5 Sterne - oder vielleicht auch 6/5! „Frau, Leben, Freiheit“ ist ein so bewegendes und anschauliches Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. Im Iran findet der feministische Kampftag jeden Tag statt - gezwungenermaßen.
Aufmerksam auf die Repressionen gegen Frauen wird man in den westlichen
Ländern vor allen Dingen durch Demonstrationen und Aktionen der Frauen selbst. Am 16.09.2022 stirbt die…mehr5 Sterne - oder vielleicht auch 6/5! „Frau, Leben, Freiheit“ ist ein so bewegendes und anschauliches Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. Im Iran findet der feministische Kampftag jeden Tag statt - gezwungenermaßen.
Aufmerksam auf die Repressionen gegen Frauen wird man in den westlichen Ländern vor allen Dingen durch Demonstrationen und Aktionen der Frauen selbst. Am 16.09.2022 stirbt die 22jährige Mahsa Amini durch Schläge der Sittenpolizei, da sie ihr Kopftuch angeblich nicht „ordnungsgemäß“ getragen hat. Die Regierung behauptet stattdessen, Mahsa sei an einem Herzstillstand gestorben.
Dies ist der Katalysator für zahlreiche Demonstrationen, bei denen Frauen z. B. ihre Kopftücher verbrennen - der Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ wird skandiert. auch iranische Männer sind empört über Mahsas Tod. Dieses Buch ist ebenfalls als Reaktion auf die Geschehnisse entstanden.
Marjane Satrapi (Autorin von Persepolis) brachte verschiedenste, darunter viele iranische Künstler zusammen, um auch Leser:innen in anderen Löndern die aktuellen Geschehnisse im Iran näherzubringen und zu zeigen, dass die Frauen in ihrem Kampf nicht allein sind. Entstanden ist eine Graphic Novel in 24 kurzen Kapiteln, die durch verschiedenste Illustrationsstile besticht.
Selten bin ich so durch die Seiten eines politischen Buchs geflogen - was vor allem dadurch möglich war, dass hier die Informationen verständlich und nachvollziehbar erklärt wurden. Es war schön, nicht ständig Wikipedia zurate ziehen zu müssen, um den Inhalt des Buchs zu verstehen.
Allerdings hat mich auch selten ein Buch so betroffen gemacht: Frauen und auch Männern im Iran werden elementare Rechte verwehrt. Ein Stadionbesuch von Sahar Khodayari (Frauen dürfen nicht zum Fußball) endet mit einer Haftstrafe, woraufhin sie sich anzündet und stirbt. Schüsse, Tränengas, und Folter und sind an der Tagesordnung - schon bei kleinen Vergehen drohen heftigste Strafen.
Bewundernswert ist, dass trotz all dieser Widrigkeiten kaum jemand den Mut zu verlieren scheint. Die Autorin ist sich sicher, dass die Bemühungen der Bevölkerung Erfolg zeigen werden und ein freies, selbstbestimmtes Leben im Iran möglich sein wird.