Montreal, Ruanda, New York, Hollywood und zurück. Nicht nur durch verschiedene Städte und Länder reist der Leser mit der Autorin, sondern auch durch verschiedene Jahre. Immer wieder springt sie in die Vergangenheit oder wieder ein paar Jahre vor...ins Jetzt. Was vielleicht anfangs etwas verwirrend
erscheint, wird bald Klarheit und Struktur erzeugen.
Grace, eine engagierte Therapeutin will sich…mehrMontreal, Ruanda, New York, Hollywood und zurück. Nicht nur durch verschiedene Städte und Länder reist der Leser mit der Autorin, sondern auch durch verschiedene Jahre. Immer wieder springt sie in die Vergangenheit oder wieder ein paar Jahre vor...ins Jetzt. Was vielleicht anfangs etwas verwirrend erscheint, wird bald Klarheit und Struktur erzeugen.
Grace, eine engagierte Therapeutin will sich mal wieder beim Langlauf auspowern, den Kopf freibekommen und nicht mehr an ihre Patienten denken müssen. Sie genießt die Natur und wird dann doch wieder eingeholt als sie über ihn stürzt. Einen jungen Mann mit einem Strick um den Hals. Er überlebt und wird von nun an das neue "Hilfsprojekt" von Grace. Sie kann sich nun endlich wieder in etwas hineinsteigern und ihrem Helfersyndrom nachgeben.
Doch will er es auch? Will er die Hilfe, die sie ihm aufdrängt? Ist es gut für ihn? Für sie? Grace überschreitet immer wieder Grenzen, die zwischen Therapeuten und Hilfesuchenden gelten, denn eigentlich will Tug kein Hilfesuchender sein. Er schweigt beharrlich, wenn es um seinen Selbstmord geht.
Neben Grace lernt der Leser noch Annie kennen. Eine junge Frau, die von ihren Eltern immer wieder klein gehalten wird. Sie verletzt sich selbst, um den Schmerz zu genießen. Annie bricht eines Tages aus und geht nach New York, sie will Theaterschausoielerin werden und kämpft sich durch. Sie reagiert auf verschiedene Situationen gefühlskalt und emotionslos. Erst bei einem Teenagerpärchen bricht bei ihr das Helfersyndrom aus. Sie nimmt sie auf und versorgt sie. Sie lässt sich vieles von dem Paar gefallen und findet doch bei ihnen fast eine Familie. Auch hier geht das Helfersyndrom zu weit und bis an die Grenze des Schmerzes.
Ein weiterer Charakter ist Mitch, Graces Ex-Ehemann, der in einer eigenwilligen Beziehung lebt und doch dann ausbricht, um in der Arktis den Menschen helfen zu wollen. Er scheitert mit seinem Projekt und muss nun damit leben, dass nicht immer die angebotene Hilfe gewollt und verstanden wird.
Alle Charaktere leben von und mit dem starken Wunsch zu helfen und Beziehungen aufzubauen. Häufig versuchen sie ihre eigenen Probleme zu verstecken und benutzen lieber andere Menschen, um sich gut zu fühlen. Sie brauchen die Abhängigkeit anderer, um sich vollständig, verstanden und wertvoll zu fühlen. Ein Kreislauf, der nichts Gutes erahnen lässt.
Alix Ohlin hat einen beeindruckenden und sehr gut zu lesenden Roman geschrieben. Nachdenklich und traurig, teilweise tragisch und fesselnd sind die einzelnen Geschichten der Figuren. Die Verknüpfungen und Verstrickungen der einzelnen Figuren miteinander sind sehr gut dargestellt und ausgearbeitet wurden. Der Leser kann sich auf ein wunderbares Buch mit einem klaren Schreibstil und vielen traurigen und trotzdem schönen Szenen freuen.