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Verwandtschaft, Geschlecht und Raum - Gratz, Kathrin
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Die vorliegende Ethnographie ist das Produkt einer Feldforschung im Norden Pakistans. Über eineinhalb Jahre teilte die Autorin den Alltag der Frauen und Mädchen zweier Familien in Gilgit, einer dynamischen und sich rasch wandelnden Stadt im Karakorumgebirge. Vor dem Hintergrund strenger muslimischer Geschlechtertrennung beschreibt sie die alltäglichen Arbeiten der Frauen und Mädchen, ihre Mobilität und ihre - häufig konfliktreichen - Interaktionen in Familie und Nachbarschaft. Die Kleinräumigkeit der weiblichen Lebenswelt, ihre Verwurzelung im häuslichen Alltag und die übergroße Bedeutung…mehr

Produktbeschreibung
Die vorliegende Ethnographie ist das Produkt einer Feldforschung im Norden Pakistans. Über eineinhalb Jahre teilte die Autorin den Alltag der Frauen und Mädchen zweier Familien in Gilgit, einer dynamischen und sich rasch wandelnden Stadt im Karakorumgebirge. Vor dem Hintergrund strenger muslimischer Geschlechtertrennung beschreibt sie die alltäglichen Arbeiten der Frauen und Mädchen, ihre Mobilität und ihre - häufig konfliktreichen - Interaktionen in Familie und Nachbarschaft. Die Kleinräumigkeit der weiblichen Lebenswelt, ihre Verwurzelung im häuslichen Alltag und die übergroße Bedeutung verwandtschaftlicher Beziehungen wird sichtbar. Gleichzeitig zeigt die Arbeit, wie aktiv sich Frauen und Mädchen mit den Potenzialen und Gefahren ihrer sich wandelnden Lebensbedingungen auseinandersetzen. Aspekte, die sonst durch die Raster der Aufmerksamkeit zu fallen drohen - weil weibliche Akteure oft im Verborgenen agieren oder weil ihnen von vornherein Machtlosigkeit und Passivität unterstellt werden - finden besondere Beachtung. Damit ist dies einerseits eine Ethnographie der 'kleinen Dinge', der alltäglichen Handlungen und Begegnungen. Andererseits arbeitet die Autorin die grundlegenden Strukturprinzipien heraus, die den weiblichen Alltag formen - Prinzipien, die nicht auf Nordpakistan beschränkt, sondern auf weite Teile des Landes übertragbar sind, ebenso wie auf Afghanistan und andere Regionen der muslimischen Welt. Zahlreiche aufwändige Grafiken veranschaulichen diese Grundstrukturen.
Die Bereiche der Familie und des Haushalts - die primären Wirkungsfelder der Frauen - gelten bis heute in der Ethnographie Pakistans als schwer zugänglich und werden aus diesem Grund vernachlässigt. Im Gegensatz zu dieser gängigen Meinung zeigt die Autorin, wie einfach es für eine weib-liche Forscherin ist, in Haushalten Aufnahme zu finden und pakistanisches Familienleben zu beobachten - vorausgesetzt sie ist bereit, den Preis zu zahlen: Sie muss die privilegierte Rolle der For-scherin opfern; sie muss akzeptieren, dass - einmal 'drinnen' angekommen - die Forschung nicht mehr unter ihrer Regie stattfindet; und sie muss der Tatsache ins Auge sehen, dass ihre mitgebrachte Methodik sich als inkompatibel mit dem Gegenstand erweist. Diese spezifische Forschungssituation, die in der Einleitung eingehend analysiert wird, hat die Arbeit geprägt: Bewusst enthält sich die Autorin eines allzu wissenschaftlichen Vokabulars, belässt Bezüge zu fachlichen Debatten implizit und entscheidet sich für eine unkonventionelle Darstellungsweise.
Verwandtschaft, Geschlecht und Raum ist damit auch ein Experiment ethnographischen Schreibens. Die Autorin versucht, möglichst viel von der erlebten ethnographischen Erfahrung in den Text herüberzuretten. Die willkürliche Zerstückelung von Erlebtem und seine Unterordnung unter fachliche Erkenntnis- und Darstellungsinteressen konterkariert sie mit der Stärke und dem Eigenleben des Erlebten. Zitate aus ihren Feldtagebüchern durchziehen fortlaufend den Text. Damit wird die Ebene der ethnographischen Erfahrung kontinuierlich einbezogen und das erfahrende Subjekt in den Text integriert, ohne im Mittelpunkt zu stehen. Studierenden der Ethnologie präsentiert sich so eine wertvolle Innensicht auf den Prozess der Feldforschung, ihren Erlebnisreichtum und die unterschiedlichen Ebenen der ethnographischen Aufarbeitung und ethnologischen Analyse - im Feld und am heimischen Schreibtisch.

The present ethnographical work is the result of a long term field research in North Pakistan. More than one and a half years the author shared the daily life of the women and girls of two families in Gilgit, a dynamic and quickly changing city in the Karakorum Mountains. Against the background of a stern Muslim gender-segregation she describes the daily workings of the women und girls, their mobility and their - often conflict-riddled - interactions in the family and neighbourhood. The narrow spatiality of the female environment, its rootage in the domestic daily life, and the outsized meaning of kindsmanlike relations are getting visible. Simultaneously the book shows how active women and girls deal with the potentialities and dangers of their changing living conditions. Aspects, which too often do not come into focus, because female actors oftentimes act in secracy or because powerlessness and passiveness are equated with women, are taken into account in a special way. So this work is on the one hand an ethnography of the 'small things', the daily acts and encounters. On the other hand the author compiled essential structural principles designing the female daily life. These principles are not constricted to North Pakistan but transferable to larger parts of the country as well as to Afghanistan and other regions of the Muslim world. Numerous complex diagrams exemplify these basic structures.
The domain of family and household - the primary sphere of influence of the women - are still regarded as heavily accessible in the ethnography of Pakistan, and are therefore neglected. Contrary to this the author shows how easy it is for a female researcher to find accommodation in households and to monitor Pakistan family life - preconditioned she is all set to pay the price: she has to give up her previleged role of a researcher, she has to accept that the research is no longer in her hand once she is 'inside'. And she has to realize that known methodologies prove to be incompatible with the subject. This special research situation which is described in detail in the introduction has formed the work: the author consciously avoids too scientific vocabulary, the references to technical debates are merely implicit, and the representation is unconventional.
Thus "Verwandtschaft, Geschlecht und Raum" is also an experiment of ethnographical writing. The author tries to rescue as much of the ethnographical experience as possible into the text. The random fragmentation of the experiences und their subordination into technical cognitional and construction interests are foiled with the power and the life of its own of the experienced. Quotations of her field diaries can be found throughout the text. This continuously includes the level of ethnographical experience, and the experiencer is intergrated in the text without being in focus. For students this book provides a valuable insight into the process of field research, its adventure opulence, and the different levels of ethnographical analyses and evaluation - in the field as well as at the native desk.