Die Weimarer Republik gilt vielen Zeitgenossen als ungeliebte Folge der Kriegsniederlage. Tatsache ist, dass sie der Übergang vom Deutschen Kaiserreich zur ersten deutschen Demokratie war und dass sie schließlich in einem totalitären Regime endete. So grau die politische Wirklichkeit war, so waren
es doch glanzvolle Jahre für Kunst und Kultur. Diesem Widerspruch widmet sich die repräsentative…mehrDie Weimarer Republik gilt vielen Zeitgenossen als ungeliebte Folge der Kriegsniederlage. Tatsache ist, dass sie der Übergang vom Deutschen Kaiserreich zur ersten deutschen Demokratie war und dass sie schließlich in einem totalitären Regime endete. So grau die politische Wirklichkeit war, so waren es doch glanzvolle Jahre für Kunst und Kultur. Diesem Widerspruch widmet sich die repräsentative Ausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik“ in der Schirn Frankfurt (25.10.2017-25.2.2018). Mit rund 200 Arbeiten von 62 bekannten und wenig beachteten Künstlern/innen der Weimarer Republik, etwa George Grosz, Max Beckmann oder Lea Grundig, verdeutlicht sie die Risse in der damaligen Gesellschaft. Mit individueller Handschrift hielten sie die Umbrüche jener Jahre fest. Dadurch entsteht ein Gesamtbild dieses geschichtsträchtigen Jahrzehnts.
Im Hirmer Verlag ist der reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser bemerkenswerten Ausstellung erschienen, der neben den großformatigen Abbildungen der Ausstellungswerke vor allem durch aufschlussreiche Textbeiträge brilliert. Zunächst werden zur Einführung einige Daten zu Politik, Wirtschaft und Kultur der Weimarer Republik vermittelt. Die anschließenden Essays widmen sich dann u.a. der Kunst und der Politik in der Neuen Sachlichkeit oder dem „Glanz und Elend der Neuen Frau in der Weimarer Republik“.
Die Texte verweisen immer wieder darauf, wie die Künstler auf die gesellschaftlichen Er-rungenschaften, ab er auch auf die Probleme der Weimarer Republik reagiert haben: realistisch, direkt, ironisch, wütend, humorvoll, oder verhalten und voller innerer Symbolik. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Stile - vom Expressionismus über Dadaismus, verschiedene Formen des Realismus bis hin zu geometrisch-abstrakten Tendenzen nicht immer klar voneinander abgrenzen. Der Fokus der Ausstellung (und damit des Katalogs) liegt jedoch bei Künstlern, die eher einen kritischen, oft einen sezierenden Blick auf ihre Epoche geworfen haben. Durch ihre Arbeiten sehen wir heute die Weimarer Republik in zugespitzter Form und in manchen Aspekten auch seltsam aktuell.
Mit den informativen Texten und den Abbildungen ist die Publikation nicht nur ein Katalog sondern auch ein anschauliches Geschichtsbild der Weimarer Republik. Komplettiert wird der Katalog im Anhang durch kurze Künstlerbiografien, eine Auswahlbiografie und ein Verzeichnis der ausgestellten Werke. Hervorzuheben ist zudem die kreative und gelungene Gestaltung des Katalogs.