Die Italiensehnsucht seit der Epoche der Grand Tour im achtzehnten Jahrhundert richtete sich immer wieder auf Neapel. Auch auf die deutschen Italienreisenden - von Goethe bis Benjamin - hat diese Stadt eine große Faszination ausgeübt. Die Bilder reichen vom idealistischen Gegenentwurf einer scheinbar glücklicheren Welt bis zur zivilisationskritischen Begeisterung für eine angeblich vorkapitalistische städtische Oase. Marino Niola weiß von all diesen Bildern, die sich nicht selten zu neapolitanischen Selbststilisierungen gewandelt haben. Er nimmt den fremden Blick als methodischen Blick der Verwunderung auf, um in kurzen Essays eine andere als bloß touristische Reise kreuz und quer durch seine Stadt anzutreten. Er führt den Leser in die Vororte und auf die Friedhöfe, zu den Heiligen und den Krippen, in die Welt des organisierten Verbrechens und des Untergrundes. Wir lernen das barocke Neapel kennen, das die Symmetrien scheute, die Doppelbödigkeit liebte und noch heute das Gefüg e der neapolitanischen Gesellschaft bestimmt. Wir erfahren etwas über die anthropologischen Grundlagen der Pasta oder über die Frage, was die Mamma zu einer der zentralen Institutionen der süditalienischen Gesellschaft macht. Totem und Rag ist ein Vielgängemenü. Seine Happen sind mit einem Schuss subtiler Ironie gewürzt, machen Appetit auf mehr, und vor allem haben sie Biss.
Bitte wählen Sie Ihr Anliegen aus.
Rechnungen
Retourenschein anfordern
Bestellstatus
Storno
