Jacob Burckhardts Vorliebe, durch das unmittelbare, lebendige Wort zu wirken, verdanken wir einen reichen Nachlaß an Vortragsmanuskripten. Deren Bandbreite reicht von literarischen über geschichtliche bis zu kunstgeschichtlichen Themen: von Homer über Thomas Morus bis Schiller, von Demetrios Poliorketes bis Napoleon, vom Gang durch das vaticanische Museum bis zur Besichtigung altdeutscher Bilder. Die Vorträge gehören zum Kostbarsten, was sich von Burckhardts Werken erhalten hat. Seine Reflexionen und Betrachtungen zeigen einen eigenständigen Zugang zu Kunst und Kultur und gelten bis heute als Fundgrube für kulturwissenschaftliche Erkenntnisse. Sein Blick für das Wesentliche und die Schärfe seines Urteils machen die Vorträge zu einer höchst anregenden Lektüre. Die vorliegende Ausgabe folgt dem Text der Handschriften und dokumentiert erstmals alle überlieferten Vorträge aus den Jahren 1870 bis 1892.
"Sollten Burckhardts öffentliche und Universitätsvorträge wirklich nichtveröffentlicht sein, dann erlaube ich mir, daran zu erinnern, daß es sich bei Burckhardts Vorträgen nicht bloß um die Wissenschaft der Geschichte handelt, sondern um viel mehr und namentlich um etwas ganz anderes, viel höheres, ganz unvergleichliches. Um was, das zu erklären oder auch nur ahnen zu lassen, dazu wäre eine ganze Abhandlung nötig. Ich muß mich hier mit dem Bekenntnis begnügen, daß ich den Verlust der kleinsten beiläufigen Seitenbemerkung Burckhardts für einen unersetzlichen Verlust halte."
Carl Spitteler, Schweizer Nobelpreisträger für Literatur
"Sollten Burckhardts öffentliche und Universitätsvorträge wirklich nichtveröffentlicht sein, dann erlaube ich mir, daran zu erinnern, daß es sich bei Burckhardts Vorträgen nicht bloß um die Wissenschaft der Geschichte handelt, sondern um viel mehr und namentlich um etwas ganz anderes, viel höheres, ganz unvergleichliches. Um was, das zu erklären oder auch nur ahnen zu lassen, dazu wäre eine ganze Abhandlung nötig. Ich muß mich hier mit dem Bekenntnis begnügen, daß ich den Verlust der kleinsten beiläufigen Seitenbemerkung Burckhardts für einen unersetzlichen Verlust halte."
Carl Spitteler, Schweizer Nobelpreisträger für Literatur
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Hanno Helbling liefert einen sachlichen Bericht zum Erscheinen des dreizehnten Bandes der kritischen Gesamtausgabe Jacob Burckhardts, in dem die zweite Hälfte der öffentlichen Vorträge Burckhardts Eingang gefunden hat. Genau setzt uns Helbling auseinander, dass neunmal antike Themen abgehandelt werden, elf Vorträge sich mit europäischer Geschichte befassen, vier der Literatur gelten und weitere einundzwanzig der Bildenden Kunst gewidmet sind - alles einmalige Vorträge vor "gemischtem Publikum". Solche Vorträge vor einer ausgewählten und sicher hochgebildeten Laienhörerschaft waren Pflicht für den Basler Dozenten, informiert Helbling. Allerdings wüsste man kaum, setzt er hinzu, ob Burkhardt die Vorträge tatsächlich so gehalten habe, da er zu improvisieren und frei zu sprechen beliebte. Dennoch sei hiermit erstmals, betont Helbling, der genaue Textbestand der erhaltenen Vortragsmanuskripte veröffentlicht. Helbling vergleicht den Textbestand mit Notenmaterial, aus dem der Kundige bei genauerem Studium auch Musik zaubern könnte. Die textkritischen Anmerkungen und vorzüglichen Kommentare der Herausgeber trügen hierzu ihren Teil dazu bei, so Helbling.
© Perlentaucher Medien GmbH
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