Liwa Ekimakingaï, seines Zeichens Küchengehilfe im Hotel Victory Palace in Pointe-Noire, hat unter mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet. Am Abend des kongolesischen Nationalfeiertags trifft er in einem Nachtklub die schöne Adeline, er begleitet sie nach Hause ... und erwacht nicht etwa in ihrem Bett, sondern in einem Grab auf dem Friedhof Frère-Lachaise. Liwa findet den eigenen Tod ziemlich unfair und macht sich auf, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Bei seiner Reise in die eigene Vergangenheit begegnet er einer Reihe höchst illustrer Figuren, lebendige wie verstorbene. Da ist beispielsweise Augustin Biampandou, der als Hafenmeister das einträglichste Amt der Stadt bekleidet, sich aber trotz seiner Allmacht zum Schutz eine »Haushexe« hält. Oder der Sänger Lully Madeira, bei dessen Auftritten die Frauen gleich reihenweise in Ohnmacht fallen - aber erst seit er einen Buckel hat, in dem Geister wohnen. Liwa muss erkennen, dass sich die Welt der Toten kaum von der der Lebenden unterscheidet.
Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension
Rezensentin Andrea Pollmeier scheint durchaus angetan von Alain Mabanckous Roman, der dem jüngst Verstorbenen Liwa Ekimakingai auf einer viertägigen Reise zwischen dem Totenreich und der Welt der Lebenden folgt. Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive entwirft Mabanckou, lernen wir, ein Bild des gegenwärtigen Kongo, das von Machtkämpfen und Interessenkonflikten gekennzeichnet ist. Liwa besucht unter anderem, zeichnet die Rezensentin nach, seine eigene Beerdigung, außerdem lernen die Leser seine Großmutter kennen und erfahren einiges über eine weibliche Solidargemeinschaft, die sich über ein zinsloses Kreditsystem organisiert. Aber auch allerlei gefährliche Typen tauchen auf, berichtet Pollmeier von ihrer Lektüre, unter anderem Polizisten und Politiker, und der in die Welt der Lebenden zurückgekehrte Liwa vermag sie plötzlich allesamt zu durchschauen. Besonders beeindruckt Pollmeier die anschauliche Darstellung der Existenz im Zwischenreich, die die Logiken der Alltagswahrnehmung umdreht.
© Perlentaucher Medien GmbH
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