Der Begriff 'Zigeuner' gehört zu den langlebigsten Fremdbezeichnungen der europäischen Kulturgeschichte. Kaum ein anderes Wort vereint so viele Bilder, Projektionen und Widersprüche: romantische Freiheit und soziale Ausgrenzung, Exotik und Misstrauen, Bewunderung und Abwehr. Dieses Buch setzt nicht bei Gefühlen an, sondern bei der Entstehung solcher Bilder. Es fragt danach, wie ein Sammelbegriff entsteht, wie er sich über Jahrhunderte verfestigt und warum er unabhängiger von Erfahrung wirkt als von überprüfbaren Tatsachen. Der Blick richtet sich dabei weniger auf das Benannte als auf das Benennende.Ausgehend von historischen Quellen, sprachlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Praktiken zeichnet der Text nach, wie aus einer Fremdbezeichnung eine scheinbar feste Kategorie wurde. Migration, Mobilität und kulturelle Differenz erscheinen dabei nicht als Eigenschaften, sondern als Deutungsmuster, die immer wieder neu bestätigt wurden - oft ohne überprüfenden Kontakt, häufig getragen von Erzählungen, Liedern und administrativen Routinen. Die Grenze zwischen Beobachtung und Zuschreibung wird so zunehmend unscharf, während sich Klischees erstaunlich stabil halten.Das Buch verzichtet bewusst auf moralische Anklage und emotionale Dramatisierung. Stattdessen legt es offen, wie kulturelle Bilder entstehen, warum sie fortbestehen und weshalb sie sich nur schwer korrigieren lassen. In dieser sachlichen Annäherung liegt eine stille Spannung: Die Frage, ob es jemals um 'die Zigeuner' ging - oder stets um das Bedürfnis der Mehrheitsgesellschaft, Ordnung, Abweichung und Fremdheit begrifflich zu fixieren.
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