SS-Männer und ihre Kinder: Die einen verherrlichten Krieg und Soldatentum, die anderen verstummten - nicht ohne Folgen auf das Familienleben der Nachkriegsgeneration in Südtirol und in Deutschland. Wie prägend ist der lange Schatten des Krieges für die Nachkommen? In Gesprächen mit Söhnen, Töchtern und Enkeln von Angehörigen der Waffen-SS werden die erlittenen Verletzungen, die Erfahrungen mit Gewalt und die noch immer aktuellen Spuren der Geschichte sichtbar.
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Ein starkes, ungewöhnliches Buch über die Waffen-SS legt Thomas Casagrande Rezensent Stephan Löwenstein zufolge hier vor. Casagrande interviewt Söhne und Enkel von Männern, die im Zweiten Weltkrieg als Teil der Waffen-SS kämpften und in der Nachkriegszeit ins zivile Familienleben zurückkehrten. Einer dieser Waffen-SS-Söhne ist Casagrande selbst, in seinem Buch schreibt er sowohl über die Lebensgeschichte seines aus Südtirol stammenden Vaters, als auch über sein ambivalentes Verhältnis zu einem Mann, der seiner Familie gegenüber mal liebevoll war, mal aber auch, Zitat Casagrande, "fies" auftrat. Auch in den Erzählungen der Interviewpartner wimmelt es von Ambivalenzen, so Löwenstein, die Väter und Großväter werden als Familienangehörige geliebt, während ihre politische Affiliation Abscheu hervorruft und die Beteiligung an Verbrechen oft verdrängt wird. Casagrande spricht die Waffen-SS-Söhne und -Enkel auf stets auf die Schlagworte "Pflicht, Gehorsam, Subordination" an, erfahren wir außerdem, ansonsten bewertet er ihre Aussagen nicht und es gelingt ihm, viel von ihnen zu erfahren. Ein wichtiges Buch ist das nicht zuletzt, heißt es am Ende, weil es zeigt, dass die Angehörigen der Waffen-SS keine abjekten Bösewichte waren, sondern Menschen, die das Leben in Deutschland auch nach 1945 weiter prägten.
© Perlentaucher Medien GmbH
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