Wie konnte sich Anders Breivik, der im wohlhabenden Westen aufwuchs, zu einem perfiden Terroristen entwickeln? Åsne Seierstads ausgezeichnetes Buch ist gleichzeitig psychologische Studie und literarisches True Crime, gleichzeitig Würdigung der Opfer und eine messerscharfe Analyse einer Tat, die sich jederzeit und überall wiederholen könnte.
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Was die norwegische Journalistin Asne Seierstad in ihrem 2013 im Original erschienenen Buch über den Massenmörder Breivik schreibt, schockiert Matthias Hannemann, aber öffnet ihm auch die Augen. Dass die Autorin den Menschen Breivik in den Mittelpunkt ihrer auf Gesprächen mit Freunden, Parteigenossen, Überlebenden und auf Verhörprotokollen und Zeugenaussagen basierenden Untersuchung stellt, scheint Hannemann nachvollziehbar. Der Text entwickelt einen Sog, dem er sich schwer entziehen kann, nicht zuletzt, weil sich Seierstad mit Kommentaren zurückhält, wie der Rezensent erklärt. Wenn die Autorin in "solider Reporter-Prosa" über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft nachdenkt, schwant dem Rezensenten zwar, dass es letztlich doch Breivik ist, der für die Taten von Breivik verantwortlich ist, als gesellschaftliche und private Tragödie scheint ihm dieser Täter aber ganz gut umrissen. Eine intensivere Behandlung der politischen Facetten des Falls Breivik leistet das Buch laut Hannemann allerdings nicht.
© Perlentaucher Medien GmbH
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