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Jodel arbeitet als Toningenieur bei der Polizei, wo er Aufnahmen analysiert, um zur Aufklärung von Verbrechen beizutragen. Als er die elfjährige Jeanne kennenlernt, begreift er schnell, dass sie an derselben Gabe »leidet« wie er: an Hyperakusis, einem extremen Hörvermögen. Die beiden freunden sich an: Jodel will Jeanne das zielgerichtete Hören beibringen, damit sie nicht im Lärm der Welt ertrinkt. Außerdem macht er die Bekanntschaft von Ulan, einem Russen, der in einem verlassenen Industriegelände mit anderen Ausgebooteten aus aller Herren Länder haust. Und er trifft Jeannes Mutter, Jaumette,…mehr

Produktbeschreibung
Jodel arbeitet als Toningenieur bei der Polizei, wo er Aufnahmen analysiert, um zur Aufklärung von Verbrechen beizutragen. Als er die elfjährige Jeanne kennenlernt, begreift er schnell, dass sie an derselben Gabe »leidet« wie er: an Hyperakusis, einem extremen Hörvermögen. Die beiden freunden sich an: Jodel will Jeanne das zielgerichtete Hören beibringen, damit sie nicht im Lärm der Welt ertrinkt. Außerdem macht er die Bekanntschaft von Ulan, einem Russen, der in einem verlassenen Industriegelände mit anderen Ausgebooteten aus aller Herren Länder haust. Und er trifft Jeannes Mutter, Jaumette, eine Komponistin, und verliebt sich in sie.

Die Leser geraten in den Sog von Jodels Nachdenken über die Liebe, die Welt und die Sonderlinge in ihr: Wie gelingt es uns, inmitten von Chaos und Gewalt nicht die Ohren zu verschließen, sondern unseren moralischen Kompass zu bewahren? Wie bleiben wir empfänglich für den Lärm des Lebens, und wie können wir daraus Musik gewinnen? Und wo ist ein Platz für Menschen, die nicht der Norm entsprechen? Die Autorin entfaltet ein Netz aus Begegnungen, und ein erotisches Szenario, dessen Fäden sie in die Hände der Komponistin Jaumette legt, der »Ordnerin des Klangchaos«. Ein hochaktueller, sinnlicher Ideenroman, der dem Schrecklichen und dem Schönen gleichermaßen nachlauscht und beim Zuhören Widerstandskräfte entwickelt.

»Durch eine ganz besondere Gunst des Himmels hat er in wenigen Tagen drei entscheidende Begegnungen gehabt: eine kleine bezaubernde hyperakusische Doppelgängerin, deren Lauf er angehalten hat; sie hat ihn zu ihrer Mutter geführt, die sein großes Begehren geweckt hat; und schließlich ist ein sehr fremder Fremder an einem Gewittertag bei ihm hereingeschneit und hat ihn in eine Gegend geführt, die er nie besucht hatte: die große Welt, gespiegelt im funkelnden Mikrokosmos eines Wassertropfens. Dreistimmig haben sie die Melancholie vertrieben.«
Autorenporträt
Belinda Cannone, Romancière, Essayistin, von sizilianisch-korsischen Eltern in Tunesien geboren, lebt in Paris und in der Normandie. Sie ist eine der großen kritischen Stimmen Frankreichs. Ihre Themen: Feminismus, Antisemitismus, Rassismus. Vielfach preisgekrönt, u.a.: Essay-Preis der Académie franÇaise. 2020 erschien ihr erfolgreicher Roman Vom Rauschen und Rumoren der Welt, nach dem auch ein Hörspiel (WDR) entstand. Über sich selbst sagt sie: Am Anfang ein Erstaunen: Trotz der Banalität, der Reizlosigkeit oder dem geringen Gehalt an Vergnügen des gerade beginnenden Tages habe ich jeden Morgen wieder Lust darauf, aufzustehen. Aufstehen: Bewegung gewordenes Verlangen. Und mit diesem Verlangen das heftige, fast beunruhigende Bewusstsein, dass es nicht vorhanden sein könnte. Eines Morgens könnte ich keine Lust haben aufzustehen (das ist, flüchtig, manchmal vorgekommen). Mein ganzes Leben als Schriftstellerin hat zunächst darin bestanden - und wird sicherlich bis zum Ende darin bestehen -, mir Fragen über die Lust zu leben zu stellen und über sie zu staunen. Mein Leben als Schriftstellerin: Neben diesem Staunen über die Lust muss man sich mit der Gewalt der Welt auseinandersetzen, sie begreifen oder zumindest verarbeiten. Bücher schreiben, um das zu schaffen - für mich eine Form, einen Achttausender nach dem anderen zu erklimmen, sonst ist das Leben nicht intensiv genug. Ein intensives Leben: Es besteht zwar zunächst im Schreiben, muss aber außerdem meiner Vorstellung vom Menschen als einem vollständigen Individuum entsprechen, das heißt Körper und Geist. Also, auch, tanzen (Tango), laufen, schwimmen, gärtnern, einen Teil der Zeit auf dem Land leben. Und lieben. Ich habe mein ganzes Leben so gestaltet, dass ich in größtmöglicher Freiheit leben kann. Ich lasse keine anderen Störungen dieser Freiheit zu als die, die Wirklichkeit und Verantwortung auferlegen. Wirklichkeit und Verantwortung: Wir sind nicht in unserem Ich-Ich eingeschlossen, als isolierte und autonome Individuen. Ich bewohne das gemeinsame Haus, ich umhege es, ich denke es und ich versuche, die darin umgehenden gemeinsamen Geheimnisse zu erfassen, um sie zu nennen. Vor allem: Wir sind Beziehungswesen - in Beziehung zu anderen, aber auch zur Natur, zum Kosmos. Alles, was ich schreibe, geht vom Prinzip des Verflochtenseins aus und zielt darauf ab, die Beziehung zu erforschen. Als Kind hat mein Vater mir gesagt, die Größe eines Mannes, einer Frau rühre daher, die Augen weit zu öffnen und auszusprechen, was man sieht. Das ist mein Bestreben. Tobias Scheffel, 1964 in Frankfurt am Main geboren, studierte Romanistik, Geschichte und Geographie in Tübingen, Tours (Frankreich) und Freiburg. Seitdem lebt er in Freiburg, wo er seit Anfang der Neunziger Jahre als Übersetzer aus dem Französischen arbeitet. Inzwischen hat er zahlreiche Romane und Werke der Kinder- und Jugendliteratur, wie auch einige Sachbücher ins Deutsche übertragen. Er übersetzte unter anderem Robert Bober, Georges Perec, Jacques Roubaud, Christophe Boltanski und Pierre Lemaitre - und arbeitet immer wieder gern mit Kolleginnen zusammen: Mit Sabine Grebing an den Jugendbüchern von Timothée de Fombelle und mit Claudia Steinitz (unter anderem) an den Romanen und Erzählungen von Véronique Bizot. Bei der gemeinsamen Arbeit schätzt er die Intensität und Ruhe der Auseinandersetzung über Texte, die im gängigen Verlag-Übersetzer-Verhältnis oft zu kurz kommt. Daneben begleitet er gelegentlich von ihm übersetzte Autorinnen und Autoren bei Lesungen und leitet immer wieder Workshops zum Übersetzen - für Schüler, Studenten, aber auch Kollegen. Besonders angetan haben es ihm die "Berliner Bücherinseln", eine Initiative, die sich an Grundschüler richtet, die an Bücherorten (in Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlagen ...) auf Büchermacher (Autor/inn/en, Illustrator/inn/en, Übersetzer/innen) treffen, die ihnen von ihrer Arbeit berichten und die jungen Menschen die Welt der Bücher "als eine gestaltete und gestaltbare Welt" entdecken lassen. Zur Arbeit mit Schülerinnen und Schülern gehört auch seine Teilnahme an "echt absolut!" (2018/2019), einem Projekt des Literarischen Colloquiums Berlin und des Deutschen Übersetzerfonds, das bundesweit Workshops zum literarischen Übersetzen für Jugendliche fördert. 2005 erhielt er den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis für seine Übersetzungen der Romane von Robert Bober und Fred Vargas, 2011 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für das Gesamtwerk eines Übersetzers. Claudia Steinitz verwies mit sechzehn Jahren auf die elterliche Frage, was sie einmal werden wolle, auf ihr Interesse für Literatur und Französisch. Seit dreißig Jahren widmet sie sich eben diesem Interesse und hat inzwischen mehr als hundert Bücher - überwiegend Romane aus Frankreich, der Schweiz und Haiti - ins Deutsche übersetzt. Zu den größten und schönsten Herausforderungen gehören Romane von Albertine Sarrazin, Virginie Despentes, Véronique Olmi und Véronique Bizot (zusammen mit Tobias Scheffel). Um ihr Bedürfnis nach Kommunikation und Weltverbesserung zu befriedigen, organisiert sie im Rahmen der Weltlesebühne e.V. Übersetzerveranstaltungen und Seminare, übernimmt Mentorate für junge Übersetzerinnen und engagiert sich als überzeugte Europäerin in der Seebrücke e.V. für offene Häfen und Seerettung auf dem Mittelmeer.