Eine kleine feine Novelle zur Anmahnung an das Gedenken der Sklaverei
Die Ich-Erzählerin Adwapa reist mit drei Freund*innen von den USA in ihr Heimatland Ghana. Das Jahr 2019 neigt sich zu Ende – und ist der vierhundertste Jahrestag der Verschleppung und Versklavung der Schwarzen Menschen von
Afrika. Sie befinden sich im Cape Coast Castle – das ghanaische Sklavenfort, zu Museum und Gedenkstätte…mehrEine kleine feine Novelle zur Anmahnung an das Gedenken der Sklaverei
Die Ich-Erzählerin Adwapa reist mit drei Freund*innen von den USA in ihr Heimatland Ghana. Das Jahr 2019 neigt sich zu Ende – und ist der vierhundertste Jahrestag der Verschleppung und Versklavung der Schwarzen Menschen von Afrika. Sie befinden sich im Cape Coast Castle – das ghanaische Sklavenfort, zu Museum und Gedenkstätte umgebaut. Charlene nimmt an der Führung teil, und ist sichtlich schockiert – als hätte sie einen Geist gesehen. Und das ist es, was dann tatsächlich passiert. Geistwesen steigen aus dem Meer. Körperlose Zombies kehren zurück, wandern durch das Land. Das geschieht nicht nur an den afrikanischen Küsten, sondern an mehreren Stellen, vornehmlich in Europa. Die Toten wehren sich – wollen Aufmerksamkeit. Keine Sorge – es ist keine Horrorliteratur. Was alles passiert, besonders mit Adwapas Mutter, deren beider Verhältnis als toxisch bezeichnet werden kann, verrate ich nicht. Aber es tut sich einiges – besonders als die Lage im Frühjahr 2020 weiter zu eskalieren droht, werden weltweit die Grenzen dicht gemacht.
S.60: „Überall auf der Welt greifen Demonstrierende Statuen von Kolonialoffizieren, Rassisten und Sklavenhändlern an. Manche gehen soweit, sie mit Fäkalien zu beschmieren oder in Hafenbecken zu werfen (eine recht poetische Geste, wenn man mal darüber nachdenkt) [Anm.: viele Sklaven sind grausam bei den Überfahrten ertrunken ].“
Es gibt weitgreifende Lockdowns. Nun – geschickt gewählt von der Autorin – zeitliche Parallelen zur jüngsten Geschichte dürften da nicht von ungefähr daher kommen.
Außerdem versteht es Ivana Akotowaa Ofori perfekt, alte Mythen, Legenden und den alten Ahnenkult in die Geschichte einfließen zu lassen.
S. 86: „Ertrunkenen wurden jedoch die Opfergaben verwehrt, die Speisen und Getränke, die man den Toten für ihre Reise zwischen den Reichen mitzugeben pflegte.“
Mit dieser Novelle mahnt die Autorin die Vergangenheit ein. All die Verbrechen, die begangen wurden, und immer noch begangen werden von der selbsternannten Oberschicht der Weißen – kurz Rassismus genannt.
S. 96: „Schwarze Menschen litten – es war ein Leid, das niemand nachempfinden konnte, der die Depression und das überwältigende Gefühl von Ungerechtigkeit, das damit einherging, nicht zu spüren bekommen hatte.“
Der Text rüttelt auf, trotz der eingebauten Phantastik und dem lockeren Sprachstil. Das Buch ist mehr als ein Fingerzeig auf die brutale Geschichte des Sklavenhandels und der Kolonialisierung, die uns mehr und mehr um die Ohren fliegen wird.
Sehr gerne gelesen, wird dieses kleine Büchlein einen besonderen Platz in meinem Regal einnehmen. Kauft und lest es. Ganz große Leseempfehlung!