Erklärung des Unerklärbaren?
Nach „Selbst im Spiegel“ habe ich (kein Philosoph sondern nur ein interessierter Laie) mit Euphorie zu „Bewusstsein erklären“ gegriffen. Leider haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt. Vielleicht ist es für Leser wie mich nicht geschrieben worden. Prinz geht sehr
vorsichtig an das Thema heran und weckt auch keine allzu großen Hoffnungen, dass Thema umfassend klären…mehrErklärung des Unerklärbaren?
Nach „Selbst im Spiegel“ habe ich (kein Philosoph sondern nur ein interessierter Laie) mit Euphorie zu „Bewusstsein erklären“ gegriffen. Leider haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt. Vielleicht ist es für Leser wie mich nicht geschrieben worden. Prinz geht sehr vorsichtig an das Thema heran und weckt auch keine allzu großen Hoffnungen, dass Thema umfassend klären zu können. Als Ergebnis einer Erklärung des Autors sollte sich beim Leser Klarheit einstellen. Bei mir leider nicht. Er widmet sich dem Thema auf sehr abstrakte Weise und zumeist ohne seine theoretischen Gedanken durch praktische Beispiele zu verdeutlichen. Die Schwierigkeit der Erklärung des Bewusstseins besteht nach meiner Meinung darin, dass es zwar eine reale Welt gibt aber nicht ein Bewusstsein, sondern nur Individuen mit einem individuellem Bewusstsein. Insofern ist es erstaunlich, dass der Begriff Bewusstsein keinen Plural im Deutschen besitzt.
Das Bewusstsein erscheint so wie ein Schwarzes Loch in der Astronomie, man kann nicht hinter den Schwarzschildradius sehen. Umgangssprachlich gesagt: man kann in niemanden auch nicht in sich selbst von außen hineinblicken. Sein Vorhaben muss wahrscheinlich an so etwas wie einem Analogon zum zweiten Gödelschen Unvollständigkeitssatz scheitern. Das Bewusstsein ist aus sich selbst heraus nicht vollständig erklärbar. Dazu muss man eine andere Sichtebene einnehmen. So wie die makroskopische Welt nur aus der atomaren erklärbar ist und diese Welt aus der Welt der Quantenfelder und diese wiederum durch eine bisher nicht allgemein anerkannte Theorie.
Eine Erklärung des Bewusstseins ist nach meiner Meinung vielleicht über seine Evolution vom Einzeller bis zum Homo sapiens möglich sowie über die individuell Entwicklung von der Geburt über die Adoleszenz bis hin zur Demenz und dem Tod und weiterhin über die Entwicklung als gesellschaftliches Phänomen in soziales Gruppen von Individuen. Prinz glaubt durch das Sezieren des Bewusstsein bis in seine letzten Details Klarheit über sein Wesen zu erlangen. Über ein abstraktes, statisch aufgefasstes Bewusstsein zu philosophieren, kann deshalb nach meiner Meinung nicht sehr fruchtbringend sein.
Andererseits tritt uns der Begriff des Bewusstseins täglich entgegen, der Begriff ist deshalb von sehr praktischem Interesse. Die Menge der Literatur darüber explodiert heute förmlich, wie Prinz schreibt. Es gibt deshalb eine altbekannte religiöse Erklärung des Bewusstseins: die Seele. Solange eine wissenschaftliche Erklärung noch aussteht, ist die Aufklärung noch nicht abgeschlossen.
Weiterhin stehen wir am Beginn einer noch unbekannten Entwicklung, der technische Konstruktion von Bewusstsein. Die noch unvollständige Grundlage dafür sind hierbei Kybernetik, Informatik und künstliche Intelligenz. In futuristischen Geschichten geistern künstliche Intelligenzen schon in einer Vielzahl virtuell von Robotern bis künstlichen Menschen herum. Die künstliche Intelligenz wird gewiss den Weg aus unseren Hosentaschen zu bewussten Individuen nehmen. Ihre Entwicklung sollte nicht Frankenstein überlassen werden. Im Nachwort wird deutlich, dass Prinz selbst mit dem vorliegenden Buch nicht zu recht zufrieden ist. Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustand ist die beste Voraussetzung um den gordischen Knoten doch noch zu lösen.