Ein Bannkreis aus Mystik und Angst. Bewertung: 5/5
German: Philosophie, Mystik und der Schrecken der Geschichte
„Die Scheiterhaufen der Inquisition“ ist kein gewöhnlicher historischer Roman und schon gar kein rasanter Mystery-Thriller. Es ist ein langsames, unausweichliches Eintauchen in den Nerv
der Reformation und Gegenreformation, in die beklemmende Atmosphäre Augsburgs im Jahr 1578, wo Angst…mehrEin Bannkreis aus Mystik und Angst. Bewertung: 5/5
German: Philosophie, Mystik und der Schrecken der Geschichte
„Die Scheiterhaufen der Inquisition“ ist kein gewöhnlicher historischer Roman und schon gar kein rasanter Mystery-Thriller. Es ist ein langsames, unausweichliches Eintauchen in den Nerv der Reformation und Gegenreformation, in die beklemmende Atmosphäre Augsburgs im Jahr 1578, wo Angst und Aberglaube ebenso greifbar waren wie der dicke Rauch über den Dächern. Der größte Vorzug des Buches ist seine erstaunliche Atmosphäre und sein gemächlicher, tiefgründiger Rhythmus, der den Leser weniger in Ereignisse als vielmehr in Reflexionen hineinzieht.
Allein die Tatsache, dass die Handlung auf realen Untersuchungen der Kongregation (Inquisition) basiert, verleiht der Erzählung eine beängstigende Glaubwürdigkeit. Der Autor nutzt dieses historische Fundament meisterhaft, um zu zeigen, wie sich die Inquisition zu einem Virtuosen der subtilsten psychologischen Folter entwickelte. Es ist kein Thriller mit Verfolgungsjagden, sondern eine philosophische Mystik, in der das größte Monster die menschliche Angst und der systemische Wahnsinn sind.
Ich empfehle dieses Buch aufrichtig jedem, der anspruchsvolle, atmosphärische Lektüre schätzt. Für Liebhaber von Dostojewski und Bulgakow ist es ein Muss. Der Roman steht auch in unmittelbarer Nähe zu den Werken von:
Umberto Eco (Der Name der Rose) – für die historische Akribie und den philosophischen Kriminalroman.
Gustav Meyrink (Der Golem) – für den Okkultismus, die Mystik und die schwere, drückende Atmosphäre der alten europäischen Stadt.
Meine persönliche Meinung:
Dies ist eine fesselnde, tiefgründige und wahrlich unheimliche Lektüre. Der Autor findet erfolgreich jenen „Riss im Körper des Kosmos“, von dem die Charaktere sprechen, und zieht den Leser hinein.