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gaby2707

Bewertungen

Insgesamt 2109 Bewertungen
Bewertung vom 02.02.2022
Ende einer Lesereise
Spelunka, Jan

Ende einer Lesereise


sehr gut

Der erste Fall für einen sympathischen Ermittler

Ramona Töpfer, die sich als Selfpublisherin und Influencerin Mona de la Mare nennt, ist tot. Nach ihrer Lesung in einer kleinen Buchhandlung in Bad Münstereifel wird sie am nächsten Morgen tot in der Erft gefunden. Ein erster Verdacht fällt auf ihren Bruder Frank, was ihren Vater veranlasst, Privatermittler Andreas „Andy“ Mücke zu kontaktieren um mehr über die Todesumstände herauszufinden. Es ist Andys erster großer Fall. Ist er dem schon gewachsen?

Ja, ist er. Andy Mücke ist es mit seiner genauen Beobachtungsgabe und seinem guten Kombinationsgespür gelungen, den Fall aufzuklären. Es hat zwar ein paar Tage gedauert, aber der Fall kommt ja auch sehr komplex daher und hat mir einen Täter präsentiert, den ich selbst schon ausgeschlossen hatte.

Jan Spelunka hat einen angenehmen, leicht zu lesenden Schreib- und Erzählstil. Die Unterteilung in viele kurze Kapitel machen den Fall schnell und ich fliege nur so durch die Seiten. Die farbigen Bilder, die er mir in den Kopf setzt, schalten mein Kopfkino an. Als ich dem Mörder das erste Mal begegne, wird es richtig gruselig.
Die Spannung baut sich schnell auf und hält ihr Level, das ruhig noch etwas höher sein kann, bis zum Schluss. Hier löst sich alles sehr gut nachvollziehbar auf.
Die Charaktere sind gut vorstellbar gezeichnet, meine Sympathien schnell verteilt. Andy Mücke finde ich in seiner nahbaren und aufgeschlossenen Art sofort sympathisch. Der Beruf als Privatermittler scheint gut für ihn zu passen. Er nimmt mich auch in sein privates Leben mit, was mir immer sehr gut gefällt. Lerne ich dadurch auch die Ermittler immer ein wenig besser kennen. Im Gegensatz dazu die selbstdarstellerische, egozentrische, oberflächliche Mona mit ihrer Selbstbeweihräucherung, die ich gar nicht mag. Auch die anderen Mitwirkenden haben ihre Ecken und Kanten und sind in ihrer Wirkung gut durchdacht eingesetzt.
Die Atmosphäre von und in Bad Münstereifel ist sehr gut eingefangen. Ich persönlich hätte mir noch etwas mehr Dialekt z.B. in den Dialogen gewünscht. Ich habe mich in der Stadt und in der Umgebung, wohin mich Andy mitnimmt, richtig wohl gefühlt.

Ein interessanter, kurzweiliger Regionalkrimi mit einem sympathischen Ermittler, von dem ich gerne mehr lesen würde.

Bewertung vom 01.02.2022
Der letzte Sommer in der Stadt
Calligarich, Gianfranco

Der letzte Sommer in der Stadt


gut

Davon hatte ich mir mehr versprochen

Mich haben das Cover mit dem Mann auf der Mauer, im Hintergrund zahlreiche römische Bauten, und der Klappentext gleichermaßen stark angesprochen. Die Geschichte hat mich dann aber nicht fesseln können.
Zu Beginn der 1970er Jahre verlässt der junge Leo Gazzarra seine Heimatstadt Mailand und lässt sich in Rom nieder. Dort hat er eine Anstellung als Journalist bekommen, die ihn aber nicht ausfüllt. Er führt ein unstetes Leben, lebt in den Tag hinein, ist meistens pleite und lebt von der Hand in den Mund bzw. aus der Hand seiner wohlhabenderen Freunde. Durch seine Freunde Renzo und Viola lernt er Arianna kennen. Aber auch mit ihr wird er nicht glücklich.
In dieser Geschichte erzählt er von seinem letzten Sommer in dieser Stadt. Hier hat er nicht das gefunden, was er gesucht hat. Weiß er überhaupt nach was er sucht? Er scheint entwurzelt, sucht Geborgenheit und Halt, derer er sich aber auch immer wieder entzieht um sich der Leichtigkeit des Augenblicks hinzugeben. Liegt es an der Stadt, die einen in sich hinein zieht, an einem Lebensgefühl, das nicht halten kann, was es verspricht?
Ich konnte mit diesem sehr unsteten melancholischen jungen Mann nicht allzu viel anfangen. Ich hätte ihn gerne mal geschüttelt und ihm einen Weg aufgezeigt. Andererseits finde ich es faszinierend zu lesen, wie er sich selbst allem entzieht und doch mittendrin steckt, in seiner Ausweglosigkeit das Leben in vollen Zügen genießt.
Gianfranco Calligarichs Schreib- und Erzählstil ist einerseits so leicht, bildhaft und beschwingt, wie das Leben, das seine Hauptperson lebt. Andererseits aber auch so melancholisch und düster, dass es mich verstört. Ich liebe es ihn in die Stadt zu begleiten, wo er mich mit Bildern füttert, die sich in meinem Kopf festsetzen. Die Stadt, die nie schläft, wo sich Altertümer neben Neubauten behaupten – dieses Flair hat er sehr gut eingefangen.
“Der letzte Sommer in der Stadt” ist ein Roman, der mich nicht überzeugen konnte. Die Geschichte plätschert seicht dahin. Die Umgebungsbeschreibungen allerdings haben mir sehr gut gefallen.

Bewertung vom 31.01.2022
Für Fitness ist es nie zu spät
Rischko, Erika;Froböse, Ingo

Für Fitness ist es nie zu spät


sehr gut

Auf los geht´s los

Nach einer kurzen Vorstellung, bei der ich Erika auch mit ihren TikTok und Instagram-Kanälen etwas näher kennenlerne, starte ich mit einem Theorieteil, wo die Heilkraft der Bewegung angesprochen wird. Es geht darum dem Verschleiß der Gelenke entgegen zu wirken, Rücken, Knochen, Herz und Kreislauf zu stärken, Demenz vorzubeugen, den Darm und den Stoffwechsel in Schwung zu bringen, der guten Laune entgegen zu laufen u.v.m. Auf fast jeder Seite gibt es in einem kleinen umrandeten Feld noch extra Tipps zu dem jeweiligen Thema. Vieles davon habe ich schon gehört oder gelesen. Aber es hier mal wieder gebündelt vor Augen gehalten zu bekommen, stärkt schon meinen Willen wieder etwas mehr für meinen Körper und meine Gesundheit zu tun.

Im 2. Abschnitt finde ich Checklisten, in denen es um meinen derzeitigen Fitnessstand geht. Hier werden Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit getestet. Es geht darum den für mich am besten geeigneten Sport zu finden, um Ernährung und um besseren Schlaf. Auch hier ist vieles dabei, was ich schon kenne. Nur, dass ich hier alles auf einen Blick zusammengefasst habe.

Dann mein favorisierter dritter Teil: die praktischen Übungen. Dazu brauche ich nicht viel: eine Isomatte, ein Theraband, zwei kleine Hanteln und einen Stuhl. Eine Fazienrolle um das Bindegewebe wieder in Form zu bringen und zu lockern werde ich mir noch anschaffen. Dazu gibt es die verschiedensten Übungen, angefangen von ganz leicht bis hin zu Übungen, die mir (noch) recht schwer fallen. Es ist angegeben, welche Körperpartie hier trainiert wird, welchen Schwierigkeitsgrad diese Übung hat und nach Anfänger und Fortgeschrittene aufgeteilt, wie viele Wiederholungen man durchturnen sollte. Auf den dazu gehörigen Bildern sieht man @erikarischko, wie sie die Übung ausführt. So soll es dann bei mir auch aussehen. Auch hier bekomme ich immer wieder kleine Extratipps, die das Trainieren erleichtern sollen/können.
Die Übungen dauern alle nur wenige Minuten und lassen sich so leicht in den Alltag einbauen.

Ganz zum Schluss bekomme ich noch drei Work-outs – leicht, mittel und schwer. Hier ist unter jeder Übung die Seite angegeben, wo die Übung vollständig vorgestellt wird.
Abgerundet wird das Ganze durch ein A-Z Register, wo ich alles auf einen Blick habe und schnell finden kann, was ich gerade suche.

Ein Fitnessratgeber, bei dem Vieles schon bekannt ist; wo ich aber alle Infos auf einen Blick zusammengefasst habe und den ich bestimmt noch oft zur Hand nehmen werde.
Sehr zu empfehlen.

Bewertung vom 28.01.2022
Wir sind dieser Staub
Wetmore, Elizabeth

Wir sind dieser Staub


ausgezeichnet

Ein Debüt, das mich mitgerissen hat

Die 14-jährige Gloria Ramírez denkt an einen netten Abend mit einem netten Jungen. Doch es soll so ganz anders kommen. Vergewaltigt und zerschunden, die Füße von Glasscherben und die Hände von Stacheldraht zerschnitten, Gesicht und Arme zerkratzt vom Sand der Wüste, in der es nichts gibt außer Mesquitebäume, Moskito- und Büffelgras, Ölpumpen, Bohrrückstände, Klapperschlangen, Kojoten, Truthahngeier. Sie taumelt auf die Terrasse von der hoch schwangeren Marie Rose Whitehead, die ihr mit einer Waffe in der Hand die Türe öffnet. Ihre Tochter ruft den Krankenwagen und den Sheriff, der den jungen Dale Strickland, der seinen Rausch ausgeschlafen hat und nun heran rast um Gloria mitzunehmen, verhaftet.
Was dann für Marie Rose Whitehead beginnt, ist ein Spießrutenlauf. Sie wird bedroht und beschimpft. Sie verlässt sogar ihr Farm im Outback und zieht in die Stadt. Und sie ist die Einzige, die im späteren Prozess gegen Dale Strickland aussagt.

Odessa im Westen von Texas ist eine Stadt voller Männer. Männer, die nach Öl bohren, Männer, denen Frauen zu gehorchen haben und zu Willen zu sein. Dagegen lehnt man sich nicht auf. Die jungen Frauen in diesem unwirtlichen Landstrich kennen es nicht anders. Sie werden mit 15 spätestens mit 17 schwanger. Nur wenige schaffen den Absprung und verlassen die Stadt.

Frauen verlieren ihre Männer, wenn sie versuchen, doch noch schnell über einen Bahnübergang zu fahren oder sie im Auto einschlafen; sie sich betrinken und aus Versehen erschießeb; beim Angeln, wenn sie im See ertrinken; wenn sie ein Bullenkalb erschrecken und das ihnen dann vor die Brust tritt; bei einer Schießerei im Motel oder wegen eines Schwefelwasserstofflecks in der Nähe von Gardale. Oder wegen Chrystal oder Medikamenten.
Und wie sterben Frauen? Normalerweise, wenn Männer sie umbringen.

Elizabeth Wetmore zeichnet das Bild von Odessa, einer Stadt in Texas, in den 1970er Jahren. Ich kann mir beim Lesen die ratternden Ölpumpen, den roten staubigen Wüstensand, die endlose Weite und die Langeweile der Menschen hier gut vorstellen. Aber die Arbeit auf den Ölfeldern bietet die einzige Chance auf schnelles, gutes Geld und damit ein besseres Leben.

Die Autorin lässt Gloria, die sich jetzt Glory nennt, Corrine Shepard, deren Mann Potter an Krebs verstorben ist, Ginny Pierce, Suzanne Ledbetter, die sich mit Avon Produkten etwas dazu verdient, die junge Debra Ann und Karla Sibley aus ihrem Leben erzählen.
Es sind Geschichten von einer Machogesellschaft, von Macht- und Hilflosigkeit, von Ungerechtigkeit und hilflosem Ausgeliefertsein, von Unrecht und Unglück, von Sexismus, Rassismus und dem Ausharren in unglücklichen Beziehungen. Aber es gibt auch die Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, die aus ihrer hoffnungslosen Lage versuchen das Beste machen.

Die Autorin hat einen sehr klaren, deutlichen und lebendigen Erzählstil. Ihre düsteren Bilder prägen sich ein und ich habe bei ihren Schilderungen mehr als einmal schlucken müssen. Sie erzählt eine Geschichte, die aber in all ihrer Düsternis auch kleine helle Flecken der Hoffnung enthält. Und vor allem mit einem Ende, das mir sehr gut gefallen hat.

Bewertung vom 26.01.2022
Ohne Wenn und Aber
Gruber, Birgit

Ohne Wenn und Aber


ausgezeichnet

Mein erster Fall mit Kati Blum

Wie in jedem Jahr veranstaltet die Juwelierfamilie Blum ihre Weihnachtsfeier mit viel erlesener Bayreuther Prominenz in ihrem weitläufigen Anwesen. Am nächsten Morgen wird Hausmeister und Butler Richard Schwenk von seiner Frau Maria vermisst. Kati, die seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes Thorsten in einer kleinen Wohnung unter dem Dach wohnt, bekommt Besuch von 2 Männern in Bärenkostümen, die den „Klunker“ haben wollen. Spätestens bis Silvester. Kati, die absolut keine Ahnung hat, worum es hier geht, macht sich auf die Suche und findet eine Spur, die nach Bad Bentheim führt. Auf dem Weg dorthin nimmt sie einen Mann mit, dessen PKW an einer Raststätte plötzlich den Geist aufgegeben hat.
Ob und wie es Kati gelingt Licht in dieses Dunkel zu bringen, lest ihr in diesem sehr unterhaltsamen, kurzweiligen und spannenden Cosy Krimi.

Kati Blum, leicht chaotisch und äußerst neugierig, die diese Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Form erzählt, habe ich ab den ersten Seiten ins Herz geschlossen. Sie nimmt ihr Leben nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes schnell in die eigenen Hände und lässt sich auch von ihrer schikanösen Schwiegermutter Anke nicht unterkriegen. Dazu hat sie eine der besten Freundinnen, die man sich vorstellen kann, Frisörin Nina, die mit ihr durch dick und dünn geht und immer für sie da ist. Auch die anderen Mitwirkenden in dieser Krimödie kann ich mir gut vorstellen. Allen voran natürlich Lars Winkelmann, der sich recht geschickt an Kati heran wanzt. Was die Beiden in ihrer ersten gemeinsam getrennten Nacht erleben ist schon klasse.

Birgit Gruber ist mit diesem Buch eine tolle Vorstellung ihrer neuen Protagonistin gelungen. Obwohl ich manchmal nicht genau wusste, warum Kati so handelt, wie sie handelt, wie sie dazu kommt, zu denken wie sie denkt, habe mit gerätselt, wurde überrascht, habe mich köstlich amüsiert und bin interessiert den Dialogen gefolgt.
Wer keine superspannende Action sucht, wer auch mal lachen will, der ist hier genau richtig. Ich bin sicher, ihr werdet Kati genau so mögen wie ich.

Bewertung vom 24.01.2022
Der Mann, der zweimal starb / Die Mordclub-Serie Bd.2
Osman, Richard

Der Mann, der zweimal starb / Die Mordclub-Serie Bd.2


ausgezeichnet

Mein erster Fall mit dem Donnerstagsmordclub – klasse!

Bisher hatte ich gedacht, dass es in einer Seniorenresidenz recht gesittet und ruhig zugeht. Da kannte ich aber auch den Donnerstagsmordclub, bestehend aus Yoyce, Ron, Ibrahim und Elizabeth aus der noblen Seniorenresidenz Coopers Chase in der Grafschaft Kent, noch nicht. Die haben wirklich mit alten Tattergreisen nichts zu tun, sind geistig rege und fit und haben sich den Mordermittlungen verschrieben.
In dieser Geschichte bekommt Elizabeth einen Brief von einem gewissen Marcus Carmichael mit der Bitte um ein Treffen. Aber wie kann das sein? Carmichael, ehemals ihr Ehemann Douglas Middlemiss, ist seit Jahren tot. Nur hat dieser Diamanten im Wert von 20 Mio. Pfund entwendet und wird nun vom Besitzer bedroht. Unterstützung erhält Douglas von der kellnernden Poppy. Dann geschehen zwei Morde. Oder doch nicht? Und wo sind die Diamanten? Alles sehr mysteriös und undurchsichtig. Aber der Donnerstagsmordclub wetzt schon die Messer um einzugreifen und Recht walten zu lassen.

Dies ist meine erste Begegnung mit den vier Herrschaften aus der Seniorenresidenz. Und ich muss sagen, ich hatte lange nicht mehr so einen Spaß beim mit ermitteln und mit rätseln, wie hier.
Es ist herrlich, dabei sein zu können, wie die Vier Hinweise zusammentragen und Spuren verfolgen. Als Ibrahim von Kleinkriminellen zusammengeschlagen wird, wird auch schnell klar, dass der Viererclub auch Freunde bei der Polizei hat. Denn kaum ist die Tat geschehen, stehen Detective Chief Inspector Chris Hudson und Police Constable Donna De Freitas auf der Matte. Die beiden haben gerade erst die Observierung von Drogengroßhändlerin Connie Johnson abgebrochen. Warum? Das müsst ihr selbst lesen.
Obwohl Elizabeth der Kopf der Truppe zu sein scheint, habe ich mich mit Yoyce noch ein bisserl mehr angefreundet. Ich habe ihre Geschichte mit ihrem neuen Hobby - sie strickt neuerdings Armbänder – oder ihrem neuen Instagramaccount so genossen. Und sie wünscht sich so sehr einen Hund. Aber ob sie den in ihrem Alter dann noch überlebt?
Die einzelnen Charaktere sind sehr liebevoll und detailliert ausgearbeitet und ich lerne sie nach und nach immer besser kennen. Jeder hat seine kleinen Eigenheiten und Macken, die sie aber um so liebenswerter machen.
Gerade bei den Gesprächen und bei manch eigentlich unwichtigen oder unwesentlichen Begebenheiten kommt der englische Humor, den ich so liebe, richtig gut rüber. Ich hatte seitenweise ein Dauergrinsen im Gesicht. Aber es gibt auch die traurigen Seiten, die hier nicht ausgespart werden, wie Demenz oder Tod. Es gehört halt alles zum Leben dazu.
Eine tolle Geschichte über 4 Senioren, die in ihrem Altersruhesitz nicht ruhig sitzen, sondern ihre Passion gefunden haben. Eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und den Willen, das Leben auch im hohen Alter noch selbstbestimmt zu leben und ein bisserl Action zu haben.
Ich freue mich jetzt erst mal auf ein Wiederlesen beim Fall 1, den ich noch nachholen muss. Und dann hoffentlich auf bald im 3. Fall für den Donnerstagsmordclub.

Bewertung vom 23.01.2022
Ich bin der Abgrund
Carrisi, Donato

Ich bin der Abgrund


ausgezeichnet

Brutal, höchst spannend und verstörend

Den Müllmann, um den es in dieser Geschichte geht, lerne ich bereits im Alter von 5 Jahren kurz kennen, als er von seiner Mutter in eine sehr missliche und schändliche Situation gebracht wird. Mehr will ich hier nicht verraten.
Dann ist er Ende 20 und arbeitet in Como am wunderschönen Comer See bei der Müllabfuhr. Sein Tagesablauf ist strukturiert und er verhält sich so unauffällig wie möglich. Jeden Morgen ab 5 Uhr ist er auf den Straßen unterwegs und sammelt den Müll der Menschen ein. Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und liest aus dem Müll allerhand heraus. Informationen, die er braucht, um ab und zu auszubrechen, in die Rolle des Mickey zu schlüpfen und seine Wut und seinen Frust abzulassen.
Da gibt es dann noch die „Fliegenfischerin“ und das Mädchen mit der lila Strähne, die für den Müllmann eine Rolle spielen.

Als Allererstes ist mir, als ich das Buch zur Hand genommen habe, die tolle Aufmachung aufgefallen. Allein die Haptik macht was her, es sieht sehr gut aus und macht einen sehr wertigen Eindruck.

Bereits das erste Kapitel der Geschichte, wo ich den 5-jährigen späteren Müllmann kennenlerne ist erschreckend, packend und spannend. Und genau so geht es weiter. Ich bekomme Einblicke in die menschliche Psyche, die mir sonst lieber verborgen bleiben. Was ich hier sehr dosiert und scheibchenweise vorgesetzt bekomme, ist teilweise sehr verstörend und äußerst bedrückend. Obwohl der Autor die Gewalt gar nicht mal detailliert beschreibt, setzen seine Worte in meinem Kopfkino etwas in Gang, das ich nicht stoppen kann. Ich blicke in Abgründe, erfahre nach und nach von Erlebnissen und Geheimnissen, die mich nicht mehr loslassen.
Was für mich die Spannung auch immer weiter steigert ist, dass der Autor den meisten Menschen, die ich hier kennenlerne, keine Namen gibt, sondern sie nur mit ihren Tätigkeiten „Müllmann“ oder „Fliegenfischerin“ umschreibt.
Ein Thriller, der es in sich hat, der nichts für schwache Nerven ist und der mich richtig aufgewühlt hat. Vor allem auch, weil die Themen nicht an den Haaren herbeigezogen sind, sondern ich mir gut vorstellen kann, dass es so etwas im realen Leben immer mal wieder so oder in ähnlicher Form wirklich gibt. Einfach schrecklich und unfassbar.
"Ich bin der Abgrund" habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Wer einen spannenden, mit andeutungsweise beschriebener Gewalt durchtränkten Thriller lesen will, der ist hier genau richtig. Von mir bekommt das Buch eine Leseempfehlung.

Bewertung vom 23.01.2022
Berlin Friedrichstraße: Novembersturm / Friedrichstraßensaga Bd.1
Schweikert, Ulrike

Berlin Friedrichstraße: Novembersturm / Friedrichstraßensaga Bd.1


sehr gut

Ein bewegender Start der Friedrichstraßen-Saga

Robert Wagenbach hat den Auftrag bekommen als Architekt an der Planung des neuen U-Bahnhofs Friedrichstraße mitzuarbeiten. Da er nun genügend Geld verdient, wagt er es und bittet seine langjährige Freundin Luise Richter seine Frau zu werden. Ihre große Liebe Johannes Rosenstein ist seit dem Krieg verschollen und Luise fand bei Robert Trost. Am Tag ihrer Hochzeit in der Trinitatis-Kirche meint sie ihn als Trugbild am Portal stehen zu sehen. Aber sie meint es nicht nur, Johannes ist zurück, kriegsversehrt und sicher, Luise nicht die Zukunft bieten zu können, die ihr zusteht.

Dies ist mein erstes Buch von Ulrike Schweikert und ich bin begeistert von dem leichten, eingängigen Schreib- und Erzählstil, der mich sofort ins Berlin der 1920er Jahre hinein wirft. Ich kann mich gut in diese Zeit hinein versetzen. Es wird viel über die damalige Politik und Gesellschaftsthemen gesprochen. Die Protagonisten bewegen sich in unterschiedlichen Milieus, so dass ein breit gefächertes Bild der Zeit entsteht.
Ich mochte Luise sofort, die bei Robert Trost findet, als sie annehmen muss, dass ihr Verlobter Johannes im Krieg gefallen ist. Robert trauert auch um seinen Freund, nutzt aber die Chance nun endlich der von ihm ebenfalls geliebten Frau näher zu kommen. Dann sind da auch noch die selbstbewusste Ilse, die Schwester von Johannes und Ella aus dem Hinterhaus in Berlin Charlottenburg am Stuttgarter Platz.
Knapp 20 Jahre begleite ich die drei Freunde Robert, Johannes und Luise aus Kindertagen bis ins Jahr 1920, wo Robert und Luise heiraten und weiter bis 1933. Die Geschichte springt immer mal wieder zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit der drei Freunde und die Kriegsjahre, die hauptsächlich Johannes betreffen. Die Protagonisten werden älter, ihre Beziehung untereinander wandelt sich und ich begleite sie auch getrennt von einander.
Ulrike Schweikert verarbeitet in „Novembersturm“ eine große Zahl an Fakten und Persönlichkeiten der damaligen Zeit, so dass ich einen sehr guten Eindruck über diese Zeit bekomme. Leider gerät dadurch die Geschichte der drei Freunde etwas in den Hintergrund, was ich sehr schade finde. Trotzdem hat mir der Roman sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf Teil 2 der Familiensage „Tränenpalast“.

Bewertung vom 22.01.2022
Das Loft
Geschke, Linus

Das Loft


ausgezeichnet

„Narben auf der Seele“
Mich hat dieses Buch sofort begeistert, als ich es das erste mal in die Hand genommen habe. Die Haptik und die strahlenden Buchstaben machen sofort Lust sich auch mit dem Inhalt zu beschäftigen.
Dazu macht schon das Vorwort des Autors Linus Geschke neugierig, der die ungeteilte Aufmerksamkeit einfordert um Schlussfolgerungen ziehen zu können. Und er hat recht. Nie hätte ich mit diesem Ende der Geschichte gerechnet. So klasse gemacht.
Aber worum geht es?
Sarah Hauptmann aus einem kleinen Ort im Taunus lernt am Strand von San Vito Lo Capo auf Sizilien Marc Lammert und seinen Freund Henning Järisch, beide aus Hamburg kennen. Marc weiß sofort: Sarah ist seine absolute Traumfrau. Nach 3 Jahren Fernbeziehung zieht Sarah zu Marc nach Hamburg und zu Dritt beziehen sie ein großzügiges Loft. Klar, dass Sarah lieber mit Marc alleine ein neues Zuhause bezogen hätte. Aber sie scheint sich mit Henning zu arrangieren. Bis zu einem Urlaub auf Little Corn Island, einer kleinen Inselgruppe bei Nicaragua im Karibischen Meer, wozu sich Henning ganz kurzfristig auch eingeladen hat. Hier nimmt das Unheil seinen Lauf und endet in einer Katastrophe.
Zurück in Hamburg findet die Reinigungsfrau eines Tages im Loft eine Menge Blut. Kriminalhauptkommissarin Bianca Rakow, die sich aus Bayern nach Hamburg hat versetzen lassen, und ihr Kollege Peter Höger tun sich bei ihren Ermittlungen ohne Leiche nur mit wenigen Indizien sehr schwer.

Linus Geschke lässt Sarah und Marc die Geschichte kapitelweise aus ihrer Sicht ab dem Zeitpunkt ihres Kennenlernens abwechselnd erzählen bis zum Zeitpunkt, als alles endet. Schon da merkt man, das etwas nicht stimmen kann. Immer wieder werden einzelne Szenen von den Beiden total gegensätzlich erzählt. Einmal kommt auch Henning zu Wort. Dazwischen immer wieder auch die Ermittlungen der Hamburger Mordkommission.
Die drei Hauptfiguren, die der Autor hier zum Leben erweckt, kommen sehr real rüber. Marc und Henning kennen sich seit Kindertagen. Beide sind Mitte 30 als Sarah zu ihnen stößt, was das Verhältnis immer stärker belastet. Ich finde es so spannend, wie Sarah und Marc versuchen, sich immer von ihren besten Seiten darzustellen. Dabei treten Seite für Seite immer mehr Kleinigkeiten und Charaktereigenschaften zutage, die etwas ganz anderes aussagen. So wechselt auch meine Ansicht zum Täter von Kapitel zu Kapitel. Bis sich zum Schluss eine Auflösung bietet, die mich total verstört hat. Boah, darauf wäre ich ja nie im Leben gekommen.
Dies war mein erstes Buch, das ich von Linus Geschke gelesen habe. Ab jetzt steht auch er auf meiner Lieblingsautoren-Liste.
Ein Thriller, der mich umgehauen hat und der von mir eine absolute Leseempfehlung bekommt.

Bewertung vom 20.01.2022
Das Fischernetz
Busch, Ulrike

Das Fischernetz


ausgezeichnet

Ein ganz schön kniffliger Fall
Hubertus Philipp Thalmann ist mit dem Wagen seiner Frau auf dem Weg nach Timmendorfer Strand in Jannas kleines Lesecafé zur Lesung seiner alten Bekannten, der Erfolgsautorin Frederika von Rosien. Die liest hier aus ihrem neuen Frauenroman und stellt ihre demnächst heraus kommende Autobiografie vor. Doch Frederika wartet vergeblich auf den Mann, den sie persönlich eingeladen hat. Sein Platz in der ersten Reihe bleibt frei. Dafür steht am nächsten Tag die Kripo vor ihrer Tür.
Ist Frederika von Rosien in den Tod von Hubertus Thalmann verwickelt? Besteht ein Zusammenhang zwischen der Lesung von Frederika von Rosien und Thalmanns Tod?
Diese Fragen stelle nicht nur ich mir lange Zeit, bis sich ganz langsam der Vorhang des Erkennens lichtet.

Dies ist bereits der 4. Band aus der Reihe Molly Bleck ermittelt, den uns Autorin Ulrike Busch vorlegt. Da aber auch dies ein abgeschlossener Fall ist, kann er ohne Vorkenntnisse der anderen Bücher gelesen werden.
Bevor ich in den neuen Fall einsteige, stellt sich mir das Stammpersonal vor. Da kann der Neueinsteiger schnell mal spicken, wenn man nicht mehr genau weiß, wer wer ist.
Ich bin wieder sehr gerne in den Norden an den Timmendorfer Strand und nach Travemünde gereist. Kriminalhauptkommissarin Molly Bleck, Leiterin der Soko Mysterious, und ihr Kollege Malte Graf sind mir genauso wie Mollys beste Freundin Janna Tönissen schon richtig ans Herz gewachsen. Sympathisch, zugänglich mit einer guten Portion hanseatischem Humor. Aber auch mit ihren privaten Problemen, wie sie nicht jeder hat. Hier z.B. muss Molly plötzlich ins Krankenhaus, wo ihr Mann Ole, mit dem sie ein eher schwieriges Verhältnis verbindet, nach einem Zusammenbruch liegt.
Der Fall an sich gestaltet sich in seiner Aufklärung schon recht schwierig. Gibt es doch einige Verdächtige, zumeist Frauen, die ihre egoistischen Ziele verfolgen. Es hat diesmal gar nicht lange gedauert und ich hatte meine Täterin schon fast gestellt. Aber auch nur fast, denn Molly hat mir bewiesen, dass sie es gar nicht gewesen sein kann. Also war ich wieder auf ihre Hilfe angewiesen. Und am Ende, als sich alles schlüssig aufgeklärt hat, war ich mal wieder richtig überrascht.
Ein Krimi, genau so wie ich ihn liebe. Ich konnte mit rätseln, mit ermitteln, wurde sehr gut unterhalten und habe die wunderschöne Landschaft rund um Travemünde und Timmendorf genossen. Und jetzt hätte auch ich gerne ein Fischbrötchen auf die Hand.