Ein stilles Meisterwerk
Wer literarisch anspruchsvolle Spannung mit Tiefe sucht, wird hier fündig. Ein außergewöhnliches Buch, das bleibt.
Ellen Gerretzen hat mit Schattenspiel einen Kriminalroman geschrieben, der weit über das Genre hinausgeht. Auf den ersten Blick geht es um einen Mord in
Berlin, eine Spur nach Spanien und einen Ex-Kommissar, der sich seiner Vergangenheit stellen muss. Doch…mehrEin stilles Meisterwerk
Wer literarisch anspruchsvolle Spannung mit Tiefe sucht, wird hier fündig. Ein außergewöhnliches Buch, das bleibt.
Ellen Gerretzen hat mit Schattenspiel einen Kriminalroman geschrieben, der weit über das Genre hinausgeht. Auf den ersten Blick geht es um einen Mord in Berlin, eine Spur nach Spanien und einen Ex-Kommissar, der sich seiner Vergangenheit stellen muss. Doch bald merkt man: Hier geht es um viel mehr als um die Aufklärung eines Verbrechens. Gerretzen entfaltet ein fein gewebtes Netz aus Erinnerungen, Schuld, Vergebung und Identität. Die Handlung bewegt sich zwischen Berlin und der spanischen Extremadura. Es sind zwei Schauplätze, die atmosphärisch dicht miteinander verwoben sind. Besonders beeindruckt hat mich, wie ruhig und zugleich spannungsgeladen die Geschichte erzählt wird. Nichts wirkt überhastet, jede Szene trägt Bedeutung. Die Sprache ist präzise und poetisch zugleich: kein überflüssiges Wort, aber viele Bilder, die nachhallen. Man spürt in jeder Zeile die innere Zerrissenheit des Protagonisten Wolfgang. Er ist ein Mann, der nicht nur gegen äußere Schatten kämpft, sondern auch gegen die in sich selbst. Für mich als Mann eine Figur mit Wiedererkennungseffekt. Schattenspiel ist kein Krimi für den schnellen Konsum, sondern ein Buch, das man langsam liest, um all die feinen Nuancen zu spüren. Ein Roman über Wahrheit, Erinnerung und Verantwortung. Es ist atmosphärisch, vielschichtig und zutiefst menschlich. Für mich eines der Überraschungskrimis des Jahres.