Im Reich der Frauen, in der intimen Atmosphäre eines Dampfbads, unter den liebenswürdigen, aber auch neidischen Blicken hört ein junges Mädchen das Wort "Feind". Denn sobald sich das Gespräch der Frauen um den Ehemann dreht, ist von ihm, dem "Feind" die Rede. Seit Jahrhunderten wird dieses Wort überliefert, denn er ist verantwortlich für die Verzweiflung unter den Frauen.
Es ist diese Verzweiflung, die auch der Erzählerin droht: 37 Jahre alt, verheiratet, Intellektuelle, wohnt in Algier und ist in Liebe zu einem viel jüngeren Berber entflammt. Schuldgefühle, unerlaubte Geständnisse und die Angst vor der Entdeckung lasten auf ihr. Nur schreibend kann sie sich von dieser Leidenschaft befreien.
Es ist diese Verzweiflung, die auch der Erzählerin droht: 37 Jahre alt, verheiratet, Intellektuelle, wohnt in Algier und ist in Liebe zu einem viel jüngeren Berber entflammt. Schuldgefühle, unerlaubte Geständnisse und die Angst vor der Entdeckung lasten auf ihr. Nur schreibend kann sie sich von dieser Leidenschaft befreien.
"In dem kompositorisch ungemein komplex angelegten Roman "Weit ist mein Gefängnis" führt sie die wichtigsten Themen und Motive ihrer Romane zusammen. Die Identität der Frau in der islamischen Gesellschaft, die Suche nach anderen Traditionen in der arabischen Geschichte, das Hohelied weiblichen Aufbegehrens; die algerische Problematik einer Existenz zwischen den Sprachen - dem Hocharabischen, das zugleich die Sprache des Nationalismus ist, dem Französichen, das die einstigen Kolonialherren zurückgelassen haben, und dem Berberisch-Libyschen, jener nur mündlich tradierten Volkssprache, die Assia Djebar immer wieder beschwört,wenn sie an eine nordafrikanische Kultur vor dem Islam und vor der arabischen Eroberung erinnert. Was Djebar in der persönlichen wie der historischenGeschichtsschreibung leistet, das ist nichts anderes als die Umdrehung des Blicks; der Blick, mit dem die Welt gesehen wird, kommt aus jenem schmalen Sehschlitz, auf den der Schleier das Sehfeld der Frauen verengt hat."
Karl-Markus Gauß, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Karl-Markus Gauß, Frankfurter Allgemeine Zeitung
