'Ich wollt', ich würd' Ägypter, wenn ich's nicht schon wär'.' Mit diesem berühmten Zitat von Mustafa Kâmil, der vor hundert Jahren für die Unabhängigkeit seines Landes von den Briten eintrat, beginnen 'Die Aufzeichnungen des Issâm Abdalâti' in Alaa al-Aswanis neuestem Buch. Im Mittelpunkt steht ein desillusionierter junger Mann, der für die vermeintliche Erhabenheit der Ägypter nur Hohn übrighat: In Wahrheit seien seine Landsleute feige und scheinheilig, böse und gemein, träge und gehässig. Ein intelligenter, begabter Mensch wie Issâm, der sich nicht anpassen will, ist zwangsläufig zum Aussenseiterdasein verdammt. - Der erfolgreichste arabische Autor der Gegenwart seziert und entblösst mit schonungsloser Ironie ein weiteres Mal die moderne ägyptische Gesellschaft und die Gewalttätigkeit, die Heuchelei und die allgegenwärtige Korruption in ihr: eine Gesellschaft voller Widersprüche, ein Land am Scheideweg. Auch die weiteren Erzählungen, die der vorliegende Band versammelt, fördernSchmerzvolles, Tabuisiertes zutage: eine Frau, die sich zur Abtreibung genötigt sieht, weil ihr Freund sie nicht heiraten will; ein unsportlicher Junge, der zum Gespött seiner Mitschüler wird; und schliesslich die berührende Geschichte von einem gehbehinderten Kind, das bei einer halsbrecherischen Fahrradfahrt alle Traurigkeit verliert.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Rezensent Stefan Weidner findet das ungeschönte Bild von Ägypten, die freundliche, zugleich bitter-kritische Haltung der ägyptischen Gesellschaft gegenüber, wie sie in den frühen Erzählungen des späteren Erfolgsautors Alaa al-Aswani zutage tritt, die Lektüre wert. An der literarischen Qualität der hier versammelten Kurzgeschichten zweifelt Weidner allerdings ganz unverhohlen. Mit ihrem suchenden Ton, ihren abrupten Richtungswechseln wirken sie auf ihn mitunter wie Fingerübungen. Seine Themen Doppelmoral, Deklassierung, Armut usw. bringt der Autor laut Weidner allzu oft bloß als naturgetreue Kopie der Realität in Stellung. Von seinem Vorbild Jussuf Idris scheint ihm Alaa al-Aswani in manchen dieser Texten jedenfalls noch weit entfernt.
© Perlentaucher Medien GmbH
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'al-Aswani - der Molière von Kairo.' - Le Figaro







