In der Schweizer Tradition der zunächst verkannten und erst spät zu Ehren gekommenen großen Autoren wie Robert Walser, Friedrich Glauser und Albin Zollinger gilt es einen weiteren hochkarätigen Schriftsteller zu entdecken: den Sprachkünstler und Erinnerungsmagier Kuno Raeber. Der eigenwillige und sprachbesessene Autor verarbeitete literarisch die großen Themen der Weltgeschichte: von Rom und Konstantinopel bis zu den Totenritualen der alten Ägypter und dem Maya-Kult der Azteken. Im Schauspiel Bocksweg sind künstlerische Berufung und sexuelle Befreiung zusammengeführt in der Gestalt von Renzo, der in den Höhlen unter dem römischen Kapitol versucht, sein Leben durch ein Martyrium unzerstörbar zu machen. Trotz eines Vorschlags von Patrick Süßkind, die Szenenfolge dem Publikum verständlicher zu gestalten, blieb Raeber bei seiner labyrinthischen Anordnung, die erst am Schluss Renzo als Reinkarnation des heiligen Laurentius zu erkennen gibt. Dieser Heilige, Raebers Stellvertreterfigur für den Dichter, bildet das Zentrum des kühnen Sprachexperiments Wirbel im Abfluß, in dem die Wörter in spiralförmig kreisenden Wiederholungen den Sog der Weltgeschichte aufführen. Auch in Bilder Bilder, dem posthum veröffentlichten letzten Werk, bleibt der Bezug zu Laurentius bestimmend. Ein heutiger Lorenz reist ins Totenland Ägypten und erlebt seine Berufung aus dem Bann seines früheren Daseins, während die beiden Rahmentexte Gemälde der europäischen Tradition erkunden. Band 4 der Werke Kuno Raebers präsentiert ein Schauspiel und zwei erzählende Texte, die von Mitte der 80er Jahre bis zu Raebers Tod entstanden. Die Arbeit dieser Jahre bildet in Form und Meisterschaft den Höhepunkt seines Schreibens. Mit großer Konsequent führte Raeber die sprachliche Vervollkommnung seiner Werke zu Ende.
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