"Mir wächst keine Blume im Mund", heißt es in einer der 39 Balladen vom täglichen Leben mit dem Schmerz. Die Rede ist vom Schmerz eines Stürzenden, Geschundenen, Verletzten, der sagt: "Würf ich jetzt ein Blatt ins Wasser/ spränge drauf, es trüge mich, ich/ schwämme davon. So aber geh ich/ unter auf dem festen Land." Es sind zarte, dunkle Balladen von nur wenigen Zeilen Länge, aber ihre tragischen Themen sprechen für sich: das Hadern mit Dummheit und Leere, Lüge und Hass, die Klage über Unverständnis, Feindseligkeit und Folter, das Ringen mit dem Stolz, der Finsternis, der Scham. Sehnsüchte, Wünsche werden laut und verstummen gleich wieder. Am Ende jedoch - ein Aufblitzen von Helligkeit - weiß das lyrische Ich seinen Namen, trägt es "den Mond im Geweih". Diese Sammlung nach 1998 entstandener Gedichte, ergänzt durch einfühlsame Zeichnungen von Alissa Walser, gehört zum Persönlichsten, das Martin Walser bisher vorgelegt hat. Eine Verneigung vor dem Jubilar!
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Rezensent Hubert Spiegel zitiert erst einmal den ersten Satz aus Martin Walsers Dissertation über Kafka, in dem es sinngemäß heißt, dass die "vollkommene Dichtung" jeden Bezug auf ihren Autor erübrigt. Davon, so Spiegel, kann bei diesem jüngsten Werk Walsers gewiss nicht die Rede sein. Sehr persönlich kommt es daher, man könne die Bezüge zur Biografie des streitbaren Autors überhaupt nicht übersehen - freilich mache sie diese ungescheute "Ichbezogenheit" fast schon wieder allgemeingültig. Obwohl der Rezensent nicht auf einen Verriss aus ist, scheint er von der "Vollkommenheit" dieser lyrischen Miniaturen - Balladen, wie der Untertitel verkündet, seien es ohnehin nicht - nicht restlos überzeugt. Wo "Allmachtsansprüche" auf "Ohnmachtsgefühle" treffen, komme nicht unbedingt große Literatur heraus, wenngleich unverkennbarer Walser. Gar nicht schlecht, findet Spiegel, passen die dem Band beigefügten Skizzen von Walsers Tochter Alissa zu den Gedichten, weil sie unprätentiös sind, wo diese manchmal ein bisschen groß tun.
© Perlentaucher Medien GmbH
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