Berührende Geschichte über ein längst vergessenes Familiengeheimnis, für Kinder ab 10 Jahren.
Als Vonkie von ihren Eltern auf den Bauernhof ihres Großvaters geschickt wird, ist sie nicht begeistert. Was soll sie hier schon groß erleben? Dann aber stellt sich heraus, dass ihr Großvater richtig spannende Geschichten erzählen kann. Geschichten von früher. Dass er mit fünf Brüdern aufgewachsen ist, wusste Vonkie gar nicht. Manchen Fragen allerdings weicht er aus, zum Beispiel der nach seinem Lieblingsbruder. Und er warnt Vonkie eindringlich davor, in die Nähe der alten Mühle zu gehen. Jetzt will Vonkie natürlich erst recht dorthin, endlich passiert mal was, denkt sie. Niemals hätte sie vermutet, dass sie einem streng gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur kommen würde.
Hinweis: Dieser Artikel kann nur an eine deutsche Lieferadresse ausgeliefert werden.
Als Vonkie von ihren Eltern auf den Bauernhof ihres Großvaters geschickt wird, ist sie nicht begeistert. Was soll sie hier schon groß erleben? Dann aber stellt sich heraus, dass ihr Großvater richtig spannende Geschichten erzählen kann. Geschichten von früher. Dass er mit fünf Brüdern aufgewachsen ist, wusste Vonkie gar nicht. Manchen Fragen allerdings weicht er aus, zum Beispiel der nach seinem Lieblingsbruder. Und er warnt Vonkie eindringlich davor, in die Nähe der alten Mühle zu gehen. Jetzt will Vonkie natürlich erst recht dorthin, endlich passiert mal was, denkt sie. Niemals hätte sie vermutet, dass sie einem streng gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur kommen würde.
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"Ein erzählerisch starkes Kinderbuch aus den Niederlanden, spannend und humorvoll!" Sabine Ibing Literaturblog Sabine Ibing 20200727
Nach Worten angeln
In Simon van der Geests neuem Roman „Das Abrakadabra der Fische“
treffen ein neugieriges Mädchen und sein schweigsamer Großvater aufeinander
VON SIGGI SEUSS
Jedes Mal erstaunt es aufs Neue: Welch menschliche Dramen selbst in den idyllischsten Nischen der Landschaft verborgen liegen! Wir könnten jetzt geruhsam in einem Boot auf einem der unzähligen Kanäle durch eine frühlingsfrische holländische Polderlandschaft schippern. Wir zögen an zufrieden grasenden Schafherden vorbei und an genüsslich vor sich hinkauenden fetten Kühen. Am Horizont grüßten uns pittoreske Windmühlen, und wenn wir Glück hätten, begegneten wir auf dem nächsten Dorfplatz Frau Antje hinter einem Käsestand. Aber nein! Der junge niederländische Autor Simon van der Geest stellt uns Leser einfach auf dem Bootssteg eines Bauernhofs ab und überlässt uns der Erzählung seiner jungen Heldin, in seinem neuen Roman „Das Abrakadabra der Fische“. Schon erfahren wir von Vonkie, wie sie sich mit ihrem starrköpfigen Großvater herumärgern muss. Er ist zwar lieb, wenn er mit ihr am Kanal sitzt, schweigt und Aale angelt. Aber man muss ihm die Worte förmlich unter seinem majestätischen Schnauzer hervorziehen. Die Zwölfjährige wird eine Woche mit ihm auf dem Hof leben müssen, nachdem die Eltern Zoff miteinander haben und Zeit brauchen, die Dinge für sich zu regeln. Welche, das weiß Vonkie nicht. Als ob das allein nicht schon genügen würde, ihr Selbstvertrauen zu erschüttern, ist Opa auch nicht gerade der Mensch, dem man sein Herz ausschütten könnte. Im Gegenteil, etwas nagt an dem alten Mann, etwas, das mit seiner Kindheit und seinen sechs Brüdern zu tun haben muss. Vor allem mit jenem Bruder, der ihm am nächsten war, gerade mal zwei Jahre älter. Durch dick und dünn sind die beiden gemeinsam gegangen – bis etwas geschah, das diese Freundschaft jäh beendete. Dass Vonkie allein diese Geschichte aus ihrem Großvater herauskitzelt, scheint bereits ein kleines Wunder zu sein.
Spätestens hier beginnt Simon van der Geests unverwechselbare Kunst des Erzählens, die er bereits in seinem Roman „Krasshüpfer“ meisterlich vorführte. Schritt für Schritt, aber nicht ohne Humor, legt er das Familiendrama hinter dem Idyll frei. Nicht zu langsam, nicht zu schnell. Von Szene zu Szene steigt die Spannung. Als würden wir einen Vorhang nach dem anderen beiseiteschieben, um immer tiefer in ein Zimmer voller Geheimnisse vorzudringen. Sein wichtigster Kunstgriff besteht in der Charakterzeichnung seiner Hauptperson. Die junge Heldin ist zwar durch die familiären Umstände stark verunsichert, aber in ihr wächst eine von Lebensfreude und Neugierde gespeiste Kraft, die sogar ihren Großvater – seit Kindheit „Eisen“ genannt – erweichen lässt. Sicherlich hat Vonkie noch nie etwas von Sokrates gehört, aber seine Hebammenmethode, mit der er sein Gegenüber zum Sprechen brachte, die beherrscht sie gut. Und so entsteht in wechselweiser Erzählung von Enkeltochter und Großvater – in einer der letzten Übersetzungen von Mirjam Pressler – ein großartiger Roman über die Kunst des Miteinanderredens.
Simon van der Geest: Das Abrakadabra der Fische. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Vignetten von Almud Kunert. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2019. 320 Seiten, 15 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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In Simon van der Geests neuem Roman „Das Abrakadabra der Fische“
treffen ein neugieriges Mädchen und sein schweigsamer Großvater aufeinander
VON SIGGI SEUSS
Jedes Mal erstaunt es aufs Neue: Welch menschliche Dramen selbst in den idyllischsten Nischen der Landschaft verborgen liegen! Wir könnten jetzt geruhsam in einem Boot auf einem der unzähligen Kanäle durch eine frühlingsfrische holländische Polderlandschaft schippern. Wir zögen an zufrieden grasenden Schafherden vorbei und an genüsslich vor sich hinkauenden fetten Kühen. Am Horizont grüßten uns pittoreske Windmühlen, und wenn wir Glück hätten, begegneten wir auf dem nächsten Dorfplatz Frau Antje hinter einem Käsestand. Aber nein! Der junge niederländische Autor Simon van der Geest stellt uns Leser einfach auf dem Bootssteg eines Bauernhofs ab und überlässt uns der Erzählung seiner jungen Heldin, in seinem neuen Roman „Das Abrakadabra der Fische“. Schon erfahren wir von Vonkie, wie sie sich mit ihrem starrköpfigen Großvater herumärgern muss. Er ist zwar lieb, wenn er mit ihr am Kanal sitzt, schweigt und Aale angelt. Aber man muss ihm die Worte förmlich unter seinem majestätischen Schnauzer hervorziehen. Die Zwölfjährige wird eine Woche mit ihm auf dem Hof leben müssen, nachdem die Eltern Zoff miteinander haben und Zeit brauchen, die Dinge für sich zu regeln. Welche, das weiß Vonkie nicht. Als ob das allein nicht schon genügen würde, ihr Selbstvertrauen zu erschüttern, ist Opa auch nicht gerade der Mensch, dem man sein Herz ausschütten könnte. Im Gegenteil, etwas nagt an dem alten Mann, etwas, das mit seiner Kindheit und seinen sechs Brüdern zu tun haben muss. Vor allem mit jenem Bruder, der ihm am nächsten war, gerade mal zwei Jahre älter. Durch dick und dünn sind die beiden gemeinsam gegangen – bis etwas geschah, das diese Freundschaft jäh beendete. Dass Vonkie allein diese Geschichte aus ihrem Großvater herauskitzelt, scheint bereits ein kleines Wunder zu sein.
Spätestens hier beginnt Simon van der Geests unverwechselbare Kunst des Erzählens, die er bereits in seinem Roman „Krasshüpfer“ meisterlich vorführte. Schritt für Schritt, aber nicht ohne Humor, legt er das Familiendrama hinter dem Idyll frei. Nicht zu langsam, nicht zu schnell. Von Szene zu Szene steigt die Spannung. Als würden wir einen Vorhang nach dem anderen beiseiteschieben, um immer tiefer in ein Zimmer voller Geheimnisse vorzudringen. Sein wichtigster Kunstgriff besteht in der Charakterzeichnung seiner Hauptperson. Die junge Heldin ist zwar durch die familiären Umstände stark verunsichert, aber in ihr wächst eine von Lebensfreude und Neugierde gespeiste Kraft, die sogar ihren Großvater – seit Kindheit „Eisen“ genannt – erweichen lässt. Sicherlich hat Vonkie noch nie etwas von Sokrates gehört, aber seine Hebammenmethode, mit der er sein Gegenüber zum Sprechen brachte, die beherrscht sie gut. Und so entsteht in wechselweiser Erzählung von Enkeltochter und Großvater – in einer der letzten Übersetzungen von Mirjam Pressler – ein großartiger Roman über die Kunst des Miteinanderredens.
Simon van der Geest: Das Abrakadabra der Fische. Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Vignetten von Almud Kunert. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2019. 320 Seiten, 15 Euro.
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