»Ist es ein Glück oder ein Unglück, dass es mich gibt?« Das fragt sich der ehemalige Zeitungsredakteur auf eine unfassbare Tat hin, inzwischen zurückgezogen an einem fernen afrikanischen Grenzort, um mit einem Bericht Rechenschaft abzulegen. Er erzählt von dem, was ihm in den Wochen zuvor, erst in Kalabrien, dann in Rom, später in Mailand und zuletzt im Schwarzwald zugestoßen ist, nachdem er auf einer Erinnerungsreise - um mit dem Verlust einer Liebe abzuschließen - einer über das Meer geflüchteten Afrikanerin begegnet ist, die, anders als er, noch das Glück sucht und für ihn zur übermächtigen Gegenwart wird. Für ihn ist plötzlich alles in der Schwebe, und doch weiß er: »Was man am meisten liebt, liebt man schon in dem Gefühl einer Wehmut, des unabwendbaren Endes - der Tag wird kommen, an dem wir uns aus den Augen verlieren, an dem alles gewesen sein wird, von dem an nur noch die Erinnerung zählt.«Bericht zur Lage des Glücks, der neue große Roman von Bodo Kirchhoff, erzählt von einem, der auszieht, das eigene Unglück abzuschütteln, aber anders als erwartet auf die Beine kommt: mit der Chance, von einer Fremden aus seiner eigenen Egosphäre geholt zu werden.
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Rezensentin Anna Vollmer findet, Bodo Kirchhoff hätte ein paar Zufälle, Verschachtelungen, Krisen und Klischees in seiner Geschichte um einen vom Glück restlos verlassenen Ex-Redakteur gern weglassen können. Da kommt etwas viel zusammen, meint sie, wenn der Erzähler, unterwegs in Kalabrien, eine mit dem Übersinnlichen verbundene Frau trifft und mit ihr durch eine von Gewalt geprägte Gegend reist, während er dauernd seine Minderwertigkeitskomplexe wälzt. Alter weißer Mann trifft fremde schwarze Frau - das kennt Vollmer bereits zum Abwinken. Allerdings entdeckt sie durchaus auch gelungene Passagen in der Story um Fremdheit, Glauben und die Suche nach dem Glück. Die sind dann meistens weniger abstrakt, kompliziert und sogar lustig, meint sie.
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