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Befragt, warum er derart lange Sätze mit kompliziertem Bau wähle, stellte der Schriftsteller die Gegenfrage, ob es nicht kurze Sätze in ausreichendem Maß gebe, die - täglich millionenfach verbreitet - die Behauptung enthielten, die Wirklichkeit sei so einfach, dass der Kurzsatz ihr genüge und sie in ihm hinreichend auszudrücken sei, weshalb man ihm und einigen seiner Kollegen - da sie nun einmal unter der Gegenbehauptung ihren Beruf ergriffen hätten - gestatten möge, weiterhin Sätze von jener Länge und inneren Gliederung zu verfassen, an die, zugegeben, Leser kaum mehr gewöhnt seien, die zu…mehr

Produktbeschreibung
Befragt, warum er derart lange Sätze mit kompliziertem Bau wähle, stellte der Schriftsteller die Gegenfrage, ob es nicht kurze Sätze in ausreichendem Maß gebe, die - täglich millionenfach verbreitet - die Behauptung enthielten, die Wirklichkeit sei so einfach, dass der Kurzsatz ihr genüge und sie in ihm hinreichend auszudrücken sei, weshalb man ihm und einigen seiner Kollegen - da sie nun einmal unter der Gegenbehauptung ihren Beruf ergriffen hätten - gestatten möge, weiterhin Sätze von jener Länge und inneren Gliederung zu verfassen, an die, zugegeben, Leser kaum mehr gewöhnt seien, die zu schreiben jedoch schon darum Sinn habe, weil es gelte, die Übung in schwieriger Erkenntnis nicht zu verlieren, und schloss, um dem Vorwurf zu entgehen, er habe mit seiner Gegenfrage noch keineswegs erschöpfend auf die Frage geantwortet, lächelnd mit der Auskunft, dass es Menschen gebe, die aus sehr guten Gründen sich um aussterbende Pflanzen und Tierarten kümmerten, ja einen großen Teil ihrer Kraft auf deren Rettung oder Erhaltung verwendeten, und so eben auch solche, die ihre Aufmerksamkeit einer aussterbenden Grammatik widmeten, wofür es, jenseits der Frage, ob die jeweils dabei entstehenden Sätze gelungen seien, ebenso gute und im Wunsch nach dem Überleben der Zivilisation verankerte Gründe gebe.
Autorenporträt
Gert Heidenreich, der "wortmächtige Wortmaler" (FAZ 2025) wurde 1944 in Eberswalde geboren und wuchs in Darmstadt auf. Studium der Literaturwissenschaft in München. Seit 1967 Autor von Bühnenstücken, Reisebildern und Reportagen für Rundfunk und Zeitschriften, seit 1972 auch Sprecher für Medien und Hörbücher. Der "sprechende Schriftsteller" (Magazin BÜCHER) lebt in München und in der Normandie. "Das gigantische Werk dieses Freiheitsvorkämpfers der Kunst" (FAZ) umfasst zahlreiche Romane, Erzählungen, Gedichtbände, Essays und Filmdrehbücher. Er wurde unter anderem mit dem Marie-Luise Fleißer Preis und dem Münchener Literaturpreis ausgezeichnet, für Drehbücher erhielt er Grimme-Preise 1986 und 2016, zusammen mit Edgar Reitz den Bayerischer Filmpreis 2013 und den Deutscher Filmpreis in Gold 2014. Der Marler Menschenrechtspreis von Amnesty International wurde ihm 2017 verliehen. Als "Bester Interpret" erhielt er 2019 den Deutschen Hörbuchpreis. Jüngste Publikationen u.a.: "Die andere He

imat", Erzählung, 2013; "Der Fall", Roman, 2014; "Freiheit des Wortes", Essay, 2018; "Schweigekind", Roman 2018; "Adieu Amerika", Essay, 2020; "Bigotte Sonntagsredner", Essay 2021; "Phantasie kennt kein Gebot", Essay 2023; "Leibniz - Chronik eines verschollenen Bildes", Drehbuch für Edgar Reitz, 2025; "Einen Leibniz schreiben", Essay 2025; "Im Gegenteil", Erzählung 2025 Im Verlag Bibliothek der Provinz bereits erschienen: "Zwei Reden in Weimar", edition münchen, 1999; "Das Meer - Atlantischer Gesang", Epos 2023.