte“ wieder auftauchen. Doch „Der Raub“ funktioniert problemlos auch ohne Vorkenntnis der vorangegangenen 13 Bücher, die ich selbst (noch!) nicht gelesen habe. Doch ich bin mir sicher, dass es noch mehr Spaß macht, wenn man den „Werdegang“ Allons bereits kennt.

Die Story, die Autor Daniel Silva für den neusten Fall Allons konzipiert hat, hat es wirklich in sich. Selbst als „Gabriel Allon“-Neuling ist es mir sehr leicht gefallen, in die Geschichte hineinzufinden. Lediglich die vielen Namen haben mich zu Anfang ein wenig verwirrt. Schnell hat sich aber „die Spreu vom Weizen“ getrennt, so dass ich einen guten Überblick über die wichtigen Charaktere bekommen habe.

„Der Raub“ beginnt in der internationalen Kunstszene, speziell im milliardenschweren Schwarzmarkt für gestohlene Werke alter Meister. Ausgehend von einem „trivialen“ Mord am zwielichtigen Kunsthändler Jack Bradshaw entwickelt sich in der ca. ersten Hälfte eine rasante und äußerst spannende „Kunstraub-Story“, die mich streckenweise an Storys wie aus „Ocean´s Eleven / Frankie und seine Spießgesellen“ erinnert hat. Wer an solchem Stoff seine Freude hat, wird mit „Der Raub“ sehr gut bedient sein. Das Thema „Kunst“ nimmt hierbei einen breiten Raum ein, doch gelingt es Daniel Silva stets, interessante Details, zum Beispiel aus dem Leben Michelangelo Caravaggios, unaufdringlich und unterhaltsam in seine Story zu integrieren.

Doch in der zweiten Hälfte wandelt sich der Charakter der Story hin zu einem internationalen und wirklich top-aktuellen Polit-Thriller, der in seiner Fiktion wirklich fesselnd und in Bezug auf seine realen Hintergründe schockierend ist. Hier merkt man eine unstrittige Stärke des Autors Daniel Silva. Als ehemaliger Top-Journalist des CNN und Auslandskorrespondent war er lange Zeit im Nahen Osten, Ägypten und am Persischen Golf tätig. Daniel Silva weiß ganz genau, worüber er schreibt. Und das macht diesen Thriller noch erschreckender.

Sein Hauptcharakter Gabriel Allon hat mich beim Lesen ein Bisschen an James Bond erinnert. Allerdings nicht an den „alten“ Bond á la Sean Connery oder gar Roger Moore, sondern an den „neuen“. Er ist ein Mann mit ganz besonderen Talenten und tief sitzenden seelischen Narben, was in einem bewegenden Kapitel auch sehr deutlich wird. Er ist nicht der „ewige Gewinner“, sondern ein Mann, der auch eine Niederlage wegstecken kann. Für mich ist es absolut kein Wunder, dass es dieser Protagonist schon auf mittlerweile 14 Bücher geschafft hat (Band 15 ist bereits avisiert).

FAZIT:
Eine sehr gelungene Mischung aus einem ausgetüftelten Kunstraub-Krimi und einem fesselnden Polit-Thriller mit einem topaktuellen, hochbrisanten und in seinen Hintergründen erschütternden Thema.

Bewertung vom 23.09.2015
Mind Games
Terry, Teri

Mind Games


sehr gut

Eine spannende, Technik fokussierte Dystopie mit einigen Schwächen

Meine Meinung:
„Mind Games“ ist der neueste, eigenständige Roman der Bestseller-Autorin Teri Terry, die mit ihrer dystopischen „Gelöscht“-Trilogie weltweit bekannt wurde. Wie schon in der „Gelöscht“-Trilogie dreht sich der Plot auch in „Mind Games“ um das zentrale Thema der möglichen Auswirkungen des technischen Fortschritts auf das menschliche Verhalten und Miteinander. „Wie weit darf technologischer Fortschritt gehen“ und „Was ist ethisch noch vertretbar“ sind zwei Grundfragen, die „Mind Games“ unterschwellig aber stets präsent begleiten.

Die rd. 460 Seiten starke Story ist in sieben Teile (grafisch abgesetzt und jeweils mit einem Zitat versehen) und insgesamt 49 Kapitel aufgeteilt, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Das Grundthema ist schnell verstanden und die Anzahl der Charaktere ist zu Anfang recht überschaubar. Der Spannungsbogen entwickelt sich vergleichsweise langsam, aber stetig. Teilweise hatte das Buch zwischendurch für meinen Geschmack allerdings ein paar Längen. Gerade zu Beginn würde ich „Mind Games“ als dystopisches Jugendbuch klassifizieren. Im letzten Drittel, in dem Spannung und Action deutlich zunehmen, kommen auch durchaus Thriller-Elemente hinzu, so dass sich die Story insgesamt sowohl für jugendliche (Altersempfehlung ab 14 Jahre) als auch für erwachsene Leser eignet.

Die Charaktere, die Teri Terry für „Mind Games“ entworfen hat, lassen sich m. E. relativ gut in zwei Läger teilen: Auf der einen Seite neben der Protagonistin Luna noch eine Handvoll weiterer Charaktere, die ich als gut herausgearbeitet und sehr individuell empfunden habe und auf der anderen Seite eine Vielzahl von Charakteren, die im gesamten Verlauf der Geschichte irgendwie „blass und zweidimensional“ geblieben sind. Vielleicht hat die Autorin dies bewusst als Stilmittel eingesetzt, was für den Plot der Geschichte nicht unpassend wäre. Ich persönlich mag „giffige“ und individuelle Charaktere allerdings lieber.

Alles in Allem hat mich „Mind Games“ trotz einiger Längen gut unterhalten, was sicherlich im Wesentlichen an der faszinierenden Grundidee und deren guter Umsetzung liegt. Das passende und überzeugende Finale war mir persönlich allerdings viel zu kurz und fast schon überhastet. Bis kurz vor dem Ende hatte ich sogar echte Zweifel, dass die Autorin ihre Geschichte noch zu einem befriedigenden Abschluss bringen würde. Insgesamt hätte ich mir in den rd. ersten 2/3 des Buches rd. 50 Seiten weniger gewünscht und dafür zum Finale diese Seiten dann mehr. Das hätte der Geschichte aus meiner Sicht sehr gut getan.

Noch eine Anmerkung für die Fans der „Gelöscht“-Trilogie: „Mind Games“ ist wie bereits erwähnt ein eigenständiger Roman, der nichts mit der Trilogie zu tun hat. Dennoch hat es sich Teri Terry nicht nehmen lassen, einen Querverweis auf die Trilogie einzubauen (S. 385 ff.)

FAZIT:
Aufbauend auf einer faszinierenden wie gleichzeitig beängstigenden Grundidee hat Teri Terry eine spannende und gut unterhaltende Dystopie entwickelt, die allerdings zwischendurch ein paar Längen aufweist und mit einem zwar überzeugenden, aber auch überhastet wirkenden Finale endet. (Nicht nur) für Fans der „Gelöscht“-Trilogie dennoch mit Sicherheit eine Leseempfehlung.