Deutsche Willfährigkeit und Deutscher Bürokratismus macht scheinbar jedes Denken überflüssig...
Eines gleich vorneweg: das Buch ist insofern recht schwer zu lesen, als dass es jede Menge Personennamen, häufig auch mit Mitgliedsnummer samt Eintrittsdatum in die NSDAP aufführt. Sehr oft auch Namen,
Lebenslauf und Lebensumstände der Opfer der Nazi-Diktatur und des Holocaust benennt und…mehrDeutsche Willfährigkeit und Deutscher Bürokratismus macht scheinbar jedes Denken überflüssig...
Eines gleich vorneweg: das Buch ist insofern recht schwer zu lesen, als dass es jede Menge Personennamen, häufig auch mit Mitgliedsnummer samt Eintrittsdatum in die NSDAP aufführt. Sehr oft auch Namen, Lebenslauf und Lebensumstände der Opfer der Nazi-Diktatur und des Holocaust benennt und schildert.
Alles wie bei einer wissenschaftlichen Arbeit vorausgesetzt, nachprüfbar belegt.
Die im Titel genannten Jahreszahlen geben es schon an, es geht dem Autoren in diesem Werk nicht um die extremsten Formen der von der Deutschen Reichsbahn mit typisch deutscher Perfektion organisierten Menschenmassentransporte in die verschiedenen Konzentrationslager. Die Anfänge dieser Menschentransporte finden durchaus ihren wichtigen Platz. Aber eben nur die Anfänge. Die schon menschenverachtendgenug waren.
Die wissenschaftliche Untersuchung hat zum einen die Verdrängung der jüdischen Mitarbeiter aus der Organisation der Deutschen Reichsbahn, vom einfachen Arbeiter bis in die höchsten Verwaltungsebenen, zum Thema. Es liessen sich hier viele Zitate aus dem Buch aufführen. Eines sei genannt: "Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen." (S. 133). So steht es in § 4 Abschnitt A Ziffer 6 der am 07. November 1933 in Kraft getretenen Personalordnung des Reichsbahngesetzes.
Spätestens ab Juli 1933 unterwarf sich die Reichsbahn vollständig den verworrenen Gedankengängengängen der Nazi-Diktatur: Einführung der Pflicht, den Hitler-Gruss zu zeigen, Einziehung einer "freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit" durch Abzug von den Gehalts- und Lohnzahlungen, Kündigung der Mieter von Wohnungen, die den Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn gehörten, soweit die Mieter nicht den "Rassevorstellungen" der Nazis entsprachen. Bildung einer bahninternen paramilitärischen Bahnschutztruppe, extreme Fahrpreis.Vergünstigungen nicht nur für diejenigen, die an Massenveranstaltungen wie einem "Reichsparteitag" in Nürnberg beiwohnen wollten (unter Angabe konkreter Werte). Sondern eben solche Fahrpreis-Vergünstigungen für Fahrten von SS-Mitgliedern.
Aneignen von für die Reichsbahn günstig gelegenen Grundstücken, die in jüdischem Besitz waren, Usw. usw.
Das Buch gibt einen guten, ansatzweise nachempfindbaren Eindruck der Lebensumstände der betroffenen Menschen. Es erschreckt an vielen Stellen auch durch die Wiedergabe des technokratisch durchformulierten Beamten- und Gesetzesdeutsch. Es weist die absolut willfährige Unterwerfung der Deutschen Reichsbahn unter die Nazi-Doktrin auf.
Ein zweites, letztes Zitat von Seite 399: "Die Untersuchung zeigt, dass die Einordnung der Deutschen Reichsbahn in die Judenpolitik des Dritten Reiches uneingeschränkt und allgegenwärtig war."