Die Nacht über Rosenheim war undurchdringlich. Der Regen trommelte wie tausend Finger auf die Dächer, während der Wind die alten Kastanienbäume zu ge-spenstischen Schatten verzerrte. In einer abgelegenen Gasse bewegte sich eine Gestalt, kaum mehr als ein dunkler Umriss im flackernden Licht der Straßenlater-nen. Jeder Schritt war ein Fluchtversuch vor etwas Unsichtbarem - oder jemandem.Die Gestalt hielt inne, lauschte. Ein leises Knirschen auf dem Pflaster, ein Schatten, der sich bewegte. Panik stieg auf. Die Finger umklammerten einen schweren Schlüssel, dessen Symbol im Licht kurz aufblitzte. In der anderen Hand eine silberne Brosche, das Familienwappen - ein Relikt aus einer Zeit, die besser vergessen schien. Plötzlich ein Geräusch hinter ihr. Hastige Schritte, ein unterdrückter Fluch. Die Gestalt presste sich an die kalte Hauswand, das Herz raste. Sie wusste, dass sie nicht allein war. Ein dunkler Wagen rollte langsam die Straße entlang, die Scheinwerfer tasteten wie suchende Augen durch die Nacht. Die Gestalt duckte sich, spür-te den kalten Regen auf der Haut, hörte das eigene Blut in den Ohren rauschen.Ein Fenster öffnete sich leise, eine Silhouette erschien hinter dem Vorhang. Ein Zeuge? Oder ein Komplize? Die Gestalt wagte keinen Blick zurück. Sie musste weiter, musste das Geheimnis bewahren, das in der Tiefe des alten Hauses am Herbstweg 3b verborgen lag.Mit zitternden Händen steckte sie den Schlüssel zu-rück in die Tasche, ließ die Brosche fallen - ein letzter Hinweis, ein stummer Hilferuf. Dann verschwand sie im Dunkel des Gartens, während die Scheinwerfer des Wagens langsam erloschen.In dieser Nacht wurde ein tödliches Spiel begonnen. Ein Spiel aus Angst, Verrat und alten Wunden, das niemand gewinnen konnte. Als der Morgen graute, lag ein Toter im Vorgarten des Hauses. Und die Schatten über Rosenheim wurden länger.Doch niemand ahnte, dass dies erst der Anfang war.
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