»Mystischen Fauna« ist ein Essay in präziser poetischer Sprache, Nature Writing, eine intime Selbsterforschung, ein entwaffnendes sich zeigen, ein stilles Abtragen in sich selbst verkörperter Erinnerungen, eine Geschichte von Orten, Gewalt, Vertrauen und Verstehen. Bodrožić führt heilende
Selbstgespräche in einem sendenden Mitteilungsbedürfnis und in einer übersprachlichen Verbundenheit, die mit…mehr»Mystischen Fauna« ist ein Essay in präziser poetischer Sprache, Nature Writing, eine intime Selbsterforschung, ein entwaffnendes sich zeigen, ein stilles Abtragen in sich selbst verkörperter Erinnerungen, eine Geschichte von Orten, Gewalt, Vertrauen und Verstehen. Bodrožić führt heilende Selbstgespräche in einem sendenden Mitteilungsbedürfnis und in einer übersprachlichen Verbundenheit, die mit dem unmittelbaren Kontakt mit Tieren, Pflanzen und Soil Kraft gibt, ohne dass sich an ihr festgeklammert wird, eine innere Freiheit in Verbundenheit.
Bodrožićs Texte brauchen Einlassung auf ihre Energie und mit Intellektualität verbundener Spiritualität. Die vertrauensvolle Offenheit ihres Werks verführt jedoch auch bei weniger Zugang zu Schwellenerlebnissen der menschlichen Wahrnehmung; zu einnehmend ist ihre archäologische, behutsame Abtragung von Wahrnehmungsschichten und Erinnerungen und ihre Verbundenheit. Intuitiv folgt Bodrožić den Kontakten mit Tieren, die bei aller Gewalt unmittelbar in Beziehung treten und steigt hinab in vorbewusste Sphären. War die Bewegung von »Die Arbeit der Vögel« die Würdigung des Unterwegsseins, des Dazwischenseins, so ist es bei der »Mystischen Fauna« das Ankommen, die Ruhe und das Vertrauen, das beim Lesen abfärbt, stärkt und Möglichkeiten der eigenen Entwicklung finden lässt ohne einen bestimmten Weg zu weisen.
Klingt abstrakt? Dann noch einmal in der Außenschau. Die Erzählstimme befindet sich auf La Gomera und scheint in einer Schwellensituation zu sein, in der sie noch nicht weiß, in welche Richtung ihr Leben weitergeht. Als eine Bekannte sie bittet, ihren Hund und Haus für eine nicht fest bestimmte Zeit zu hüten, tritt sie in eine intensive Beziehung mit dem Hund und der Natur. Sie steigt ab in verschüttete Erinnerungen ihrer Kindheit in Dalmatien, in der die Tiere ihr Kontakt und Vertrauen schenkten. Um so verstörender sind die Erinnerungen an Gewaltausbrüche ihres Opas, ihres Hauptbezugsmenschen der Kindheit, später ihrer Mutter, und an ein verschüttetes Schlüsselerlebnis, das eigene beteiligt sein am Töten eines Tieres. Sie betrachtet die aufkommenden Erinnerungen Schicht um Schicht, versprachlicht sie, würdigt ihre zerstörerische Kraft und gibt sich der heilenden vertrauensvollen Beziehung zu Tier und Natur hin, die den Weg zeigen zu der eigenen Sanftheit, dem sich anvertrauen, dem Gewahrwerden der inneren Weite und dem sich Verbundenfühlen mit der Welt.