Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und Verrat
In einem kleinen schweizerischen Städtchen findet seit ewigen Zeiten alljährlich das Jugendfest statt. Hier werden zaghafte Liebesbande geknüpft . So verlieben sich hier auch in den fünfziger Jahren eine junge Frau und ein junger Mann. Aber es
ist eine Liebe, die nicht sein darf, eine Liebe, die keine Zukunft hat.
Helen lebt heute als alte…mehrEine Geschichte über Liebe, Freundschaft und Verrat
In einem kleinen schweizerischen Städtchen findet seit ewigen Zeiten alljährlich das Jugendfest statt. Hier werden zaghafte Liebesbande geknüpft . So verlieben sich hier auch in den fünfziger Jahren eine junge Frau und ein junger Mann. Aber es ist eine Liebe, die nicht sein darf, eine Liebe, die keine Zukunft hat.
Helen lebt heute als alte Frau immer noch in diesem Städtchen . Aber sie ist dement und wird in einem Plegeheim liebevoll betreut. Sie erkennt niemanden mehr wieder, ist teilnahmslos in ihren eigenen, wirren Gedanken versunken. Mauro, ihr Sohn, lebt in Italien und hat sie lange nicht mehr gesehen. Umso erschrockener und hilfloser ist er, als er bei einem längst überfälligen Besuch erkennen muss, wie es wirklich um sie bestellt ist. Trotz seiner Unsicherheit begleitet er seine Mutter zu dem Jugendfest, das gerade wie jedes Jahr zur gleichen Zeit stattfindet.
Und ausgerechnet hier scheint seine Mutter für einen kurzen Moment aus ihrer Apathie zu erwachen. Ganz offensichtlich hat sie schöne Erinnerungen an vergangene Zeiten, an eine frühere Schwärmerei oder gar Liebe. Neugierig geworden, um wen es sich dabei gehandelt haben könnte, begibt Mauro sich auf Spurensuche und entdeckt eine ebenso schöne , wie auch traurige Geschichte.
Aber nicht nur Mauro und auf ihre Weise auch seine Mutter setzen sich mit der Vergangenheit auseinander, sondern auch bei den schon älteren Herren Pius Kobelt und Jakob Matter erweckt das heutige Jugendfest nicht nur schöne Erinnerungen zum Leben. Und alle haben irgendwie mit Helen zu tun .
Diese stille Geschichte mit ruhigen Tönen und einer stimmungsvollen, von leiser Melancholie geprägten Atmosphäre ist zunächst nicht ganz einfach zu lesen. Häufige Wechsel der Erzählperspektive ( alle vier Hauptprotagonisten kommen zu Wort ), sowie der teilweise nahtlose Übergang zwischen heutiger Realität und vergangenen Erinnerungen und ganz besonders die vollkommen wirren Gedankengänge der kranken Helen ( diese sind im Buch kursiv gedruckt ) erfordern ein großes Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen. Zunächst ist auch nicht ganz ersichtlich, in welcher Beziehung die Protagonisten zueinander stehen. Erst nach und nach, ganz allmählich setzt sich das Geschehene wie ein Puzzle zusammen. Sehr einfühlsam werden die Bruchstücke der Geschichte und die Emotionen der Beteiligten damals wie heute ans Tageslicht befördert.
Neben dem Thema " Demenz " werden in dieser berührenden Liebesgeschichte aber auch noch weitere nachdenkenswerte Aspekte gestreift, wie z.B. die seinerzeit herrschenden Standesdünkel oder auch- wie man es heute ausdrücken würde- das Thema " Mobbing " .
Auch wenn das Buch streckenweise etwas anstrengend zu lesen ist und es sich meiner Ansicht nach auf keinen Fall als leichte Lektüre für zwischendurch eignet, lohnt es sich durchzuhalten, denn besonders das Ende hat mich sehr bewegt.