Konstruktion einer objektiven gesellschaftlichen Wirklichkeit
John R. Searle, Professor für Philosophie an der University of California in Berkeley, beschäftigt sich mit Grundlagen der Sozialwissenschaften aus philosophischer Sicht. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Feststellung, dass
einerseits die reale Welt so funktioniert, wie sie von den Naturwissenschaften beschrieben wird, es…mehrKonstruktion einer objektiven gesellschaftlichen Wirklichkeit
John R. Searle, Professor für Philosophie an der University of California in Berkeley, beschäftigt sich mit Grundlagen der Sozialwissenschaften aus philosophischer Sicht. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Feststellung, dass einerseits die reale Welt so funktioniert, wie sie von den Naturwissenschaften beschrieben wird, es andererseits aber geistige bzw. gesellschaftliche Wirklichkeiten gibt, die nicht naturwissenschaftlich erklärbar sind. „Wie passt eine geistige Wirklichkeit, eine Welt des Bewusstseins, der Intentionalität und anderer geistiger Phänomene in eine Welt, die vollkommen aus physischen Teilchen in Kraftfeldern besteht?“ (7)
Das Buch lässt sich, unabhängig von den Kapiteln, in vier Teile gliedern. Im ersten Teil geht es um die Frage, wie eine objektive gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert wird. Searle entwickelt eine allgemeine Theorie der Ontologie gesellschaftlicher Tatsachen und gesellschaftlicher Institutionen. Der Sprache kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die Struktur menschlicher Institutionen ist eine Struktur konstitutiver Regeln. Kurioserweise sind uns diese Regeln nicht bewusst. Folgen wir den Regeln unbewusst? Die Antwort ist kompliziert, wie Searle im zweiten Teil des Buches deutlich macht, sie erinnert an eine evolutive Anpassung.
Autor Searle verteidigt im dritten Teil des Buches die Hypothese des externen Realismus. Darunter versteht er eine Wirklichkeit, die unabhängig von unseren Repräsentationen von ihr ist. Mit dieser Auffassung steht er prinzipiell im Einklang mit der Evolutionären Erkenntnistheorie und in Opposition zum Konstruktivismus. Er spricht von Konstruktion nur im Zusammenhang mit (beobachterabhängigen) sozialen Realitäten. Das Thema behandelt er auf ca. 50 Seiten, wohl wissend, dass eine ausführliche Diskussion Bücher füllen würde. Seine Theorie über das Soziale beruht auf dem externen Realismus. „Ich habe nicht bewiesen, dass der externe Realismus wahr ist. Ich habe versucht zu zeigen, dass er durch die Verwendung von sehr großen Teilen einer öffentlichen Sprache vorausgesetzt wird.“ (203)
Im vierten Teil des Buches rechtfertigt Searle eine bestimmte Version der Korrespondenztheorie als methodologisches Hilfsmittel für die Untersuchung gesellschaftlicher Tatsachen. Nach der Korrespondenztheorie der Wahrheit sind subjektive Aussagen genau dann wahr, wenn sie mit den Tatsachen in der objektiven Welt übereinstimmen. Searle diskutiert ausführlich Einwände gegen die Korrespondenztheorie und begründet seinen Standpunkt.
„Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit“ ist ein Buch für Fachleute. Es enthält keine populärwissenschaftliche Aufbereitung von Searles Theorie. Die Kenntnis von Fachbegriffen wird vorausgesetzt, sie werden nicht erklärt. Es handelt sich um ein Grundlagenwerk über Searles Theorien.