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gaby2707

Bewertungen

Insgesamt 2109 Bewertungen
Bewertung vom 08.08.2022
Keine bösen Tiere - Das etwas andere Tierbuch für Kinder ab 7 Jahren
Corrigan, Sophie

Keine bösen Tiere - Das etwas andere Tierbuch für Kinder ab 7 Jahren


ausgezeichnet

Ein lehrreiches und lesenswertes Sachbuch – nicht nur für Kinder

Sicher kennt ihr das: ihr seht ein Tier und schon schwirren in eurem Kopf Vorurteile herum. Damit will dieses Buch von SophieCorrigan aufräumen.
Auf je zwei Doppelseiten werden die verschiedensten Tiere vorgestellt von A = Ameise über K = Kröte, M = Maus bis zu W = Wespe. Darunter sind auch nicht ganz so bekannte Tiere wie der Tasmanische Teufel, das Opossum oder der Komodordrache. Insgesamt werden hier 38 Tiere vorgestellt.
Auf den ersten beiden Seiten, die etwas dunkel gehalten sind, werden die „schlechten“ Eigenschaften der Tiere behandelt. Die folgenden beiden Seiten, die heller gestaltet sind, beginnen immer mit „Alles Quatsch“ oder „Dass ich nicht lache“ oder „Moment mal“ und vielen weiteren Aussagen, die beschreiben, dass diese Tiere meist gar nicht so fies sind, wie wir vielleicht denken. Dies alles geschieht in Ich-Botschaften, die wir auf verschieden großen und farbigen Sprechblasen entdecken. Die Illustrationen dazu passen sich den beiden Hintergrundfarben hell und dunkel gut an. So erkennt man gleich, ob dieses Tier hier gerade böse oder freundlich ist.

Insgesamt gefällt mir das Buch mit seinem Anliegen die Tiere in ihrer Ganzheit besser zu verstehen und einzuordnen sehr gut. Allerdings wird hier oft mit Verniedlichungen gespielt, die nichts mit dem Tier an sich zu tun haben. „Ich bin süß“ – die Hyäne, „ich bin ein kuscheliges Schätzchen“ – die Ratte oder „ich bin zwar mollig, aber niedlich“ – die Kröte hat nichts mit den Eigenschaften eines Tieres zu tun, die wir unsympathisch finden. Diese Verniedlichungen helfen mir und den Kindern nicht, ein Tier besser einzuordnen und zu verstehen.
Bei den meisten Tieren wird ihre positive Wirkung auf die Natur gut in den Vordergrund gestellt. So halten Geier die Umwelt sauber, Tauben und Möwen entsorgen das, was wir wegschmeißen. Die großen Tafeln mit „Fakten“ über jedes Tier haben uns besonders gut gefallen.

Ein interessantes, lehrreiches Buch, das den Kindern Vorurteile nehmen will. Ich, als Vorlese-Oma habe auch wieder einiges gelernt über die Tiere in unserer Umgebung.
Wir sollten aber immer daran denken, dass einige der Tiere auch gefährlich werden können.

Bewertung vom 08.08.2022
Ingeborg Bachmann und Max Frisch - Die Poesie der Liebe / Berühmte Paare - große Geschichten Bd.3
Storks, Bettina

Ingeborg Bachmann und Max Frisch - Die Poesie der Liebe / Berühmte Paare - große Geschichten Bd.3


ausgezeichnet

Bewegende Jahre

Die Namen Ingeborg Bachmann und Max Frisch habe ich natürlich schon gehört. Gelesen habe ich bisher von Beiden noch nichts. Was sich nach dieser Lektüre aber bestimmt ändern wird.

Bettina Storks hat mich neugierig gemacht auf diese beiden Menschen, denen ich hier von 1958 bis 1964 und dann im Jahr 1990 ein Stück auf ihrem gemeinsamen Lebensweg begleiten darf.

Als sie sich 1958 in Paris kennenlernen hat sich die 32-jährige Wortzauberin Ingeborg Bachmann gerade von ihrem Geliebten Paul Celan getrennt, wird von Männern umschwärmt, ist aber erst mal der Liebe überdrüssig. Bei dem 49-jährigen Max Frisch, der geschieden ist, schlägt diese Begegnung ein wie ein Blitz. Liebe auf den ersten Blick zu einer eigenwilligen Frau, die in ihrer Unordentlichkeit und ihrem Hang zur Verschwendung so grundverschieden zu ihm ist. Sie liebt ihre Freiheit, korrespondiert mit vielen verschiedenen Männern aus ihrer Gegenwart und aus der Vergangenheit und lebt in München, wo sie sich allerdings nicht zuhause fühlt. Dieses Gefühl hat sie nur in Rom. Er ist oft grundlos eifersüchtig und liebt sein Domizil in Zürich. Und doch wagt sie den gewaltigen Schritt und zieht zu ihm in die Schweiz.
Immer abwechselnd kommen die Beiden zu Wort und ich lerne sie in ihrem Tun und in ihren Gedanken immer besser kennen. Bei ihrem Freiheitsdrang und seiner Bodenständigkeit ahne ich aber bald, dass diese Liebe keinen Bestand haben kann. Ab einem gewissen Zeitpunkt kann ich Max´ Zerrissenheit direkt spüren.

Bettina Storks hat mich mit ihrer geschliffenen, gehobenen Sprache schnell in diese so berührende Liebesgeschichte der beiden total unterschiedlichen Charaktere hinein gezogen. Dieser Lebensabschnitt liest sich sehr authentisch und ich kann mir das Leben der Beiden genau so sehr gut vorstellen.
Mir haben es vor allem auch die vielen Zitate und klugen Sätze der beiden Wortakrobaten, wie Frau Storks sie nennt, angetan, über die im Anhang nochmal genau Nachweis geführt wird.

Es ist keine leichter Sommerlektüre, ich musste mich auf die Geschichte der beiden faszinierenden Menschen richtig einlassen. So hatte ich ein paar sehr unterhaltsame und angeregte Lesestunden.

Bewertung vom 07.08.2022
Zerborsten: Du. Weißt. Nichts.
Haubrich, Leonie

Zerborsten: Du. Weißt. Nichts.


ausgezeichnet

Wenn nichts ist, wie es scheint…

Streifenpolizistin Bettina Reinhardt ist verzweifelt. Erst stirbt ihr Kollege Andreas bei einem Autounfall. Auf der Heimfahrt von der Pathologie verursacht sie einen Auffahrunfall und lässt sich zuhause volllaufen um am nächsten Morgen festzustellen, dass ihr Mann Christian, der als Fotograf arbeitet, verschwunden ist. Klar, er ist dauernd wegen irgendwelcher Aufträge unterwegs, aber nie ohne sich zu verabschieden. Er ist auch telefonisch nicht mehr erreichbar, bei Freunden oder Bekannten hat er sich auch nicht abgemeldet. Da sie von ihren Polizeikollegen keine Hilfe bei der Suche nach ihm zu erwarten hat, macht sie sich selbst auf. Ein Tracker, der an Christians Schlüsselbund befestigt ist, führt sie in die Schweiz, in die Nähe des kleinen Bergdorfes Nicolaoried. Bei den wenigen Bewohnern des kleinen Ortes scheint sie nicht willkommen zu sein. Was sich nicht ändert, als sie bei der Suche nach dem Tracker auf eine Leiche stößt. Nicht auf Christian...

Autorin Leonie Haubrich hat mich mit diesem Alpenthriller ab der ersten Seite gefangen genommen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich habe mitgerätselt, hatte immer wieder jemand anderen in Verdacht, wurde auf falsche Fährten gelockt, musste mit verschiedenen Wendung klar kommen und der Schluss hat mich absolut überrascht. Mit dieser Auflösung hatte ich so nie gerechnet. Mit dem Untertitel „Du. Weisst. Nichts.“ hat die Autorin also absolut recht.

Durch verschiedene Rückblenden lerne ich Bettina noch näher kennen. Und auch ein anderer Beteiligter meldet sich zu Wort. Gut unterscheiden kann ich die verschiedenen Erzählstränge durch kleine Symbole, die nach der Datumsanzeige angebracht sind.

Durch den eingängigen, emotionalen und sehr bildhaften Erzählstil kann ich mir zum einen die sehr unterschiedlichen Menschen, mit denen ich es hier zu tun bekomme, sehr gut vorstellen. Wobei mir nicht alle sympathisch sind. Zum anderen habe ich beim Lesen die schroffe, raue Landschaft in den Schweizer Bergen und die Umgebung des kleinen Bergdorfes direkt vor Augen.

Ein spannender, aufreibender Alpenthriller mit einer nachvollziehbaren Geschichte in einer unwirtlichen Gegend mit Kälte, Regen und Schnee, die mir einige dramatische, sehr unterhaltsame Lesestunden beschert hat.

Bewertung vom 04.08.2022
Zwischen zwei Welten
Jardin, Izabelle

Zwischen zwei Welten


ausgezeichnet

Ein sehr emotionaler Auftakt zur Achenthal-Saga

Schlesien in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1844: Nach einem blutig niedergeschlagenen Aufstand der Baumwollweber flieht Patriarch Theodor von Achenthal. Sein Sohn Arno führt ab sofort die Geschäfte, unterstützt von seiner Frau Florentine. Auch Tochter Elise bringt sich mit Ideen in die Tuchfirma ein. Bei einem Besuch in London sollen nicht nur geschäftliche Kontakte geknüpft werden. Mamá sucht auch einen Mann für Elise. Die hat ihr Herz aber schon an einen anderen Mann verloren...

Autorin Izabelle Jardin hat mir mit dem Auftakt der Achenthal-Saga wunderschöne, in die Vergangenheit schweifende Lesestunden geschenkt. Ihre einfühlsame, sehr bildhafte und lebendige Erzählweise macht es mir leicht, ins Schlesien um 1845 einzutauchen.

Mir gefallen die in ihrer Unterschiedlichkeit so bildhaft und ausdrucksstark gezeichneten Figuren. Allen voran die junge Elise von Achenthal. Mit ihrer liebenswerten, temperamentvollen, kämpferischen Art und ihrem vorausschauenden Blick ist die 16-jährige ihren Altersgenossinnen weit voraus. Im positiven aus der Zeit gefallen finde ich auch Gräfin Auguste von Bresow, eine Freundin von Florentine. Mit ihr würde ich mich gerne mal auf einen Plausch zusammen setzen. Genau so geht es mir mit dem geheimnisumwitterten, scheuen Konrad von Radenau.
Auch alle anderen Figuren sind sehr gut vorstellbar für diese Zeit geschaffen und passen hervorragend in diese Geschichte.

Ich lerne das Handwerk der Weber kennen und tauche in ihre Schwierigkeiten ein, sich mit ihrer Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Daran will Elises Vater etwas ändern und auch ihre Mutter und sie selbst tun einiges, damit es den Webern und ihren Familien besser geht.

Ein sehr interessanter und spannender Blick in eine andere Zeit und eine andere Welt mit einer beginnenden Liebesgeschichte, die ich gerne weiter verfolge. Ich kann es kaum erwarten zu lesen, wie es mit Elise, ihren beiden Männern und den Achenthals weiter geht.

Bewertung vom 02.08.2022
Der letzte Tanz
Eisenschenk, Karoline

Der letzte Tanz


ausgezeichnet

Diesmal tanzen die Schäffler nicht

Alle 7 Jahre tanzen sie im niederbayerischen Neukirchen – die Schäffler. Das will sich der pensionierte Geschichtsprofessor Gregor Cornelius aus München nicht entgehen lassen. Seine Frau Ramona verbringt derweil die Faschingstage mit Freunden in Kitzbühel.
Im niederbayerischen Neukirchen angekommen überschlagen sich die Ereignisse: Auf der Motorhaube seines PKW findet der erste Vortänzer der Schäffler Julian Bernbacher eine tote Ratte; dann findet seine eigene Todesanzeige den Weg zu ihm; fast hätte er durch den Rauch, der durch einen Brand in einer Toilettenanlage entsteht, eine Rauchvergiftung erlitten. Als er seinem besten Freund seinen Wagen leiht, kommt dieser durch einen Unfall fast ums Leben. Wer ist die Person, die solch einen Hass auf den jungen Schäffler hat?
Natürlich kann sich Cornelius, der in Neukirchen schon einmal einen Kriminalfall aufgeklärt hat, nicht zurück halten und versucht die Umstände auf eigene Faust zu klären.

Endlich mal wieder ein Regionalkrimi, der seinen Namen auch wirklich verdient. Mit authentischen Menschen, die genau in die Region passen; mit dem kleinstädtischen Flair, wie ich es mir vorstelle; mit Örtlichkeiten, die ich mir gut vorstellen kann und die ich auch gerne mal besuchen möchte. Vor allem mit einem Ermittler, der sich durch seine Bodenständigkeit und Liebenswürdigkeit hervor tut. Ich habe mich in dem kleinen Ort Neukirchen gleich wohl gefühlt und kann Gregor Cornelius gut verstehen, dass er dort seinen Urlaub viel lieber verbringt als im mondänen Kitzbühel. Vor allem weil auch die Schäffler tanzen sollen, die ich hier in München auch schon einige Male habe anschauen können. Sie in diesem Krimi zu finden, hat mir sehr gut gefallen.

„Der letzte Tanz“ ist der zweite Band aus einer Reihe um den Münchner Geschichtsprofessor Gregor Cornelius. Es gibt immer wieder kleine Anspielungen auf den ersten Fall, die neugierig machen. Ich hatte aber nicht den Eindruck, dads mir etwas Wesentliches zum Verständnis dieses Falles hier fehlt. Man kann die Bücher also auch sehr gut unabhängig voneinander lesen.

Karoline Eisenschenk hat mit „Der letzte Tanz“ einen sehr interessanten und vor allem nachvollziehbaren Kriminalfall konstruiert. Es gibt sehr viele Verdächtige, die alle ein mehr oder weniger starkes Motiv haben. Aber auf den wirklichen Täter hätte ich nicht gewettet. Vor allem habe ich mir nicht vorstellen können, wer dem allseits beliebten Julian etwas Böses wollen könnte. Dann wird auch noch mein Verdächtiger Nr. 1 ermordet in seinem Vorgarten gefunden. Der Täter und vor allem sein Motiv hat mich dann sprachlos gemacht. Was doch Unausgesprochenes nach sich ziehen kann.

Ein spannender Krimi in einer idyllischen Umgebung ohne großes Blutvergießen. Ich freue mich schon jetzt auf die „Fahnenweihe“ des örtlichen Schützenvereins, der Ende September erscheinen wird.

Bewertung vom 01.08.2022
Ich bin gierig! Erotische Geschichten
Ritchey, Pamela

Ich bin gierig! Erotische Geschichten


sehr gut

Hier gleichen sich die Geschichten nur in einem...

Pamela Ritchey hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der mich schnell in die einzelnen Geschichten hinein zieht. Leicht und locker führt sie mich durch ihre Spiele von Petra und Adrian, Melanie, die sich gerne unterwirft, Tim, der sich mit seiner Lehrerin nicht nur zum Lernen verabredet, Charlotte und Nachbar Peter, Sick und Emeliy gehen nicht nur zusammen tauchen und in Coober Pedy sucht Ethan nicht nur nach Opalen.
Die so unterschiedlichen Protagonisten sind in ihrer Vielfältigkeit sehr gut beschrieben und sie regen mit ihren Aktionen die Fantasie und mein Kopfkino an. Ihr Verhalten ist zwar sehr direkt nur auf das eine gerichtet, aber nie derb, geschmacklos oder geht unter der Gürtellinie. Manche Geschichten haben sogar Spannungspotential. Keine gleicht der anderen, sie sind abwechslungsreich, voller Sinnlichkeit und einfach faszinierend.
Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.

Bewertung vom 01.08.2022
Der Geruch von Wut
Clima, Gabriele

Der Geruch von Wut


sehr gut

Nichts ist gut

Durch einen Unfall verliert der 16-jährige Alex seinen Vater. Seine Mutter ist von Narben entstellt. Als er selbst aus dem Koma erwacht, existieren für ihn nur negative Gefühle: Wut und Hass. Wut und Hass auf den Mann, einen Schwarzen, der ihren PKW mit seinem Lieferwagen von der Straße abgedrängt und in den Fluss katapultiert hat. Er macht sich auf die Suche und gerät durch seinen Freund Teo an Ferenc und seine Gruppe rechtsradikaler junger Menschen, die Black Boys. Viel zu spät merkt er, in welche fatale Situation ihn seine Gefühlswelt hier gebracht hat.

Gabriele Clima schafft es mit seinem einfachen aber doch eindringlichen Erzählstil eine Atmosphäre zu schaffen, der ich mich schon nach den ersten Seiten nicht mehr entziehen konnte. Alex´ Wut und Hass scheinen greifbar, seine Zerrissenheit und sein Hinwenden zu scheinbaren Freunden kann ich gut nachvollziehen. Aber auch seine liebevolle Seite seiner Mutter Nora gegenüber, die absolut auf Gegenseitigkeit beruht, kommt glaubhaft rüber.

Die kurzen Kapitel machen die Geschichte sehr schnell und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Zwischendurch hatte ich allerdings Schwierigkeiten zwischen Alex´ Träumen und seiner Realität zu unterscheiden. Dazu eine Wende, die die Gefühle und Emotionen weiter anfachen. Leider wird es dann für mich immer weniger glaubhaft.

Ein Thema, das aktueller ist denn je, ein junger Mensch, der sich in etwas verrennt, dass er nicht mehr kontrollieren kann und eine Wende, die ich so nicht erwartet habe.

Ein Buch, das bestimmt nicht nur bei Jugendlichen Anklang finden wird.

Bewertung vom 01.08.2022
Mörderische Masche / Der Häkelclub ermittelt Bd.1
Letterman, Karla

Mörderische Masche / Der Häkelclub ermittelt Bd.1


sehr gut

Der Häkelclub ermittelt

Henri Ketelsen muss den plötzlichen Tod seiner Frau Maike verarbeiten. Sie wollte nur schnell nach einem Pferd auf der Weide von Rinderbaron Jochen Möllerhahn schauen, wurde dabei von einem Bullen auf die Hörner genommen und getötet. Seitdem hat Henri den silbernen Nasenring des Bullen im Kopf. Dabei sollte er sich eigentlich um den Handarbeitsladen „Nähschiff & Nadelflotte“ seiner Frau kümmern. Was wird nun aus dem Strickzirkel und den Häkelclubs? Und aus der Mitarbeiterin Frollein Edda?

Karla Letterman hat mit diesem Buch eine so liebevolle, aber auch spannende Geschichte kreiert, dass ich sofort in dem Häkelladen hängengeblieben bin und das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Okay, unter einem Krimi stelle ich mir etwas anderes vor. Aber diese Geschichte hat auch ihre spannenden Seiten und natürlich eine Tote, deren ableben aufgeklärt werden muss.

Mich haben die Menschen, die ich hier kennenlerne, zumeist Frauen, angezogen und mir die Lektüre so richtig schmackhaft gemacht. Sie sind alle sehr lebensecht und menschlich gezeichnet, mit Ecken, Kanten und spitzen Zungen versehen und meist sehr sympathisch. Da wird gehäkelt und gestrickt, was das Zeug hält, über Farben und Materialien philosophiert. Edda versucht verzweifelt Henri vom Verkauf des Ladens abzubringen, den ihr Job steht auf dem Spiel. Und Henri, der zuerst in seiner Trauer gefangen ist, blüht immer weiter auf, findet Spaß an dem, was seine Frau aufgebaut hat und ist für seine Stammtischbrüdern nun nur noch Häkel-Henri.
Ich habe mit ihm gelitten, getrauert, wir haben zusammen gelacht und uns über seinen Job als Uhren-Feinwerkmechaniker und Maikes Laden Gedanken gemacht. Dann wird es langsam richtig spannend, als unschöne Machenschaften auf dem Rinder- und Pferdehof aufgedeckt werden. Die Häkelclub Damen legen sich nun richtig ins Zeug und „ermitteln“.

Die Umgebung von Bökersbrück in Ostholstein hätte ich gerne noch etwas näher kennengelernt. Dafür habe ich einiges über Henris Umfeld und seine Bekannten erfahren. Da Henri neuerdings an einem Sommerschal arbeitet, habe ich mich über die Häkelanleitung auf den letzten Seiten sehr gefreut. Vielleicht greife ich nun auch mal wieder zu Häkel- oder Stricknadeln.

Mit „Mörderische Masche“ hat Karla Letterman einen sehr abwechslungsreichen, unterhaltsamen Wohlfühl-Krimi vorgelegt. Nicht nur für Fans von Wolle und spitzen Nadeln.

Bewertung vom 31.07.2022
Tintoretto und seine Freunde
Rossmann, Dirk

Tintoretto und seine Freunde


ausgezeichnet

Ein Unterwasserabenteuer mit einem kleinen Tintenfisch

Der achtarmige Tintenfisch Tintoretto sucht eine neue Höhle für seinen Mittagschlaf. Da lernt er die Krabbe Crabby kennen, die Tintoretto für ein Tiefsee-Känguru hält; die Qualle Kurt, die so herrlich falsch singt, den knallbunten Mandarinfisch Mala, die so herrliche Gruselgeschichten erzählt und den kleinen Delphin Doppelklick. Tintoretto gefällt es in der Bucht und er bleibt.

In diesen 10 kleinen Geschichten von Dirk Rossmann, die sich auch toll als Gute-Nacht-Geschichten eignen, begleite ich Tintoretto und seine Freunde bei ihren Abenteuern. Sie spielen Muschelmux, wo es auf Ebbe oder Flut ankommt. Sie feiern Doppelklicks Geburtstag und sie kommen dabei mit jeder Menge Müll in Berührung, den die Menschen ins Meer geworfen haben (und den sie wieder zurück befördern). Die Themen Freundschaft, Streit und Versöhnung, Baumabholzung und die Erwärmung der Meere werden in den Geschichten ebenfalls thematisiert.

Die farbenfrohen Bilder von Jutta Bücker ziehen mich regelrecht hinein in die kleine Bucht, wo sich der kleine Tintenfisch niedergelassen hat und ergänzen die Geschichten auf ganz wundervolle Weise.

Ein sehr abwechslungsreiches und spannendes Buch mit einigen heutzutage wichtigen Fragen zur Umweltproblemen, die Tintoretto und seine Freunde sehr elegant zu lösen wissen.

Bewertung vom 31.07.2022
Rille: Wann ist bald?
Krämer, Fee

Rille: Wann ist bald?


ausgezeichnet

Geduldig sein ist gar nicht so einfach

Das bekommt auch der kleine Gorilla Rille zu spüren, als er auf der Suche nach den besten Mangos auf ein Ei stößt. Zusammen mit seinen Dschungelfreunden der Gürteltierdame Tante Tatu, dem blauen Papagei Pepe, den drei Wasserschweinen, dem Tapir und Jaguar Onza wartet er darauf, dass etwas aus dem Ei schlüpft. Das Warten darauf dauert aber soooo lange. Auch wenn die anderen Tiere, die er fragt, wie lange es noch dauert „bald“ sagen. Aber wann ist bald?

Was sich die Tiere alles einfallen lassen bis es endlich so weit ist, das lest ihr in dieser liebenswerten Mitmachgeschichte „Wann ist bald? - Rille und die Geduld“ von Fee Krämer. Hier können die kleinen Zuhörer oder Selbstleser auf jeder Seite etwas tun, damit die Zeit bis zum Schlüpfen schneller vergeht. Da werden Mangos gesucht, das Ei frei gepustet, geklopft, gesungen und vieles mehr. Bis endlich der ersehnte Zeitpunkt gekommen ist.
Mit seinen farbenfrohen, ganzseitigen Illustrationen nimmt uns Nikolai Renger direkt mit hinein in den Dschungel zu Rille und seinen Freunden. Auf den Bildern gibt es so vieles zu entdecken, da vergeht die Zeit wie im Flug. Aus dem Mienenspiel von Rille auf jeder Seite kann man sehr gut erkennen, wie er sich gerade fühlt.

Am Ende der Geschichte finde ich einen QR-Code, der mich zu Ausmalvorlagen, Rätseln und Spielen rund um diese Mitmach-Geschichte führt um beim Warten erst gar keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Eine fast alltägliche Geschichte, die das Thema Warten und Geduld auf kindgerechte Weise sehr gut erklärt.