Viermal, einer eigenen langen Werkspur und Wahlverwandtschaft mit dem Osten nachgehend, hat Durs Grünbein Japan besucht. Während aller vier Reisen hat er sein Tagebuch in Form von Kurzgedichten geführt. "Mir, der ich nie photographiere, schien das Haiku das probate Gegenstück zum Polaroid. Es sind Bilder der auf der Oberfläche schwimmenden Welt. Nur daß sie in diesem Fall aus nichts als aus Worten gemacht sind. Die Impression wird im nächsten Augenblick Schrift."Grünbeins Haikus sind ihrem Genre treu und eigenmächtig zugleich. Obwohl der Dichter von der japanischen Norm in Vers und Strophe…mehr
Viermal, einer eigenen langen Werkspur und Wahlverwandtschaft mit dem Osten nachgehend, hat Durs Grünbein Japan besucht. Während aller vier Reisen hat er sein Tagebuch in Form von Kurzgedichten geführt. "Mir, der ich nie photographiere, schien das Haiku das probate Gegenstück zum Polaroid. Es sind Bilder der auf der Oberfläche schwimmenden Welt. Nur daß sie in diesem Fall aus nichts als aus Worten gemacht sind. Die Impression wird im nächsten Augenblick Schrift."Grünbeins Haikus sind ihrem Genre treu und eigenmächtig zugleich. Obwohl der Dichter von der japanischen Norm in Vers und Strophe ausgeht, verwandelt er sich die fremde Form an, stört dabei die traditionellen Elemente ihrer Bildlichkeit und die sie kennzeichnende Harmonie, durchaus auch drastisch. So entsteht in der fremden Form zwar etwas Privates, ursprünglich nicht für die Publikation Gedachtes, zugleich aber eine Art interkulturelles Gespräch in und mit der Fremde. Das dialogische Prinzip wird in dieser Gesamtausgabe von Grünbeins Haikus durch eine parallele Übersetzung und Verschriftlichung ins Japanische und ein Nachwort seines japanischen Übersetzers verstärkt
Durs Grünbein wurde am 9. Oktober 1962 in Dresden geboren. Er ist einer der bedeutendsten und auch international wirkmächtigsten deutschen Dichter und Essayisten. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er eine Vielzahl von Preisen, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Friedrich-Nietzsche-Preis, den Friedrich-Hölderlin-Preis, den polnischen Zbigniew Herbert International Literary Award sowie den Premio Internazionale NordSud der Fondazione Pescarabruzzo. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Er lebt in Berlin und Rom. Yuji Nawata ist seit 2008 Professor für Germanistik an der Chuo-Universität in Tokyo, wo er selbst das Studium der Germanistik absolvierte. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Vergleichende Mediengeschichte, Deutsche und japanische Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und Kultur- und Medienwissenschaft aus japanischer Perspektive. Yuji Nawata ist seit 2008 Professor für Germanistik an der Chuo-Universität in Tokyo, wo er selbst das Studium der Germanistik absolvierte. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Vergleichende Mediengeschichte, Deutsche und japanische Literatur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert und Kultur- und Medienwissenschaft aus japanischer Perspektive.
Inhaltsangabe
[Reisetagebücher in Haikus:] Zerrüttungen nach einer Tasse Tee oder Reisetage mit Issa; Tagebuch einer Japan-Reise im Oktober 1999 - Regentropfen auf einem Brillenglas; Tagebuch einer Japan-Reise am Ende der Regenzeit im Juni/Juli 2002 - Lob des Taifuns; Tagebuch eines Blitzbesuchs im Mai/Juni 2003 - Stunden im Schneidersitz; Tagebuch eines Japan-Besuches im Oktober/November 2005 - [Nachworte:] Durs Grünbein: Siebzehn Silben des Augenblicks - Yûji Nawata: "Wasser und Wolken ziehen wie immer dahin."
[Reisetagebücher in Haikus:] Zerrüttungen nach einer Tasse Tee oder Reisetage mit Issa; Tagebuch einer Japan-Reise im Oktober 1999 - Regentropfen auf einem Brillenglas; Tagebuch einer Japan-Reise am Ende der Regenzeit im Juni/Juli 2002 - Lob des Taifuns; Tagebuch eines Blitzbesuchs im Mai/Juni 2003 - Stunden im Schneidersitz; Tagebuch eines Japan-Besuches im Oktober/November 2005 - [Nachworte:] Durs Grünbein: Siebzehn Silben des Augenblicks - Yûji Nawata: "Wasser und Wolken ziehen wie immer dahin."
Rezensionen
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Für Irmela Hijia-Kirschnereit ist Durs Grünbeins Haiku-Band ein schönes Beispiel für einen gelungenen interkulturellen Dialog. Deutsche Haikus, ja, das geht, meint die Rezensentin, nicht weniger als das englische Sonett, findet sie. Was Grünbein aus der stenografischen Form, beziehungsweise in sie hinein zaubert, lässt das Rezensentinnenherz höher schlagen. Das vom Autor bereiste Japan ist für sie in den "heiter bis melancholisch" gestimmten Texten sinnlich erfahrbar. Insofern, meint sie, taugt der Band auch als Reisebuch. Dass der Autor seinen Intellekt spielen lässt und seine Skizzen dialogisch auch die literarischen Traditionen Japans und Deutschlands vielstimmig erklingen lassen, empfindet Hijia-Kirschnereit durchaus als Bereicherung des traditionell wenig reflexiven japanischen Haikus. Nicht nur optisch besonders schön erscheint der Rezensentin die zweisprachige Anlage des Bandes. Kongenial gelungen, wie sie ihr erscheint, eröffnet die Übertragung der Rezensentin verborgene Facetten der Gedichte. Überrascht zeigt sich Hijia-Kirschnereit schließlich darüber, dass der Autor die klassische Haiku-Gestalt mit dem ihr entsprechenden Rhythmus gewählt hat, der im Deutschen nicht wirklich wahrnehmbar ist, wie sie weiß. Die Rezensentin deutet es als Herausforderung, der sich der sprachvirtuose Autor gestellt hat.
»Lob des Taifuns ist, jawohl, auch ein Reisebuch von der schönsten Sorte. Ein in allen Teilen gelungener interkultureller Dialog. « Irmela Hijiya-Kirschnereit Frankfurter Allgemeine Zeitung
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