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1976 wurde Roland Barthes an das renommierte Collège de France gewählt. Zu seinen Aufgaben gehörte eine wöchentliche Vorlesung, in der er aus seiner aktuellen Forschung berichtete. Im akademischen Jahr 1977/78 behandelte Barthes »das Neutrale«, den »dritten Begriff«, der die binäre Opposition - das klassische Ordnungsprinzip des Strukturalismus - unterläuft. Das Neutrale entzieht sich der Spannung und dem Konflikt und läßt sich in zahlreichen Phänomenen wiederfinden: in der Müdigkeit, der Stille, in sozialen Bildern wie dem Apolitischen, in Haltungen wie dem Skeptizismus sowie schließlich im…mehr

Produktbeschreibung
1976 wurde Roland Barthes an das renommierte Collège de France gewählt. Zu seinen Aufgaben gehörte eine wöchentliche Vorlesung, in der er aus seiner aktuellen Forschung berichtete. Im akademischen Jahr 1977/78 behandelte Barthes »das Neutrale«, den »dritten Begriff«, der die binäre Opposition - das klassische Ordnungsprinzip des Strukturalismus - unterläuft. Das Neutrale entzieht sich der Spannung und dem Konflikt und läßt sich in zahlreichen Phänomenen wiederfinden: in der Müdigkeit, der Stille, in sozialen Bildern wie dem Apolitischen, in Haltungen wie dem Skeptizismus sowie schließlich im Sexuellen, in der Figur des Androgynen.
In dieser transkribierten Vorlesung, die letztes Jahr in Frankreich erschienen ist, kommt ein neuer Barthes zum Vorschein, dessen geistreicher, hier aus nächster Nähe zu verfolgender Gedankenfluß in seiner thematischen Breite unvermindert beeindruckt - ein »Meisterwerk und Vermächtnis«, wie die Neue Zürcher Zeitung im Januar 2003 schrieb.
Autorenporträt
Roland Barthes wurde am 12. November 1915 in Cherbourg geboren und starb am 26. März 1980 in Paris an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Er studierte klassische Literatur an der Sorbonne und war danach als Lehrer, Bibliothekar und Lektor in Ungarn, Rumänien und Ägypten tätig. Ab 1960 unterrichtete er an der École Pratique des Hautes Études in Paris. 1976 wurde er auf Vorschlag Michel Foucaults ans Collège de France auf den eigens geschaffenen Lehrstuhl »für literarische Zeichensysteme« berufen. In Essais critiques beschäftigt sich Barthes mit dem avantgardistischen Theater. Prägend für ihn waren unter anderem Brecht, Gide, Marx, de Saussure sowie Jacques Lacan. Zudem war Barthes ein musikbegeisterter Mensch, vor allem als Pianist und Komponist. Horst Brühmann, geboren 1951 in Borken, studierte Philosophie, Politik- und Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main. Er war als Lehrbeauftragter an der Universität in Frankfurt am Main und als Lektor im wissenschaftlichen Lektorat u. a. im Suhrkamp Verlag tätig. Außerdem arbeitete er als Übersetzer für wissenschaftliche Texte. Er starb am 24. Februar 2022 in Frankfurt.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Cord Riechelmann ist bemüht, uns Roland Barthes 1978 am College de France gehaltene Vorlesung nahe zu bringen. Kein ganz leichtes Unterfangen. Es gehe Barthes "um das Verhalten von Subjekten im Sprechen und zur Sprache von Anderen". Bei der Lektüre stößt Riechelmann auf "Gedanken zur Medienwirklichkeit in einer Zeit, als es das Privatfernsehen in seiner heutigen Gestalt noch nicht gab". Das vom Autor als paradigmatische Größe eingeführte "Neutrum" sieht der Rezensent eingespannt in einen Diskurs über Ethik als "Verhaltenslehre im Sinne von Gilles Deleuze". Für Riechelmann zeigt sich hier ein Rückzug des Autors aus den damals aktuellen marxistischen und psychoanalytischen Diskussionen, in denen Ethik nicht vorkam. Wie gestaltete sich die Vorlesungspraxis? Prallte die von Barthes zusammengestellte und im Spannungsverhältnis von Affekt und Abwehr agierende "unorganisierte Folge von Figuren" einerseits zusammen mit dem "strukturierten Raum der Vorlesung", so ergibt sich aus der freilich unsystematischen Einbeziehung von Hörerpost eine Chance zur methodologischen Nachbesserung und Ergänzung. Das dennoch Unabschließbare der Rede gibt sich dem Rezensenten zu erkennen als "Doppelpunkt, Klammer, Zitat".

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