AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Frage, wie viel Menschlichkeit man zu
opfern bereit ist, wenn man glaubt, für eine größere Sache zu handeln.
Im Mittelpunkt steht Ruth…mehrAMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Frage, wie viel Menschlichkeit man zu opfern bereit ist, wenn man glaubt, für eine größere Sache zu handeln.
Im Mittelpunkt steht Ruth Bernstein. Schon als Kind weiß sie, wohin ihr Weg führen soll: Sie will Stadtplanerin werden. Städte sollen gerechter, nachhaltiger, lebenswerter sein. Unterforderung und Mobbing, nicht nur durch Mitschüler:innen, sondern auch durch Lehrkräfte, prägen ihre Schulzeit. Erst später wird erkannt, dass sie hochbegabt ist.
Ein Stipendium führt Ruth an die Universität. Dort entwirft sie Amatea: eine visionäre Zukunftsstadt, ressourcenschonend und autark, gedacht als Modell für eine bessere Welt. Doch ein schwerer familiärer Schicksalsschlag reißt sie aus allem heraus. Ruth bricht ab, lässt Studium, Karriere und Amatea hinter sich und beginnt noch einmal gänzlich neu.
Jahre später holt sie ihre Vergangenheit ein. Amatea existiert noch, übernommen und weiterentwickelt von einem mächtigen Konsortium. Aus der einstigen Vision ist ein gigantisches Projekt geworden, das zunehmend beängstigende Züge annimmt. Lügen, Machtspiele und moralisch fragwürdige Entscheidungen bestimmen nun das Bild. Aus Solarpunk wird Dystopie.
Besonders eindrucksvoll ist dabei die moralische Grauzone, in der sich der Roman bewegt. AMATEA stellt unangenehme Fragen: Darf man Menschen opfern, um den Planeten zu retten? Wie viel Schuld trägt jemand, dessen Idee missbraucht wurde? Ab wann wird Wegsehen zur Mitschuld?
Kleinere Schwächen gibt es bei der Länge, einigen sehr ausführlichen Passagen und etwas abrupten Zeitsprüngen. Dennoch überwiegt klar die Atmosphäre: Der Wandel von Hoffnung zu Verzweiflung ist glaubwürdig und wirkt lange nach.