Laut Klappentext gehören Liv Strömquists Sachcomics zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit. Was soll ich sagen, auch in meinen Regalen stehen alle Werke von ihr, die bisher auf Deutsch erschienen sind. Selbstverständlich darf da auch ihr neuester Comic “Im Spiegelsaal” nicht fehlen. Auf den
ersten und zweiten Blick ähnelt der den vorhergehenden Bänden – und das ist Fluch und Segen…mehrLaut Klappentext gehören Liv Strömquists Sachcomics zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit. Was soll ich sagen, auch in meinen Regalen stehen alle Werke von ihr, die bisher auf Deutsch erschienen sind. Selbstverständlich darf da auch ihr neuester Comic “Im Spiegelsaal” nicht fehlen. Auf den ersten und zweiten Blick ähnelt der den vorhergehenden Bänden – und das ist Fluch und Segen zugleich.
n den fünf gesammelten Sachcomics von Strömquist geht es dieses Mal um Schönheitsideale. Welchen Einfluss hat Kylie Jenners Instagram Account auf die Jugend? Was war los mit Kaiserin Sisis Zähnen? Welche Schönheitsideale vermitteln Märchen? Wie werden Frauen in verschiedenen Gesellschaftssystemen dargestellt? Wie funktioniert Schönheit als Kapital?
Und natürlich: Was hat Schönheit mit unserem heutigen Konzept von “Liebe” zu tun? Hier mal ein Auszug aus der Antwort:
"Es hat gewissermaßen keine PRAKTISCHE BEDEUTUNG oder FUNKTION mehr, sich mit jemandem zusammenzutun, außer dass man Liebe/sexuelle Anziehung füreinander empfindet. Und deshalb ist, wie hübsch/sexy/fuckable man ist, heute WICHTIGER, weil es quasi der einzige Grund für eine Beziehung ist!"
Ein bisschen radikal vielleicht die Antwort, aber auch dieses mal sind viele Standpunkte wieder mit Quellen unterfüttert.
Das “auch dieses Mal” ist, was mir an “Im Spiegelsaal” ein wenig sauer aufstößt. Weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick unterscheidet sich Strömquists neuer Comic von älteren Veröffentlichungen, wie zum Beispiel “Ich fühl’s nicht” oder “I’m every woman“. Ja, vielleicht ist der inhaltliche Schwerpunkt ein wenig verschoben und vielleicht sind die Texte stellenweise schärfer formuliert. Aber davon abgesehen beschlich mich immer wieder das Gefühl, das Ganze schon einmal (bzw. mehrmals) gelesen und vor allem gesehen zu haben.
Gerade hinsichtlich der Zeichnungen war ich zwiegespalten. Auf der einen Seite: Unverkennbar Liv Strömquist. Auf der anderen Seite fiel mir das teilweise mangelnde Zusammenspiel zwischen Text und Bild auf. Oft unterstreicht das Bild (oder die Sprechblase) den Text, ergänzt ihn aber nicht um weitere Bedeutungsebenen. Das habe ich bei “Unerschrocken” zum Beispiel deutlich besser gesehen.
So bleibt mir als Fazit: Wer mehr von Liv Strömquist lesen möchte, der bekommt beim “Im Spiegelsaal” mehr vom Gewohnten, und das auch wieder unterhaltsam aufbereitet. Aber in meinen Augen ist das nicht ihr stärkster Comic, was vielleicht daran liegt, dass er sich zu wenig von den Vorgängern abhebt. Für Einsteiger*innen kann ich Strömquists andere Werke mehr empfehlen, vor allem den Doppelband “Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe”.