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Erscheint vorauss. 1. Juni 2026
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1909 legt Vernon Lee mit dem Essayband Evangelien der Anarchie (Gospels of Anarchy) eine radikale Abrechnung mit der Kultur des 19. Jahrhunderts vor. Gemeint ist keine politische Programmschrift, sondern der Gedanke eines universellen Anarchismus: das Misstrauen gegen jedes von Menschenhand errichtete Blendwerk einer scheinbar geordneten Welt. In scharf konturierten Porträts von Emerson, Tolstoi, Ruskin, Nietzsche, William James und den sozialistischen Utopien eines H. G. Wells verfolgt Lee, wie der Versuch, mit intellektuellen Kunstgriffen eine verlorene Transzendenz zu rekonstruieren, nur…mehr

Produktbeschreibung
1909 legt Vernon Lee mit dem Essayband Evangelien der Anarchie (Gospels of Anarchy) eine radikale Abrechnung mit der Kultur des 19. Jahrhunderts vor. Gemeint ist keine politische Programmschrift, sondern der Gedanke eines universellen Anarchismus: das Misstrauen gegen jedes von Menschenhand errichtete Blendwerk einer scheinbar geordneten Welt. In scharf konturierten Porträts von Emerson, Tolstoi, Ruskin, Nietzsche, William James und den sozialistischen Utopien eines H. G. Wells verfolgt Lee, wie der Versuch, mit intellektuellen Kunstgriffen eine verlorene Transzendenz zu rekonstruieren, nur neuen Irrtum und größere Unordnung erzeugt. Den modernen "Evangelien" der Selbstgewissheit - Fortschritt, Moral, Heil durch System - setzt sie eine kompromisslose Anti-Philosophie entgegen: Wir erkennen langsam, mühsam und voller Erstaunen, dass das wohlgeordnete Gefüge, das man Universum oder Leben nennt, ein künstliches Konstrukt ist; dass die Wirklichkeit ein brodelnder Strudel von Kräften bleibt scheinbar blind, weitgehend ungeordnet, bisweilen grausam und im besten Fall völlig gleichgültig. Lees essayistische Präzision verbindet Polemik mit Diagnose: Sie demontiert die großen Erzählungen der Moderne und öffnet einen Raum, in dem Denken wieder riskant wird - ohne Trostformel, aber mit schneidender Klarheit. Zum ersten Mal in deutscher Sprache übertragen von Philipp von Gönitzer: ein Manifest wider die algorithmische Moderne, die Ordnung verspricht und doch nur neue Formen der Verführung hervorbringt. - Ein Buch, das Gegenwart trifft, weil es Wunsch nach einfachen Wahrheiten entlarvt.
Autorenporträt
Vernon Lee ist das Pseudonym der 1856 im französischen Boulogne-sur-Mer geborenen britischen Schriftstellerin und Essayistin Violet Paget (1856-1935). Als kosmopolitische Intellektuelle, die vor allem in Italien lebte, war sie eine der schärfsten Beobachterinnen der europäischen Moderne. Bekannt wurde sie durch kunst- und musikästhetische Essays, Reiseliteratur und ihre bis heute einflussreichen Beiträge zur Theorie der Einfühlung, ebenso wie durch ihre meisterhaften Schauergeschichten. Eng verbunden mit Kreisen um Walter Pater und Henry James, mischte sich Vernon Lee früh in Debatten um Ästhetik, Ethik, Pazifismus und Feminismus ein - eine eigenwillige, kompromisslose Stimme zwischen viktorianischer Spätzeit, Décadence und beginnender Moderne.