Zwischen zwei Welten – eine Mutter, eine Tochter und das Schweigen der Vergangenheit
„Töchter der verlorenen Heimat“ ist ein Roman, der mich vom ersten Kapitel an nicht mehr losgelassen hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so fesselnd war die Geschichte um Johanna und ihre Tochter
Paula, zwei Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten leben, aber doch durch dieselbe schmerzvolle…mehrZwischen zwei Welten – eine Mutter, eine Tochter und das Schweigen der Vergangenheit
„Töchter der verlorenen Heimat“ ist ein Roman, der mich vom ersten Kapitel an nicht mehr losgelassen hat. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, so fesselnd war die Geschichte um Johanna und ihre Tochter Paula, zwei Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten leben, aber doch durch dieselbe schmerzvolle Vergangenheit miteinander verbunden sind.
Besonders beeindruckt hat mich die Erzählweise: Der Roman wechselt zwischen den 1920er- und 1930er-Jahren, in denen Johanna in Südtirol aufwächst, und den 1960er-Jahren, in denen Paula als Ärztin lebt und gemeinsam mit ihrer Mutter zur Beerdigung des Großvaters nach Südtirol reist. Durch diese Rückblenden entfaltet sich Stück für Stück eine bewegende Familiengeschichte, die von Armut, Verlust, Liebe, Scham und unausgesprochenen Wahrheiten geprägt ist.
Johannas Schicksal hat mich tief berührt. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter muss sie auf dem Hof hart mitarbeiten, ihre Träume bleiben unerfüllt. Als sie sich in den Italiener Gianluca verliebt, scheint für einen kurzen Moment Hoffnung aufzuleuchten – doch diese Liebe ist in den aufgeladenen politischen Zeiten unmöglich. Der Hass zwischen Südtirolern und Italienern zieht sich wie ein dunkler Schatten durch das Buch. Als Johanna schwanger wird, zwingt sie ihre Familie zur Heirat mit dem Großbauern Georg. Ihr Leben verstrickt sich daraufhin immer mehr in Lügen, Schuld und Reue.
Paulas Geschichte ist die leise, aber ebenso eindrückliche Fortsetzung dieser Tragödie. Als Tochter eines ungeliebten Geheimnisses trägt sie die Narben der Vergangenheit weiter. Besonders berührt hat mich, wie sie trotz aller Demütigungen – etwa weil sie wegen ihres italienischen Aussehens gehänselt wird – ihren Weg geht. Der Roadtrip mit ihrer Mutter nach Südtirol wird zu einer emotionalen Spurensuche nach Wahrheit und Versöhnung.
Was mich an diesem Buch so begeistert hat, ist die dichte Atmosphäre und die ständige unterschwellige Spannung. Man spürt förmlich die Berge, die Kälte, das Schweigen der Dörfer, die unausgesprochenen Konflikte zwischen den Kulturen. Die Autorin schafft es meisterhaft, historische Ereignisse und persönliche Schicksale zu verweben, ohne dass es jemals belehrend wirkt. Stattdessen liest man atemlos weiter, weil man wissen will, was damals wirklich geschehen ist – und wie Johanna und Paula mit der Wahrheit umgehen.
Am Ende bleibt das Gefühl, etwas über ein Stück Geschichte erfahren zu haben, das viel zu selten erzählt wird – und zugleich eine zutiefst menschliche Geschichte über Schuld, Liebe und Vergebung gelesen zu haben. „Töchter der verlorenen Heimat“ ist ein Roman, der nachhallt, der unter die Haut geht und den man so schnell nicht vergisst.