Das Bilderbuch „Ist Amsel tot?“ von Olivier Tallec, erschienen im Gerstenberg Verlag, ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, Verlust und den Umgang mit dem Tod. Auf 40 Seiten gelingt es dem Autor, ein schwieriges Thema auf eine Weise zu erzählen, die Kinder verstehen und fühlen können –
ehrlich, liebevoll und mit einem Hauch von Humor.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen das…mehrDas Bilderbuch „Ist Amsel tot?“ von Olivier Tallec, erschienen im Gerstenberg Verlag, ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, Verlust und den Umgang mit dem Tod. Auf 40 Seiten gelingt es dem Autor, ein schwieriges Thema auf eine Weise zu erzählen, die Kinder verstehen und fühlen können – ehrlich, liebevoll und mit einem Hauch von Humor.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen das Eichhörnchen und sein bester Freund Pok. Die beiden lieben es, der Amsel beim Singen zuzuhören. Ihr Gesang gehört für sie einfach zum Alltag – er macht sie glücklich und verbindet sie. Doch eines Tages liegt die Amsel plötzlich reglos auf dem Weg.
Zuerst wissen die Freunde nicht, was los ist. „Vielleicht schläft sie?“, fragen sie sich. Gemeinsam mit ihrem Freund Günther versuchen sie herauszufinden, was passiert ist. Nach und nach wird ihnen klar: Die Amsel ist tot.
Nun stehen sie vor der großen Frage, was man tun soll, wenn jemand gestorben ist. Sie möchten der Amsel helfen und ihr zeigen, dass sie sie lieb hatten. Also bauen sie für sie einen großen Blätterhaufen, legen sie vorsichtig hinein und setzen einen Zapfen ganz oben drauf – als Zeichen der Erinnerung.
Doch reicht das? Reicht ein Blätterhaufen, um zu zeigen, wie wichtig die Amsel war? Gemeinsam denken, reden und fühlen die Freunde – und finden schließlich ihren eigenen, ganz besonderen Weg, Abschied zu nehmen.
Das Buch behandelt ein Thema, das für Kinder oft schwer zu verstehen ist: den Tod. Olivier Tallec zeigt, dass man traurig sein darf, wenn jemand nicht mehr da ist, den man lieb hatte – aber dass man trotzdem weiterleben und schöne Erinnerungen bewahren kann.
Die Geschichte vermittelt, dass jeder seinen eigenen Weg des Abschieds finden darf. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Wichtig ist nur, dass man über seine Gefühle sprechen darf – so wie das Eichhörnchen, Pok und Günther es tun.
Außerdem geht es um Freundschaft, Mitgefühl und Zusammenhalt. Die Freunde trösten sich gegenseitig, helfen einander und zeigen, dass man gemeinsam auch schwere Momente besser bewältigen kann.
Tallec gelingt es, den Tod nicht als etwas Bedrohliches darzustellen, sondern als Teil des Lebens. So wirkt die Geschichte traurig, aber gleichzeitig tröstlich und lebensbejahend.
Olivier Tallec schreibt in einer einfachen, aber gefühlvollen Sprache, die Kinder gut verstehen. Er findet Worte für Dinge, die schwer auszudrücken sind – sanft, ehrlich und manchmal sogar ein wenig humorvoll. Das macht das Buch besonders wertvoll für Kinder, die erste Erfahrungen mit dem Thema Verlust machen.
Die Illustrationen sind ein echter Blickfang: warm, weich und voller kleiner Details. Sie erzählen oft mehr, als die Worte sagen, und lassen Raum für eigene Gedanken und Gefühle. Die Mimik der Tiere ist liebevoll gezeichnet – man kann richtig spüren, wie verwirrt, traurig, aber auch fürsorglich sie sind.
Durch die Bilder entsteht eine Atmosphäre, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Lächeln einlädt.
„Ist Amsel tot?“ ist ein wunderschönes, berührendes und kluges Bilderbuch über den Tod, das Leben und die Freundschaft. Es zeigt, dass Trauer etwas Natürliches ist und dass man gemeinsam Wege finden kann, damit umzugehen.
Das Buch ist ideal zum Vorlesen in der Familie oder im Kindergarten, wenn Kinder mit dem Thema Tod in Berührung kommen – sei es durch ein Haustier, ein Familienmitglied oder einfach aus Neugier am Leben.
Olivier Tallec gelingt es, das Thema mit Respekt, Wärme und Leichtigkeit zu erzählen, ohne die Gefühle der Kinder zu überfordern. Statt Angst zu machen, spendet das Buch Trost und Hoffnung.
Ein einfühlsames Werk, das zeigt: Auch wenn jemand nicht mehr da ist, bleibt die Erinnerung lebendig – wie der Gesang der Amsel im Herzen ihrer Freunde.
Rezension von: Die Magie der Bücher