Bewundernswerte Professorentochter
46 Jahre wurde Caroline nur, erlebte aber mehr als der 74jährige Vater.
Als Tochter von Professor Michaelis in Göttingen geboren, heiratet sie erst konventionell den Freund ihres Bruders. Mit dem Arzt Böhmert zieht sie nach Clausthal und bekommt 3 Kindern von
ihm. Doch während der Schwangerschaft des dritten Kindes stirbt ihr Ehemann. Sie kehrt nach Göttingen…mehrBewundernswerte Professorentochter
46 Jahre wurde Caroline nur, erlebte aber mehr als der 74jährige Vater.
Als Tochter von Professor Michaelis in Göttingen geboren, heiratet sie erst konventionell den Freund ihres Bruders. Mit dem Arzt Böhmert zieht sie nach Clausthal und bekommt 3 Kindern von ihm. Doch während der Schwangerschaft des dritten Kindes stirbt ihr Ehemann. Sie kehrt nach Göttingen zurück und folgt dann dem Bruder nach Marburg.
Die beiden jüngeren Kinder sterben früh, nicht ungewöhnlich im 18. Jahrhundert. Sie wird des Bruders überdrüssig und entscheidet sich zu ihrer Jugendfreundin Theresa Heyne mit dem Mann Georg Forster nach Mainz zu ziehen. Dort erlebt sie die Mainzer Republik mit und auch als ihre Freundin vor den preußischen Truppen flieht schreibt sie: „Wir bleiben – aus Neugier und weil wir ein gut Gewissen hatten – nehmlich reine Hände – wir sind nicht reich und ich bin arm.“ (110)
Zu spät flieht sie, wird vor Frankfurt von preußischen Truppen gefasst und in Königsstein im Taunus gefangen gehalten. Dort hilft zunächst ihr Lebensmotto „Wer sicher ist, die Folgen nie zu bejammern, darf thun, was im gut dünkt.“ (107) , dann ihr anderer Bruder, der ihre Freilassung beim preußischen König erreicht und schließlich August Wilhelm Schlegel, der die auch in ihrer Heimatstadt Göttingen Geächtete heiratet, um ihren Ruf zu retten. Caroline war nämlich von einer Liebesnacht mit einem Franzosen in Mainz schwanger. Wäre das öffentlich geworden, wäre ihr Leben in Gefahr gewesen.
Wie schlecht seinerzeit die Demokraten behandelt wurden, schreibt selbst der Vater ihrer nach der Flucht nun Exfreundin Professor Heyne: „Alle Greuel der Sanculotten werden von den Siegern und Aristokraten noch übertroffen werden.“
Nach einigen geheimen Zwischenstationen wirkt Caroline im Haushalt der Brüder Schlegel mit an der Frühromantik in Jena. Das scheint das Fachgebiet der Autorin zu sein, den selbst einfache Besucher wie Novalis werden ausführlich zitiert.
In Jena lernt Caroline Schelling kennen, der auch zu ihren Ehemann Schlegel ein gutes Verhältnis hatte. Vielleicht hätte diese Dreierbeziehung länger gehalten, wenn nicht Carolines älteste Tochter bei der Kur in Bad Bocklet an der Ruhr gestorben wäre.
Vor allem Schlegels Bruder Friedrich, seine Frau Dorothea Veit und die Schillers machen zu allem Überfluss das illegale Verhältnis zwischen Schelling und Caroline für den Tod der Tochter verantwortlich.
Aber dank Goethe übersteht die Michaelistochter auch diese Krise, läßt sich von August Wilhelm scheiden – der danach mit Madame de Stael durch Europa reist - heiratet Schelling, zieht mit ihm erst nach Würzburg, dann nach München und stirbt schließlich beim Besuch der Schwiegereltern in Maulbronn wie die Tochter an der Ruhr.
Von dem Jenaer Freundeskreis dichtet keiner mehr, bis auf Brentano, der in einer Buchkritik von Caroline gewürdigt wurde und später die Heidelberger Spätromantik mitgründete. Aber das ist eine andere Geschichte.
Im Romantikteil werden mir zu viele Dichter zitiert, die nur einfache Gäste in Jena waren, ansonsten bin ich sehr zufrieden. 4 Sterne