In der letzten Zeit rückte das Schicksal von Ottilie von Goethe (1796–1872) verstärkt ins Interesse. Erinnert sei nur an die Biografie „Die Schwiegertochter – Das Leben der Ottilie von Goethe“ von Dagmar von Gersdorff oder die Ausstellung „Ottilie von Goethe – Mut zum Chaos“ der Weimarer Goethe- und
Schiller Archivs.
Nun hat der Germanist Ulrich Janetzki im Verlag Sol et Chant eine umfangreiche…mehrIn der letzten Zeit rückte das Schicksal von Ottilie von Goethe (1796–1872) verstärkt ins Interesse. Erinnert sei nur an die Biografie „Die Schwiegertochter – Das Leben der Ottilie von Goethe“ von Dagmar von Gersdorff oder die Ausstellung „Ottilie von Goethe – Mut zum Chaos“ der Weimarer Goethe- und Schiller Archivs.
Nun hat der Germanist Ulrich Janetzki im Verlag Sol et Chant eine umfangreiche Neuerscheinung mit Zeugnissen von ihr bzw. ihren Zeitgenossen herausgebracht. In fünf Kapiteln werden die verschiedenen Lebensabschnitte von Ottilie von Goethe beleuchtet und belegt. Das erste Kapitel ist ihren Jugendfreundschaften und ihrer Verlobungszeit (1806-1817) gewidmet. Eine Zeit, die geprägt war von den Napoleonischen Kriegen und den Befreiungskriegen. 1817 wurde Ottilie die Gattin von Goethes Sohn August, obwohl ihre adelsstolzen Verwandten die Ehe mit dem unehelichen Sohn des Dichterfürsten nicht billigten. Sie zog in das berühmte Weimarer Haus am Frauenplan ein; doch trotz dreier Kinder (Walther, Wolfgang und Alma) erwies sich die Ehe mit August als problematisch. Neben den Ehejahren (1817-1830) werden im zweiten Kapitel auch ihre Gedichtveröffentlichung in der Zeitschrift „Chaos“ (1829 von ihr gegründet) behandelt. Es folgen die zwei Jahre (1830-1832) bis zu Goethes Tod.
Ottilie war jetzt 36 Jahre alt, die zweite Hälfte ihres Lebens lag noch vor ihr. Sie verließ das allzu enge Weimar. Es folgten Jahre mit wechselnden Aufenthaltsorten, die im Kapitel „Wanderjahre bis Adeles Tod (1832-1849)“ behandelt werden. (Adele Schopenhauer, die Schwester des Philosophen und Ottilies langjährige Freundin). Wo immer sie sich aufhielt, knüpfte Ottilie von Goethe Kontakte zur Literatur- und Kunstszene. Ihr „Alter und Lebensende 1849-1872)“ wurde von Reisen nach Italien und der Übersiedlung mit ihren Söhnen Walther und Wolf nach Weimar in das Haus am Frauenplan bestimmt. Am 26. Oktober 1872, kurz vor ihrem 76. Geburtstag, verstarb Ottilie von Goethe.
Anhand zahlreicher Dokumente (meist Briefe, aber auch Aufzeichnungen und Zeitungsartikel) sowie historischen Abbildungen lernen die LeserInnen nun die „ganze“ Ottilie von Goethe kennen, auch ihre geistreiche und künstlerische Seite, ihren Freiheitsdrang und ihre verzweifelte Such nach dem Liebesglück. In ihrem Nachwort (kein Schlusssatz) beleuchtet die Literaturhistorikerin Francesca Fabbri die bisherige Rezeptionsgeschichte, die erst in den 1980er Jahren Ottilies Rolle als Pionierin in den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext heraushob.