Berühmter Autor hinterlässt berühmte Zeilen
Bei einigen Touristen ist es nicht wichtig, was sie über eine Stadt sagen, sondern dass sie überhaupt zu Gast waren. So besuchte Hugo vom 6. bis 14. Oktober 1840 Heidelberg und verarbeitete sie in einen langen Brief an Louis. Es spielt gar keine Rolle,
wer das ist, obwohl die Anmerkungen einen befreundeten Maler ausfindig gemacht haben. Der Brief…mehrBerühmter Autor hinterlässt berühmte Zeilen
Bei einigen Touristen ist es nicht wichtig, was sie über eine Stadt sagen, sondern dass sie überhaupt zu Gast waren. So besuchte Hugo vom 6. bis 14. Oktober 1840 Heidelberg und verarbeitete sie in einen langen Brief an Louis. Es spielt gar keine Rolle, wer das ist, obwohl die Anmerkungen einen befreundeten Maler ausfindig gemacht haben. Der Brief wurde auch erst 1845 veröffentlicht. Dies alles erfahren wir in der guten Einleitung von Francoise Kloepfer-Chomard.
Auf Seite 25 fängt der eigentliche Brief an. Er beginnt mit der Beschreibung des rechtwinkligen Mannheim, „diese fade Stadt“ (25), um dann ab Seite 27 das Hotel Ritter zu beschreiben.
Auf Seite 31 folgt eine Bergwanderung, die ab Seite 37 in eine Beschreibung des Heidenlochs mündet. Auf S.41 folgt ein kurzes Intermezzo in die Sagenwelt bevor uns auf S.43 mit dem Autor nach Neckarsteinach begeben. Abgesehen von einer kurzen Ansprache an Louis auf S.46f endet der Ausflug erst auf S.52. Dann folgt mit Blick und Beschreibung des Heiligenbergs ein Stadtrundgang:
„[Eine ärmliche Kirche] wurde von den Katholiken im 15. Jahrhundert gebaut, im 16. von den Protestanten erobert und wird heute durch ein Wand zwischen Katholiken und Protestanten geteilt und somit, in den Augen Roms, zwischen Paradies und Hölle aufgeteilt.“ (56)
Auf Seite 58 fängt dann seine legendäre Führung durch das Heidelberger Schloss an, zunächst mit seiner Geschichte. Dabei kritisiert er auch seine Landsleute: „Wenn man etwas zur Ruine macht, muss man es gut machen.“ (64)
Erst auf S.89 endet mit dem Postskriptum der Rundgang, allerdings nicht ohne sich über die Heizungen in Heidelberg zu beschweren: „Hier wärmt man sich nicht, man erstickt einander.“
Dann folgen Zeitungsausschnitte von der Zerstörung der Pfalz 1693, die Victor Hugo selbst gesammelt hat.
Das Geschwafel eines Germanistikprofessor zum Schluss wiederholt im Grunde nur die Einleitung und wäre nicht nötig gewesen. Deshalb kann ich für dieses sonst so gelungen Werk – mit sehr schönen Malereien, teilweise von Hugo selbst – nur 4 Sterne geben.