"Das Leben zerfetzt sich mir in 1000 Stücke", schreibt Annemarie Schwarzenbach 1935 in einem Brief an Klaus Mann - düstere Zeilen für eine 27-Jährige. Dabei scheint die begabte Schriftstellerin und Tochter aus reichem Schweizer Elternhaus vom Glück eigentlich begünstigt: hochbegabt, von außergewöhnlich androgyner Schönheit und Melancholie - sie verdreht Männern und Frauen gleichermaßen den Kopf - und mit einer großen Leidenschaft für alles Fremde führt sie ein unangepasstes Leben. Mit ihrem Auto fährt sie von der Schweiz (!) nach Afghanistan, Indien, Iran und den Irak, wo sie auch einige Zeit lebt, sie arbeitet in Belgisch-Kongo und den USA. Ihre Erlebnisse hält sie in faszinierenden Fotografien und poetischen Texten fest, die international publiziert werden. Aber es gibt auch eine dunkle Seite: Exzesse, Drogen, Depressionen, immer wieder vermischt mit kreativen Schüben, ein Tanz auf einer schmalen Klinge, der immer wieder in Entzugskliniken und die Psychiatrie führt. Man vermutet beginnende Schizophrenie und vernachlässigt die Suche nach den Gründen: Die komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung, ihre Homosexualität und die Stigmatisierung durch die Gesellschaft, das Leiden als Lebensziel... Klaus Mann antwortet damals: "Wir werden es schon zuwege bringen, das Leben". Annemarie stirbt 1942 an den Folgen eines Fahrradunfalls, Klaus sieben Jahre später an einer Überdosis Schlaftabletten. Alexis Schwarzenbach zeichnet mithilfe zum Teil unveröffentlichter, aus Familienbesitz stammender Dokumente und Fotos, sowie umfangreichen Archivmaterials (darunter der Nachlass der Familie Mann) das Leben seiner Großtante nach. Erstmals publizierte Texte und zahlreiche Bilder, die das Talent Schwarzenbachs als Fotojournalistin belegen, ermöglichen ein umfassendes Portrait der schillernden Schweizerin.
Bitte wählen Sie Ihr Anliegen aus.
Rechnungen
Retourenschein anfordern
Bestellstatus
Storno
