Dieses Buch hat mich überrascht! Was auf den ersten Blick wie eine bekannte, vielleicht sogar vorhersehbare Lehrer-Schülerin-Geschichte wirkt, entpuppt sich schnell als vielschichtiger, emotionaler Roman über Selbstsuche, Abhängigkeiten und das Erwachsenwerden. „Half His Age“ hat mich von der ersten
Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen, und ich habe es nahezu in einem Rutsch gelesen.
Die…mehrDieses Buch hat mich überrascht! Was auf den ersten Blick wie eine bekannte, vielleicht sogar vorhersehbare Lehrer-Schülerin-Geschichte wirkt, entpuppt sich schnell als vielschichtiger, emotionaler Roman über Selbstsuche, Abhängigkeiten und das Erwachsenwerden. „Half His Age“ hat mich von der ersten Seite an gepackt und nicht mehr losgelassen, und ich habe es nahezu in einem Rutsch gelesen.
Die 17-jährige Protagonistin Waldo steht im Zentrum des Romans: jung, verletzlich, scharfsinnig und gleichzeitig voller innerer Widersprüche. Ihre Gedanken, Ängste und Sehnsüchte sind so glaubwürdig und feinfühlig ausgearbeitet, dass man ihr sehr nahekommt und ich vieles davon aus meiner eigenen Jugend gut nachempfinden konnte. Besonders berührend ist ihre Suche nach Zugehörigkeit, in einer Welt, in der sie sich verloren fühlt und versucht, innere Leere mit Konsum, Beziehungen und Projektionen zu füllen. Ihre Entwicklung verläuft nicht geradlinig, sondern über Umwege, Rückschläge und schmerzhafte Erkenntnisse, was sie umso menschlicher und sympathischer macht.
Die Beziehung mit ihrem Lehrer, die im Zentrum der Handlung steht, wird differenziert und ohne Klischees erzählt. Statt plumper Provokation geht es um Machtverhältnisse, emotionale Abhängigkeiten und die Frage, warum bestimmte Dynamiken überhaupt entstehen. Auch gesellschaftliche Themen wie Klassismus, Kapitalismus und familiäre Prägungen sind klug in die Geschichte eingewoben und wirken nie belehrend, sondern organisch.
Der Schreibstil ist zugleich schonungslos, gefühlvoll, und extrem einnehmend. Man leidet mit, denkt mit und bleibt auch nach der letzten Seite noch lange bei Waldo und ihrer Geschichte.
Ein intensives, kluges und bewegendes Buch, das weit mehr ist als das, was Titel, Cover oder Klappentext vermuten lassen – und definitiv keine typische Lehrer-Schülerinnen-Story.