Auch im sozialistischen Novi Sad ist Mitte der sechziger Jahre die Erinnerung an das "Dritte Reich" noch überall präsent. Am Beispiel seines Protagonisten stellt Aleksandar Tisma die Frage, ob nach den Schrecken der Vergangenheit menschliches Glück noch gedeihen kann. "Treue und Verrat" ist der Abschluss eines fünfbändigen Romanzyklus und erzählt von der Liebe des ruhelosen Sergije zu Inge, der Enkelin eines deutschen Juden, die mit dem Sohn eines Nazis verheiratet ist.
Das Leben hat Sergij der meisten Illusionen beraubt: Während des Krieges im jugoslawischen Widerstand engagiert, erlebt er im Gefängnis den Tod seiner Freundin; seine erste Frau hintergeht ihn, die zweite verlässt ihn nach der Geburt der gemeinsamen Tochter. Eine Mischung aus Nähe und Distanz bestimmt auch das Verhältnis zu seinen Eltern und seinem einzigen Freund Eugen. Erst die Begegnung mit Inge bringt die Veränderung: Sergij, bisher tiefer Gefühle unfähig, verliebt sich. Als er Gefahr läuft, Inge wieder zu verlieren, fasst er einen folgenschweren Entschluss. Schonungslos setzt Aleksandar Tisma den Finger auf die Wunden seiner Charaktere. In Rückblenden erfährt der Leser von den Ursprüngen ihrer Hilflosigkeit – und erkennt lange vor den Figuren selbst deren Unvereinbarkeit. Ein bewegender Roman, bei dem man recht bald weiß, dass man kein Happy End erwarten darf. (www.parship.de)
