Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Hocherfreut zeigt sich Rezensent Wolfgang Schneider über diese Neuübersetzung von Iwan Turgenjews Erzählband "Aufzeichnungen eines Jägers", mit dem ihm 1852 der Durchbruch gelang. Wie er berichtet, wurde die erste Ausgabe der "Aufzeichnungen" verboten, zu brisant erschien den Machthabern Turgenjews Thematisierung sozialer Missstände wie der Leibeigenschaft oder des Alkoholismus in Russland. Schneider hebt allerdings hervor, dass die Erzählungen mit Verelendungsliteratur, wie man sie aus dem deutschen Naturalismus kennt, nichts zu tun hat. Mit "dokumentarischer Genauigkeit" schildere Turgenjew die "Degradierung des Menschen", ohne je in einen Ton bloßer Anklage zu verfallen, befindet Schneider. "Nie ist Gesellschaftskritik so wirkungsvoll und so dezent zugleich vorgetragen worden." Stilistisch sieht er Turgenjew Puschkins Ideal der Knappheit und Genauigkeit verpflichtet, einer Schlichtheit, die von Übersetzern bisher oft aufgebläht wurde. Peter Urbans Neubersetzung würdigt Schneider dagegen als "herausragend" - abgesehen davon, dass er bei speziellem Vokabular für Kleidung, Berufe oder Fahrzeuge um der Treue zum Original willen den russischen Ausdruck beibehält. Die "Aufzeichnungen" kommen zur Freude Schneiders nun "erstaunlich frisch daher". Insbesondere Turgenjews Komik sei "sehr viel deutlicher" herausgearbeitet als bei den bisherigen Übersetzungen.
© Perlentaucher Medien GmbH
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«Ein Meisterwerk der kleinen Form: Großartige kleine Geschichten, die man wunderbar im Strandkorb lesen kann.» Götz Alsmann in der Sendung «Lesen!»
