Der studierte Jurist und Fotograf Tomas Gudzowaty (geb.1971 in Warschau) widmete sich der Naturfotografie und Gesellschaftsdokumentation, ehe er eine "humanistische" Fotografie für sich entdeckte und insbesondere mit Aufnahmen zu Randsportarten jenseits von Kommerz und Mainstream in Magazinen wie etwa Newsweek oder The Guardian bekannt machte. Die Publikation widmet sich seinem klassischen Fotoessay über das unter Fotografen beliebte Sujet des Abwrackens aussortierter Tanker. Während drei intensiver Wochen hat der Künstler 2006 das Abwracken des Schiffs Keiko in Chittagong dokumentiert, der zweitgrößten Stadt Bangladeschs, wo 30 40% aller jährlich rund 700 außer Dienst gestellten Hochseeschiffe ausgeschlachtet werden. Die Bilder geben nicht nur Einblick in einen außergewöhnlichen Berufsalltag, sondern bringen auch die Unverhältnismäßigkeit zwischen Mensch und Maschine in einer faszinierenden Ästhetik und mit allgemeiner Gültigkeit zum Ausdruck.
Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Schon der Einband von "Keiko" hat es Burkhard Müller angetan. Dieser düstere Bildband von Tomasz Gudzowaty ist ein schwarzer Quader mit bündig abschließendem, schwarzen Buchschnitt, beschreibt er. Die Seiten füllen Schwarz-Weiß-Fotografien gewaltiger Schiffe und jener Menschen, die sie Stück für Stück verschrotten, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Die größeren Industrienationen haben diese Aufgabe, ebenso wie die aufwendige Herstellung der Ozeanriesen, außer Landes verfrachtet, erklärt Müller. Gudzowatys Fotos sind in Bangladesch entstanden. Zunächst frönt der Band einer konsequenten "Schrift-Abstinenz", die zuallererst zum Hinschauen auffordert, dann erst zum interpretieren und urteilen. So bleiben die zwei herausstechenden Diskurse vereint: die gewaltige menschliche Technik und die Ausbeutung der Arbeitskraft im globalen Süden. Die Helden von "Keiko" seien aber nicht die Schiffe, die "unter Billigflaggen fahren, von Billiglohngruppen bemannt und in Billigländern gebaut werden", führt Müller aus, sondern die Menschen, die in schwindelerregenden Höhen mit kleinen Schweißgeräten arbeiten und sich selbst zu beruhigen suchen, indem sie mit den Riesen reden. Die Zahl der tödlichen Unfälle wird geheim gehalten, verrät der Rezensent noch.
© Perlentaucher Medien GmbH
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