Der Soziologe Richard Sennett stellt hier die Frage, ob eine Gesellschaft, die von großer sozialer Ungleichheit, ja Ungerechtigkeit geprägt ist, "Respekt" noch zulässt - die Achtung vor dem anderen, vor allem vor den Gescheiterten.
Erneut erweist sich Richard Sennett als konstruktiver kritischer Geist mit Weitblick, als jemand, der mit Hilfe anschaulicher Beispiele gesellschaftliche Missstände benennt.
Erneut erweist sich Richard Sennett als konstruktiver kritischer Geist mit Weitblick, als jemand, der mit Hilfe anschaulicher Beispiele gesellschaftliche Missstände benennt.
Kluge Fragen in einer sozialkritischen Debatte
Er ist Soziologe und Buchautor, vor allem aber ist er einer der wichtigsten Kulturkritiker der USA und gilt durch seine zahlreichen sozialkritischen Veröffentlichungen auch in Europa als jemand, der Debatten anschieben und führen kann. Richard Sennetts Buch Der flexible Mensch wurde in Deutschland zu einem Bestseller. Hier stellte er die provokante These auf: Nicht die Globalisierung der Märkte ist die große Bedrohung, sondern die neue Arbeitsorganisation. Mit Respekt im Zeitalter der Ungleichheit knüpft der Autor hier an und sucht nach Wegen, wie man die Bedürftigen im Sozialstaat unterstützt, ihnen dabei jedoch nicht die Würde nimmt, sondern die Menschen respektiert.
Musik als Weg zu mehr Respekt
Sennett wählte für die Abhandlung seines Themas eine Gratwanderung zwischen konkreter eigener Erfahrung und sozialwissenschaftlicher Theorie. Dazu outet er sich als im Sozialhilfesystem Aufgewachsener und bekennt, dass diese Erfahrung sein Leben prägte. Aus eigener Kraft entkam er dem Milieu, indem er seine Fähigkeiten und Talente nutzte, sich bis zu einer misslungenen Handoperation konsequent der Musik widmete. Kann aber wirklich alles, was ihn zu den theoretischen Überlegungen über Respekt und Ungleichheit führte, auf seine Erfahrungen mit Musik zurückgeführt werden? Will man den Denkmodellen Sennetts folgen, sollte man diese Frage mit Ja beantworten.
Drei moderne Gebote
Bei seinen Nachforschungen zum Thema Respekt analysiert der Autor den gesellschaftlichen Einfluss und fordert für den zwischenmenschlichen Umgang, dass man 1. die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln muss, 2. sich um sich selbst sorgen muss und 3. anderen etwas zurückgeben sollte. Wer Spaß daran hat, Sennetts klugen Anmerkungen zu einem Teilbereich der geistigen Situation unserer Zeit zu folgen oder sie kritisieren will, dem bietet das Buch jede Menge Ansatzpunkte. Allerdings stellt der Autor mehr Fragen, als er Antworten gibt.
(Mathias Voigt, literaturtest.de)
Er ist Soziologe und Buchautor, vor allem aber ist er einer der wichtigsten Kulturkritiker der USA und gilt durch seine zahlreichen sozialkritischen Veröffentlichungen auch in Europa als jemand, der Debatten anschieben und führen kann. Richard Sennetts Buch Der flexible Mensch wurde in Deutschland zu einem Bestseller. Hier stellte er die provokante These auf: Nicht die Globalisierung der Märkte ist die große Bedrohung, sondern die neue Arbeitsorganisation. Mit Respekt im Zeitalter der Ungleichheit knüpft der Autor hier an und sucht nach Wegen, wie man die Bedürftigen im Sozialstaat unterstützt, ihnen dabei jedoch nicht die Würde nimmt, sondern die Menschen respektiert.
Musik als Weg zu mehr Respekt
Sennett wählte für die Abhandlung seines Themas eine Gratwanderung zwischen konkreter eigener Erfahrung und sozialwissenschaftlicher Theorie. Dazu outet er sich als im Sozialhilfesystem Aufgewachsener und bekennt, dass diese Erfahrung sein Leben prägte. Aus eigener Kraft entkam er dem Milieu, indem er seine Fähigkeiten und Talente nutzte, sich bis zu einer misslungenen Handoperation konsequent der Musik widmete. Kann aber wirklich alles, was ihn zu den theoretischen Überlegungen über Respekt und Ungleichheit führte, auf seine Erfahrungen mit Musik zurückgeführt werden? Will man den Denkmodellen Sennetts folgen, sollte man diese Frage mit Ja beantworten.
Drei moderne Gebote
Bei seinen Nachforschungen zum Thema Respekt analysiert der Autor den gesellschaftlichen Einfluss und fordert für den zwischenmenschlichen Umgang, dass man 1. die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln muss, 2. sich um sich selbst sorgen muss und 3. anderen etwas zurückgeben sollte. Wer Spaß daran hat, Sennetts klugen Anmerkungen zu einem Teilbereich der geistigen Situation unserer Zeit zu folgen oder sie kritisieren will, dem bietet das Buch jede Menge Ansatzpunkte. Allerdings stellt der Autor mehr Fragen, als er Antworten gibt.
(Mathias Voigt, literaturtest.de)
