Von allen Traditionen des Altertums war es unzweifelhaft die epikureische Tradition, die gegenüber den weitverbreiteten Traditionen des Platonismus und des Aristotelismus den brisantesten Charakter aufwies. Sie erwies sich auch dem Skeptizismus und dem Stoizismus gegenüber als die profanste. Trotz zunehmender Froschung verfügen wir noch nicht über eine vollständige und zufriedenstellende Karte jenes großen philosophischen und kulturellen Phänomens des modernen Epikuriesmus. Auffälligerweise hat sich die Aufmerksamkeit der Historiker auf diesem Forschungsgebiet als äußerst selektiv erwiesen: von den drei großen Einteilungen (Logik oder Kanonik, Physik und Ethik) hat allein die Physik - vor allem die Atmomistik - Beachtung gefunden. Die Auffassungen über Recht und Politik, mit ihren Verzweigungen im Bereich der Moral und der Anthropologie - vor allem die Konzeptionen zur historischen Entwicklung der Menschheit und der Religion - sind dagegen sehr viel weniger beleuchtet worden. Unter dem Titel 'Der Garten und die Moderne' leisten namhafte Wissenschaftler - darunter C. Blackwell, G. Canziani, J.-C. Darmon, G. Gawlick, A. McKenna, A. Mothu, M. Mulsow, G. Paganini, J. Salem, C. Schmitz, W. Schröder, P. Springborg, S. Taussig, A. Thomson und E. Tortarolo - deutsch-, französisch- und englischsprachige Beiträge zu einer Schließung dieser Forschungslücke.
»Der vorliegende Band dokumentiert gut fundiert, daß es - entgegen dem ersten Anschein und einem verbreiteten Vorurteil - nicht nur eine epikureische Moral, sondern auch eine epikureische Politik gibt, die beide einen nachhaltigen Einfluß auf die neuzeitlichen Debatten bezüglich der rechtlichen, moralischen und politischen Ausgestaltung menschlichen Zusammenlebens genommen haben. So können die hier versammelten Beiträge nicht nur dazu dienen, einen oft gescholtenen und übel verleumdeten - weil oft verkannten - Philosophen der Antike in ein neues Licht zu rücken. Darüber hinaus helfen sie ohne Frage, eine hinsichtlich des modernen Epikureismus bislang bestehende Forschungslücke zu schließen.« Friedhelm Decher, Marburger Forum
