Steffen Dietzsch wendet sich mit seiner Kant-Biographie gegen das weit verbreitete Vorurteil, der große Kritiker der Metaphysik hätte "weder Leben noch Geschichte" (Heinrich Heine) gehabt. Dietzsch’ Biographie ist nicht nur eine Beschreibung der grandiosen Persönlichkeit Kants als "Kopf ohne Welt" (Elias Canetti), sondern sie entwirft das philosophische Erkenntnisdrama Kants neu im Kontext einer Kulturgeschichte Königsbergs. Jüngste umfangreiche Funde im Archiv der Universität Königsberg bilden die Grundlage dafür. Der Leser erhält aufschlussreiche Einsichten in das bürgerliche wie akademische Leben Kants als Hochschullehrer - namentlich auch als Prüfer, Zensor, Dekan, Rektor. Goethes Diktum, Kants Denken sei "in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen" wird hier in überzeugender und lebendiger Weise nachvollziehbar.
"Den institutionellen Kontext von Kants Leben beleuchtet Dietzsch, der durch seine Aufarbeitung der Universitätsakten eine nach wie vor bestehende Lücke zu schließen beginnt. Denn mit dem Tag der Immatrikulation wurde Kant 1740 zu einem Bürger der Universität, der er bis zu seinem Tode blieb. Über vierzig Jahre lang erfüllt er, zunächst als Privatdozent und erst spät als Professor, ein für heutige Begriffe immenses Lehrpensum von zeitweise mehr als zwanzig Wochenstunden. Daneben wurde er 1776 zum ersten Mal Dekan der Philosophischen Fakultät, später in den Akademischen Senat der Universität gewählt und übernahm schließlich das Amt des Rektors.
Wohl vernachlässigte Kant seine Dienstpflichten nicht schlichtweg, wie es ihm sein Kollege und Konkurrent, der Medizinprofessor Metzger Metzger, vorwarf, der im Rektorat 'Confusion' und einen 'tulmutarischen Gang der Geschäfte' sah. Doch wird man seine Amtsführung auch nicht gerade als preußisch bezeichnen können. So ließ er sich in seiner Eigenschaft als Rektor bei der Huldigungsfeier für den neuen preußischen König Friedrich Wilhelm II. beim Hof-Gottesdienst vertreten, da er mit wachsendem Alter kirchlichen Zeremonien ablehnend gegenüber stand."
Süddeutsche Zeitung
"Ausführlich berichtet Dietzsch über das Schicksal einiger jüdischer Studenten, die prekären Bedingungen ihrer Zulassung und ihre vergeblichen Versuche, auf eine Professur zu gelangen: An der Königsberger Albertina wurde Juden - ebenso wenig wie Katholiken - die Lehre nicht gestattet. Dieser 'administrative' Antijudaismus, so muss man Dietzsch' Ausführungen über die Zeit von 1702 bis 1812 wohl interpretieren, wurde auch von Kant, als Professor, zeitweiligem Rektor und Mitglied des Senats der Königsberger Universität mitgetragen. Das lässt nach Einschätzung von Dietzsch aber nicht auf persönliche Feindschaft oder Intoleranz Kants schließen, der Moses Mendelssohn hoch schätzte und Marcus Herz zu seinen engsten Vertrauten zählte."
Frankfurter Rundschau
"Dietzsch Kapitel 'Kant und die Juden' erlaubt genauere Einblicke in das Verhältnis von Christen und Juden in Königberg. Kants Kollege Georg David Kypke war Regierungsinspektor der Synagoge und musste dort das Alenu-Gebet überwachen, das angeblich antichristliche Lästerungen enthielt 1777 kam es zu einem Streit mit dem Überwacher, denn die Gemeinde sprach das Gebet undeutlich oder leise, so dass nicht zu entscheiden war, ob die untersagten Passagen gesprochen wurde. Ein Gutachten von Moses Mendelsohn brachte schießlich das Ende der Überwachungspraxis.
Bei Dietzsch treten Kants Hauptwerke in den Hintergrund; dafür ist sein Königsberger Umfeld beschrieben und ein Schwerpunkt mit dem Verhältnis der Stadt, der Universität und des Philosophen zur Judenschaft im Zeitalter der Aufklärung gesetzt. Der Abdruck von unveröffentlichten Vorworten zu Vorlesungsverzeichnissen der Königsberger 'Albertina' - aufgefunden im Staatsarchiv Olsztyn - von denen einige von Kants Hand sein könnten, bietet einen Eindruck vom feierlichen Ernst des damaligen Studiums - jedenfalls seitens der Universität."
Berliner Zeitung
"Natürlich gibt es viele Möglichkeiten eine Kant-Biographie anzufangen. Steffen Dietzsch entscheidet sich für Königsberg, dann kommt noch ein bisschen Königsberger Universitätsgeschichte. Das sind sehr lesenswerte, plastische Skizzen, und außerdem steckt ein tiefer Realismus darin: immer gibt es viele Dinge, die schon da sind, bevor man selbst da ist. Das führt dazu, dass Kant bei Dietzsch erst auf Seite 22 sehr beiläufig geboren wird.
Dietzschs Lebensgeschichte Kants ist mit filigranem Humor geschrieben und schöner Aufmerksamkeit für absurde gleichwohl aufhellende Details."
Der Tagesspiegel
"Die Erschließung bisher wenig oder gar nicht beachteter Aspekte zu Kants Leben zeichnet die Biografie von Steffen Dietzsch aus. Seine detaillierte Beschreibung von Königsberg zu Zeiten Kants erweckt im Leser die Lust, im heutigen Kaliningrad selbst die historischen Orte aufzuspüren."
Neues Deutschland
"Hervorragend recherchierte Kant-Biografie , die anhand der Lebensgeschichte des großen Aufklärers nicht nur sein komplexes Werk entschlüsselt, sondern auch ein Stück Universitäts- und Geistesgeschichte schreibt."
Leseempfehlungen Stiftung Lesen & ZDF aspekte
Wohl vernachlässigte Kant seine Dienstpflichten nicht schlichtweg, wie es ihm sein Kollege und Konkurrent, der Medizinprofessor Metzger Metzger, vorwarf, der im Rektorat 'Confusion' und einen 'tulmutarischen Gang der Geschäfte' sah. Doch wird man seine Amtsführung auch nicht gerade als preußisch bezeichnen können. So ließ er sich in seiner Eigenschaft als Rektor bei der Huldigungsfeier für den neuen preußischen König Friedrich Wilhelm II. beim Hof-Gottesdienst vertreten, da er mit wachsendem Alter kirchlichen Zeremonien ablehnend gegenüber stand."
Süddeutsche Zeitung
"Ausführlich berichtet Dietzsch über das Schicksal einiger jüdischer Studenten, die prekären Bedingungen ihrer Zulassung und ihre vergeblichen Versuche, auf eine Professur zu gelangen: An der Königsberger Albertina wurde Juden - ebenso wenig wie Katholiken - die Lehre nicht gestattet. Dieser 'administrative' Antijudaismus, so muss man Dietzsch' Ausführungen über die Zeit von 1702 bis 1812 wohl interpretieren, wurde auch von Kant, als Professor, zeitweiligem Rektor und Mitglied des Senats der Königsberger Universität mitgetragen. Das lässt nach Einschätzung von Dietzsch aber nicht auf persönliche Feindschaft oder Intoleranz Kants schließen, der Moses Mendelssohn hoch schätzte und Marcus Herz zu seinen engsten Vertrauten zählte."
Frankfurter Rundschau
"Dietzsch Kapitel 'Kant und die Juden' erlaubt genauere Einblicke in das Verhältnis von Christen und Juden in Königberg. Kants Kollege Georg David Kypke war Regierungsinspektor der Synagoge und musste dort das Alenu-Gebet überwachen, das angeblich antichristliche Lästerungen enthielt 1777 kam es zu einem Streit mit dem Überwacher, denn die Gemeinde sprach das Gebet undeutlich oder leise, so dass nicht zu entscheiden war, ob die untersagten Passagen gesprochen wurde. Ein Gutachten von Moses Mendelsohn brachte schießlich das Ende der Überwachungspraxis.
Bei Dietzsch treten Kants Hauptwerke in den Hintergrund; dafür ist sein Königsberger Umfeld beschrieben und ein Schwerpunkt mit dem Verhältnis der Stadt, der Universität und des Philosophen zur Judenschaft im Zeitalter der Aufklärung gesetzt. Der Abdruck von unveröffentlichten Vorworten zu Vorlesungsverzeichnissen der Königsberger 'Albertina' - aufgefunden im Staatsarchiv Olsztyn - von denen einige von Kants Hand sein könnten, bietet einen Eindruck vom feierlichen Ernst des damaligen Studiums - jedenfalls seitens der Universität."
Berliner Zeitung
"Natürlich gibt es viele Möglichkeiten eine Kant-Biographie anzufangen. Steffen Dietzsch entscheidet sich für Königsberg, dann kommt noch ein bisschen Königsberger Universitätsgeschichte. Das sind sehr lesenswerte, plastische Skizzen, und außerdem steckt ein tiefer Realismus darin: immer gibt es viele Dinge, die schon da sind, bevor man selbst da ist. Das führt dazu, dass Kant bei Dietzsch erst auf Seite 22 sehr beiläufig geboren wird.
Dietzschs Lebensgeschichte Kants ist mit filigranem Humor geschrieben und schöner Aufmerksamkeit für absurde gleichwohl aufhellende Details."
Der Tagesspiegel
"Die Erschließung bisher wenig oder gar nicht beachteter Aspekte zu Kants Leben zeichnet die Biografie von Steffen Dietzsch aus. Seine detaillierte Beschreibung von Königsberg zu Zeiten Kants erweckt im Leser die Lust, im heutigen Kaliningrad selbst die historischen Orte aufzuspüren."
Neues Deutschland
"Hervorragend recherchierte Kant-Biografie , die anhand der Lebensgeschichte des großen Aufklärers nicht nur sein komplexes Werk entschlüsselt, sondern auch ein Stück Universitäts- und Geistesgeschichte schreibt."
Leseempfehlungen Stiftung Lesen & ZDF aspekte
